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 Betreff des Beitrags: Insekt des Jahres 2010 - Der Ameisenlöwe
BeitragVerfasst: 18. Dez. 2009, 15:52 
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Registriert: 05. Dez. 2007, 16:19
Beiträge: 232
Wohnort: 34123 Kassel
Hallo liebe Ameisen- und Naturfreunde,

am 27. November wurde der Ameisenlöwe (Myrmeleon formicarius) Insekt des Jahres 2010 für Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgestellt. Die Schirmherrschaft hat Dr. Johannes Hahn, österreichischer Bundesminister für Wissenschaft und Forschung (Wien) übernommen.
Das Insekt des Jahres wurde das zwölfte Mal proklamiert:


Ameisenlöwe ist Insekt des Jahres 2010 in Deutschland/Österreich/Schweiz
Dr. Wohlert Wohlers, Pressestelle
Julius Kühn-Institut

(Berlin) Der Ameisenlöwe (Myrmeleon formicarius) ist das Insekt des Jahres 2010. Er ist ein Räuber, der Ameisen und andere kleine Tiere mit einer verblüffenden Methode fängt: Er baut im sandigen Boden Trichter. Wenn Beute dort hineinläuft, kommt sie nicht wieder heraus, weil sie mit dem lockeren Sand zum Trichtergrund rutscht. Dort wartet mit seinen großen Zangen der Ameisenlöwe und injiziert ein lähmendes Gift. Der Ameisenlöwe ist eine bis zu 17 mm große Larve mit bräunlicher Färbung. Das erwachsene Tier ist grazil mit vier durchsichtigen, 3,5 cm langen Flügeln und heißt Ameisenjungfer.
Der Ameisenlöwe ist zwar vielen bekannt, aber gesehen hat ihn kaum jemand, da er sich immer im Sand versteckt. Am Grund der Trichter sind höchstens die Zangen zu erkennen. Er hat einen rundlichen und etwas abgeflachten Körper mit schmalem erstem Brustsegment und Kopf. Er kann sich innerhalb von Sekunden rückwärts in Sand eingraben. Seine Haare und Borsten sind nach vorne gerichtet. Zum Trichterbau braucht er höchstens eine halbe Stunde. Dazu gräbt er erst einen runden Graben, den er weiter nach innen vertieft, indem er mit seinen Zangen den Sand bis zu 30 cm weit wirft. Der Trichter muss so steil sein, dass der lockere Sand sich sofort in Bewegung setzt, wenn ein Insekt darauf tritt. Regen und Nässe ist für das Beutemachen nicht gut, weil der Sand zusammenklebt. Die Trichter sind je nach Material 2 bis 3 cm tief und haben einen Durchmesser von bis zu 8 cm.

Die Larven häuten sich zweimal bis sie sich im Sand in einen Kokon einspinnen und verpuppen. Die gesamte Entwicklung dauert etwa zwei Jahre. Im Sommer schlüpft das erwachsene Tier, das wie so häufig bei Insekten ganz anders als die Larve aussieht. Diese so genannte Ameisenjungfer ähnelt einer Libelle, gehört jedoch zu den Netzflüglern. Sie ist also eine Verwandte der Florfliege, dem Insekt des Jahres 1999. Das erwachsene Insekt legt in Ruhestellung die Flügel über dem Hinterleib dachartig zusammen. Von Libellen kann man sie auf Anhieb durch ihre längeren Fühler unterscheiden. Ameisenjungfern fliegen vor allem nachts.

Der Ameisenlöwe bzw. die Ameisenjungfer heißt auf Lateinisch Myrmeleon formicarius. Im Deutschen wird das erwachsene Tier als Gewöhnliche oder Gemeine Ameisenjungfer bezeichnet, weil sie am häufigsten vorkommt. Eine zweite häufige Art ist Euroleon nostra, die Geflecktflügelige Ameisenjungfer. Weltweit gibt es ca. 2.000 Ameisenlöwen-Arten, in Mitteleuropa lediglich neun, von denen nur vier Trichter bauen. Die anderen Arten jagen im Oberflächensand oder Mulm verborgen nach Beute. Sie sind alle in ihrem Bestand gefährdet.

Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de/insektdj

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news346349
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Biologie, Tier- / Agrar- / Forstwissenschaften, Umwelt / Ökologie
überregional

Gruß Karsten Grotstück


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19. Dez. 2009, 11:19 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1291
Wohnort: Reinheim
Lieber Herr Grotstück,

Vielen Dank für diesen Hinweis! - Sie sind ja einer der wenigen "Getreuen", die hier gelegentlich etwas beisteuern.

Weitere Informationen und Bilder gibt es hier:
http://www.ameisenwiki.de/index.php/Fre ... l%C3%B6wen

Euroleon nostras (Gefleckte Ameisenjungfer) dürfte nach meinen Beobachtungen in den letzten ca. 30 Jahren deutlich häufiger geworden sein. Inzwischen finde ich sie an geradezu unwahrscheinlichen Stellen, z.B. auch auf der Nordseite meines Hauses, wo unter dem Dachüberhang ein schmaler Sandstreifen unter einem dichten Feuerdorn besiedelt ist.

Ich wünsche Ihnen und allen Lesern ein geruhsames Weihnachtsfest und alles Gute im Neuen Jahr,

A. Buschinger

_________________
!!! EINHEIMISCHE HAUSAMEISEN SIND KEINE SCHÄDLINGE per se !!! - Sie nutzen nur Baufehler bzw. Bauschäden zur Anlage ihrer Nester. Dies ist anders bei Exoten wie Pharaoameise, Pheidole spp. usw..


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 20. Dez. 2009, 13:47 
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Registriert: 17. Nov. 2009, 18:25
Beiträge: 15
Hallo,

danke für diesen Hinweis!
Leider gibt es bei uns nur noch sehr wenige Ameisenlöwenbestände.

Ich wünsche allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Julian Beier


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 Betreff des Beitrags: Re: Insekt des Jahres 2010 - Der Ameisenlöwe
BeitragVerfasst: 08. Jan. 2011, 15:51 
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Registriert: 05. Dez. 2007, 16:19
Beiträge: 232
Wohnort: 34123 Kassel
Film

Von Kröten, Molchen und Löwen - Über-Leben nach dem Bergrutsch


Nach einer Naturkatastrophe erobern Flora und Fauna ganz allmählich verloren gegangenes Terrain zurück. Pionierpflanzen sprießen, das Regenwasser bleibt in Pfützen stehen, in denen sich Molche entwickeln. An anderen Extremstandorten überleben Gelbbauchunken, Kreuzkröten, Uferschwalben und die Larve der Ameisenjungfer,der Ameisenlöwe. Und in der steilen Felswand ziehen Wanderfalken ihre Jungen groß. Ein Film von Otto Hahn.



Link zum Film:

http://www.planet-schule.de/sf/php/02_s ... endung=809




Gruß Karsten Grotstück


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 Betreff des Beitrags: Re: Insekt des Jahres 2010 - Der Ameisenlöwe
BeitragVerfasst: 12. Jun. 2013, 11:20 
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Registriert: 06. Mai. 2013, 12:01
Beiträge: 7
Interessanter Beitrag, ich war mir der Existenz des Ameisenlöwens garnicht bewusst!

_________________
Waidmanns Heil


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 Betreff des Beitrags: Re: Insekt des Jahres 2010 - Der Ameisenlöwe
BeitragVerfasst: 03. Sep. 2014, 05:12 
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Registriert: 03. Sep. 2014, 05:04
Beiträge: 1
Frau Dr. Gabriele Berberich (Universität Duisburg-Essen) berichtet am Dienstag, 29.1.2013, um 19.30 Uhr in der Wuppertaler Station Natur und Umwelt über ihre Forschungen an Ameisen, die Erdbeben voraussagen sollen.
Die Veranstaltung findet statt in der Station Natur und Umwelt, Jägerhofstr. 229 in Wuppertal. Gäste sind herzlich willkommen.

_________________
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