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 Betreff des Beitrags: Neues Märchen über Waldameisen
BeitragVerfasst: 21. Aug. 2006, 05:25 
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Neues Märchen über Waldameisen

http://www.daserste.de/wwiewissen/thema ... 15g~cm.asp

Sendung vom 20.08.2006

Die Flucht der Ameisen

Ameisen richten ihre Bauten stets nach Brüchen in der Erdkruste, so genannten "Störungslinien" aus. Diese spektakuläre Entdeckung machte der deutsche Geoforscher Prof. Ulrich Schreiber von der Universität Duisburg-Essen. Er will die Bauten der Waldameisen als Indikatoren für geologische Aktivitäten wie Vulkanismus nutzen. Was ist dran an Schreibers Ideen? W wie Wissen geht der Sache auf den Grund.

Der Geologe Ulrich Schreiber ist einem Phänomen auf der Spur. Ein Phänomen, das auch für ihn als gestandenen Wissenschaftler fast unglaublich scheint: Waldameisen haben möglicherweise einen Riecher für Orte, an denen sich Erdbeben bilden können. Was zunächst wie Spinnerei klingt, glaubt Ulrich Schreiber in der Natur nachweisen zu können. In der Verlängerung eines Quarzfelsens führt er uns durch das Dickicht zu einem Beleg seiner ungewöhnlichen Theorie, eine Ameisenhaufen.

Ameisen als Geologen

"Die Teufelsley - ein typischer Quarzfelsen befindet sich jetzt 200 Meter in nördlicher Richtung von hier. Wir können das mit dem Kompass sehr genau einpeilen und die Verlängerung der Teufelsley, ist eine Störungszone, die höchstwahrscheinlich gasführend ist und die Ameisen nutzen diese Störungszone", erklärt Schreiber. Unter "Störungszonen" verstehen die Wissenschaftler unterirdische Risse in der Erdkruste, die sich bei einem Erdbeben gegeneinander verschieben können.

In Form von Felsformationen wie der Teufelsley in der Eifel treten sie ans Tageslicht. Aus der Vogelperspektive wird dieses Riss-System durch die Bauten der Ameisen deutlich. Waldameisen scheinen ihre Bauten in einer Linie entlang solcher Störungszonen zu errichten, wie eine Karte von Ulrich Schreiber aus Nordrheinwestfalen zeigt. Jedes rote A steht für ein Ameisennest. Und tatsächlich liegen alle Nester entlang einer solchen geologischen Störung.

Auch im Südschwarzwald wird die Beziehung deutlich: Die grün markierten Nester orientieren sich an den blau eingezeichneten geologischen Linien. Links und rechts davon ist kein Nest zu finden.
Ulrich Schreiber ist sich sicher, dass seine Beobachtungen kein Zufall sind. Doch warum siedeln die Winzlinge entlang der Risse in der Erdoberfläche? Und - wie können sie diese überhaupt wahrnehmen?

Gase aus dem Erdreich

Einen Hinweis liefert die Teufelsley. Sie ist durch eine tiefe Spalte geteilt, wie alle Störungslinien. Und diese geologische Besonderheit hat eine ganz typische Eigenschaft. Durch die Spalten steigen Gase aus tieferen Erdschichten auf. Nutzen die Ameisen womöglich diese Gase, um ihre Bauten an den Spalten zu orientieren? Dazu müssten sie in der Lage sein, die Gase wahrzunehmen.

Die Forscher wollen das überprüfen. Über einem bekannten Riss in der Erde nimmt das Geologen-Team Gasproben. Im Labor soll später überprüft werden, ob die Ameisen auf das Gas reagieren. Wenn das Experiment gelingt, wäre das ein weiterer Beleg dafür, dass Ameisen erdbebengefährdete Zonen erkennen können. Und für die Geologen noch interessanter: Ameisenhaufen könnten vielleicht sogar bisher unbekannte Gasvorkommen anzeigen.

"Wir können erst mal nur das Helium messen", sagt Schreiber, "das Helium ist für uns ein Anzeiger, für die Störung. Wir wissen nicht, was die Ameisen letztendlich auf der Störung machen. Es kann sein, dass sie andere Gase nutzen, oder sonst irgendeinen anderen Vorteil haben."

Geruchs- Experiment

Gemeinsam mit dem Biologen Stefan Hetz von der Humboldt-Universität Berlin wollen die Geologen Waldameisen mit den Gasproben aus dem Freiland konfrontieren. Ein paar hundert "Probanden" haben sie dazu in die Hauptstadt mitgebracht. Und auch die Luft aus der geologischen Störung ist im Gepäck. Für den Versuch müssen ein paar Ameisen ihr nadeliges Zuhause gegen eine Kammer aus Plexiglas austauschen. Am Computer soll sichtbar werden, was im Inneren der Kammer passiert. Denn die wird in einen hermetisch abgeschlossen Raum gestellt.

Nur ein kleiner Schlauch verbindet die Tiere mit der Außenwelt. Durch ihn wird die Gasprobe zu den Ameisen geleitet. Ein paar Minuten vergehen, dann zeigt sich ein erstes Ergebnis. Die Aktivität der Ameisen sinkt kurz nach der Zufuhr des Gases. Das Gas ist weder betäubend noch giftig für sie. Warum werden sie also für einen kurzen Moment ruhiger? Ist das vielleicht eine positive Reaktion auf das Gas? Können die Ameisen tatsächlich die Störungslinien riechen?

Mehr als bloße Vermutung

"Es ist durchaus möglich, dass Ameisen mit ihren Antennen gasförmige Stoffe in der Luft aufnehmen können und zwar in einer unendlich kleinen Verdünnung. Und das ist durchaus möglich, dass die nach diesen Störungslinien suchen", sagt Biologe Hetz.

Wir fassen zusammen: Karten mit eindeutigen Belegen! Gase, die aus dem Erdreich kommen und: Insekten mit erstaunlichen Fähigkeiten. Warum die Ameisen Ihre Nester entlang von Rissen in der Erdkruste bauen, bleibt vorerst ein Rätsel. Aber womöglich hält die Natur hier noch weitere Überraschungen für die Forscher bereit.
(Autor: AxelWagner)

Links:
Die Flucht der Ameisen
Hier stellt Ulrich Schreiber sein Buch vor, das die Forschungen an den Zusammenhängen zwischen Ameisennestern und der Geologie zu einem spannenden Roman verknüpft.
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KRITIK:

Als Ameisenforscher mit sehr langer Erfahrung halte ich diese Darstellung zunächst einmal für völlig unbewiesene, ja reißerische Spekulation.
Waldameisen siedeln KEINESFALLS nur entlang von Störungslinien im Gestein. Unzählige Nester finden sich auf tiefgründigen Moorböden, oder in den Wäldern in der Oberrheinebene auf bis zu 3.000 m mächtigen Sedimenten. Wo sind da die Klüfte?

Im Odenwald kenne ich tatsächlich auffallende Reihen von Ameisenhügeln, die offensichtlich auf lang gestreckten Klüften des ansonsten recht kompakten Gesteins angeordnet sind. Der Boden ist über dem anstehenden Fels relativ dünn. Meine Erklärung (die Herr Schreiber auch von mir erfahren hat): Nur in den Klüften können die Ameisen hinreichend tief bauen, nur darin können sie in Zeiten anhaltender Trockenheit noch genügend Feuchtigkeit vorfinden! Ein Waldameisenvolk muss ja ganzjährig und über viele Jahre ununterbrochen geeignete Lebensbedingungen haben. Erst wenn solche ganz natürlichen und alltäglichen Faktoren wie die zuverlässige Erreichbarkeit von Wasser bzw. Bodenfeuchtigkeit ausgeschlossen sind, kann ein Wissenschaftler über andere, bisher nicht erfasste Faktoren spekulieren.

Gase aus Erdspalten, Erdbebengefahr, Ameisen, die darauf mit Flucht reagieren, das ist eine Mixtur von Reizthemen, die hier wohl hauptsächlich den Absatz des im Artikel genannten Buches von Herrn Prof. Dr. Ulrich Schreiber ankurbeln sollen.

Das hat mit Wissenschaft nur den Namen gemein; bis zum Vorliegen wirklicher Beweise und bis zur überzeugenden Widerlegung der genannten Gegenargumente halte ich dieses Buch und die „wissenschafliche“ Verbrämung dazu schlicht für Science Fiction. Es gehört in dieselbe Kategorie wie die uralte und immer wieder aufgewärmte Behauptung, dass Waldameisen (warum eigentlich nur diese?) ihre Nester „immer“ auf „Reizzonen“, "Feldern" oder dergleichen anlegen, die physikalisch nicht messbar sind, jedoch von auserwählten Wünschelrutengängern „zuverlässig“ bestimmt werden können. Auch dafür wurde nie ein Beweis erbracht, schon gar nicht von den Wünschelrutengängern selbst.

(Prof. Dr. Alfred Buschinger)


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 Betreff des Beitrags: Weitere Informationen zu "Flucht der Ameisen"
BeitragVerfasst: 21. Aug. 2006, 08:49 
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Bei www.Amazon.de kann man über das Buch Näheres erfahren:

Die Flucht der Ameisen von Ulrich C. Schreiber (31. März 2006) EUR 24,90
(Shayol Verlag: "Der Verlag für Science Fiction und Fantasy" - Eigenwerbung!)

Überschrift einer der Rezensionen:
„Gelungener "Science-Thriller"!“

Die Besprechungen werten das Buch durchaus als lesenswert, unterhaltsam, spannend. Schließlich sind die Ameisen nur ein Aufhänger, sollen frühzeitig einen bevorstehenden Vulkanausbruch in der Eifel ankündigen. Ein Lavastrom staut den Rhein, so dass Mainz und Frankfurt überflutet werden, und so weiter.

Aus einer weiteren Rezension:
„Dieses Buch sollte für jeden als Anregung dienen, darüber nachzudenken, welche Bedeutung die Wissenschaft, speziell die Geologie, für unser tägliches Leben hat und haben könnte. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen in unserem Land sich diese Vision zu Herzen nehmen und ihre Konsequenzen (Katastrophenschutzpläne etc.) daraus ziehen werden.“ -

Ich habe das Buch nicht gelesen, werde es auch nicht kaufen, aber vielleicht bekomme ich ein Gratisexemplar für eine Rezension :) .

Störend empfinde ich eben hauptsächlich, dass die Waldameisen, ohnehin mit zahlreichen unsinnigen Märchen belastet, wieder einmal für so etwas herhalten müssen, und dass der Anschein erweckt wird, es stehe solide wissenschaftliche Erkenntnis hinter den Ausführungen in dem eingangs geposteten Bericht über die Fernsehsendung. Das "riecht" doch sehr nach promotion für den Roman! Mit seriöser Wissenschaft hat das nichts mehr zu tun.

Im Vorfeld war ich mehrfach mit der Thematik konfrontiert worden, habe meine Einschätzung der Beobachtungen von Waldameisennestern über den „Klüften“ dargelegt. Wurde aber nicht berücksichtigt: Eine nicht ganz so triviale Erklärung verkauft sich halt besser!

Erläuterungen nach Kommentaren in einem anderen Forum:

Klüfte sind Risse in ansonstem festem Fels, von winzig bis mehrere hundert Meter groß. Sie entstehen z.B. durch Temperaturwechsel; eindringendes Wasser gefriert und treibt die Bruchstücke auseinander, Wurzeln dringen ein und erweitern die Klüfte noch mehr, es sammelt sich Boden darin an. Das kann mehrere bis viele Meter tief werden. Dort hält sich Bodenfeuchtigkeit, die von den Waldameisen genutzt werden kann, auch ohne dass sie „hunderte Meter tief“ graben müssten.

Richtig ist, dass solche Klüfte auch z.B. bei Erdbeben entstehen und dass darin auch Gase aus größerer Tiefe aufsteigen können. Die Eifel ist ein junges Vulkangebiet, in dem auch vielerorts noch vulkanische Gase austreten. Beispiel Laacher See, ein Maar, also ein wassergefüllter vulkanischer Explosionstrichter. Wenn man darum herum wandert, sieht man überall Gasblasen aufsteigen. Baden ist verboten, weil es sich hauptsächlich um Kohlendioxid handelt: Das sammelt sich aufgrund seiner hohen Dichte über dem Wasserspiegel; ein Schwimmer kann ersticken. Schon mancher Döskopp hat trotz Warnschildern seinen Hund da schwimmen lassen und anschließend in die Tierkörper-Verwertung gebracht.

Aber Kohlendioxid ist auch ein Betäubungsmittel für Insekten, für Ameisen. Ich hoffe, die Wissenschaftler haben vor ihrem Gas-Versuch das CO2 herausgefiltert!? Messen konnten sie angeblich nur das Helium, das für Ameisen tatsächlich ungiftig ist.

Auf eine weitere Frage: Noch nicht einmal für die nächsten Verwandten der Waldameisen, die Arten der Untergattungen Serviformica oder Coptoformica, ist eine solche Ausrichtung je beschrieben worden. Dabei sind deren Nester noch leicht zu erkennen. – Es ist und bleibt Spekulation.

Und auch für Waldameisen (Untergattung Formica) gilt, dass die Anordnung von Nestern in Reihen, außer entlang von künstlich geraden Waldrändern, eine sehr seltene Ausnahme darstellt. Die weit überwiegende Zahl der Nester ist statistisch gestreut bzw., bei Kolonieverbänden (Polydomie), geklumpt. Verfügbarkeit geeigneter Neststubben, Besonnungsverhältnisse, Bodentiefe, Verfügbarkeit von Wasser, regelmäßige Versorgung mit Honigtau von geeigneten verlausten Bäumen, …, das sind genügend Faktoren, die auf die Verteilung der Nester im Freiland Einfluss haben. Und über deren relative Bedeutung es noch genug Forschungsbedarf gibt.

MfG, A. Buschinger


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03. Sep. 2006, 11:37 
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Lesen Sie dies:

http://www.vdi-nachrichten.com/vdi-nach ... &doPrint=1

habe ich durch google-Recherche gefunden. Weist auf die Hintergründe des Romans hin, sowie auf die Absichten Herrn Schreibers, mit den gewonnenen Erkenntnissen eine Diskussion in Gang zu setzen.

Ihr Beitrags als "Wissenschaftler" ist, für einen Nicht-Wissenschaftler wie ich es bin, befremdlich ablehnend formuliert! Sie beschreiben selber den noch nötigen Forschungsbedarf, Ihre Unwissenheit über das Prinzip der Ameise, wo und wie sie ihren Haufen setzen möchte. Woher weiß die Ameise, dass sie sich gerade auf einer "Kluft" befindet und hier ganzjährlich Feuchtigkeit vorhanden ist? Fangen Ameisen nach einem Regenschauer überall an, Haufen zu bauen?

Ihr Einwurf, so eine Ausrichtung sei für die eine Art trotz der Erkennbaren Ausrichtung noch nie beschrieben worden - wieviel Ameisenforscher kennen die geologischen Hintergründe bzw. Untergründe ihrer Schützlinge? Für mich klingt das nach zwei sehr verschiedenen Fachrichtungen.

Außerdem - " ist eine solche Ausrichtung je beschrieben worden" - einer ist immer der erste. Kennen Sie das nicht, Sie sitzen im Restaurant, rufen die Kellnerin und lassen Ihren Schweinsbraten (zäh wie Leder, von gestern wieder aufgewärmt) zurückgehen - worauf sie verwundert antwortet, Sie wären der erste, der sich beschwere. Nur weil die anderen mürrisch weiterkauen, haben Sie Unrecht? Ich denke nicht.


Inzwischen finde ich, obwohl ich zunächst nur an den geologischen Hintergründen des Buches interessiert war, die Diskussion um die Ameisen immer interessanter. Die Erklärung Schreibers in den Medienbeiträgen waren stets schlüssig und wären eine Erklärung für die von Ihnen beschriebenen Ungeklärtheiten. Mehr Facts!


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 Betreff des Beitrags: Ameisen können vor Vulkanausbruch warnen?
BeitragVerfasst: 13. Feb. 2007, 15:12 
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Hier ein aktueller SPIEGEL-Online-Beitrag zum Thema.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 51,00.html

Mich würde interessieren, inwie weit die von Herrn Schreiber angeführten Untersuchungsergebnisse tatsächlich, wie in dem Bericht behauptet, durch Ameisenforscher geprüft bzw. bestätigt werden konnten.

Gibt es tatsächlich eine signifikanten Zusammenhang zwischen geologischen Störungszonen und der Position von Waldameisennestern?

Falls ja wäre es auch bedeutsam für zukünftige Not- und Rettungsumsiedlungen.

Möglicherweise würden ja die Chancen, dass eine umzusiedelnde Kolonie überlebt, steigen, wenn der neue Neststandort, über ebenso einer Störungszone liegt (geologische Karten sollten darüber Aufschluss geben).

René Schulze


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 Betreff des Beitrags: Nichts Neues zum Thema.
BeitragVerfasst: 14. Feb. 2007, 16:50 
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Auszug aus dem Spiegel-Artikel, so weit er „Ameisen“ betrifft:

Ameisen als Frühwarnsystem

Ameisen würden einen bevorstehenden Ausbruch als Erste bemerken, meint Geologe Schreiber. Ähnlich wie ein Kaminfeuer die Störche vom Schornstein vertreibe, verscheuche das Kohlendioxid die Insekten aus ihren Nestern, die sie bevorzugt auf tektonischen Rissen in der Erde anlegten.

Schreibers Theorie sorgte unter Ameisenforschern zunächst für heftigen Protest. Doch nachdem er nun mit Kollegen auf Tagungen Belege präsentiert hat, hat sich der Widerstand gelegt. Schreiber und Kollegen haben ihre Studien inzwischen bei renommierten Fachzeitschriften zur Begutachtung eingereicht.

Verließen die Ameisen in der Eifel zuhauf ihre Nester, sei das ein Alarmsignal, sagt Schreiber. Ansonsten würde es wohl nicht auffallen, wenn sich vermehrt Magma im Untergrund sammeln sollte. Denn in der Eifel stehen kaum Messgeräte. "Eine systematische Überwachung der Vulkane", klagt Schreiber, "ist nicht möglich."
-- so weit der "Spiegel"

Anders als Herr Schreiber vorgibt, hat sich der Widerstand "der Ameisenforscher" (ich weiß von keinem außer mir, der sich damit überhaupt hätte auseinandersetzen mögen :D ) keinesfalls gelegt. Nach wie vor halte ich die Angaben von Schreiber betr. „Ameisen“ als Frühwarnsystem für höchst spekulativ, und auch die Behauptung, „Ameisen“ siedelten bevorzugt auf „tektonischen Rissen“.

Man beachte:

1.) Es ist von „Ameisen“ die Rede. Gemeint sind offenkundig Waldameisen, die noch immer nicht näher bestimmt sind. Andere als Waldameisen (immerhin rund 100 Arten in Deutschland) existieren für Herrn Schreiber anscheinend nicht.

2.) „Ameisen“ werden bestenfalls in der warmen Jahreszeit aus den Nestern flüchten können, nicht aber im kleinen kalten Rest des Jahres.

3.) Was mich schon in der früheren Diskussion (siehe oben in diesem thread und besonders hier: http://www.ameisenschutzwarte.de/forum/ ... .php?t=366 ) verwirrt hat:
Mal sollen die „Ameisen“ bevorzugt auf den tektonischen Rissen siedeln, ohne dass ein überzeugender Grund genannt wird, dann sollen sie hier nun wieder vor dem evtl. austretenden Kohlendioxid flüchten. Dieses kann aber, siehe Laacher See, ohne weiteres über 10.000 und mehr Jahre austreten, ohne dass ein Vulkanausbruch erfolgt.

4.) Zur Verteilung der Waldameisennester, angeblich linienhaft auf den Rissen, habe ich mit Herrn Schreiber bereits ausgiebig diskutiert, siehe im oben verlinkten thread.

5.) Gedruckt liegt zu dem Thema bisher ausschließlich der Roman von Herrn Schreiber vor, den ich nach wie vor als Science Fiction einstufe.

„Schreiber und Kollegen haben ihre Studien inzwischen bei renommierten Fachzeitschriften zur Begutachtung eingereicht.“
Wer sich mit dem wissenschaftlichen Publikationswesen auskennt, kann daraus schließen, dass eben noch keine der „Studien“ von irgendeiner Fachzeitschrift zum Druck angenommen ist, geschweige denn in gedruckter Form vorliegt.

Für Wissenschaftler wie mich gibt es also noch keinerlei Möglichkeit, einen prüfenden Blick auf eine wissenschaftliche Darstellung der Belege für die von Herrn Schreiber aufgestellten Behauptungen zu werfen.

Bei den wirklich renommierten Zeitschriften unterliegen eingereichte Manuskripte einem scharfen Begutachtungsverfahren. Bei so offensichtlich zweifelhaftem Inhalt kann ich die Prognose wagen, dass diese Arbeiten nicht erscheinen werden, zumindest nicht mit dem auf Ameisen bezogenen Inhalt, oder aber in einer deutlich weniger renommierten Zeitschrift. Um die geologischen Arbeiten von Herrn Schreiber zu beurteilen, fehlen mir die hinreichenden Kenntnisse. Umgekehrt dürften Herrn Schreiber die entsprechenden Kenntnisse aus der Ameisenforschung fehlen. Wiederum: Siehe die oben verlinkte frühere Diskussion!

6.) Selbstverständlich können vulkanische Aktivitäten in Bereichen wie der Eifel jederzeit wieder einsetzen. Eine auch nur halbwegs wahrscheinliche Prognose für den Zeitpunkt allerdings kann auch Herr Schreiber als Geologe nicht aufstellen.
"in der allernächsten geologischen Zukunft zahlreiche Eruptionen zu erwarten“ – dazu muss man die geologische Zeitrechnung berücksichtigen. „Allernächst“ ist da auch etwas, das erst in 10.000 oder 100.000 Jahren erfolgt. Die Geologie rechnet nun mal nicht in Monaten oder Jahren.

7.) Entsprechend Punkt 5 liegen also auch für die behauptete Bevorzugung von tektonischen Rissen als Nistbereich für Waldameisen keinerlei Beweise vor. Es wäre absolut verfrüht, bereits jetzt auf solche Zonen zu achten, wenn man Ameisen umsiedeln möchte.

Ncht verständlich ist für mich, dass sich der sonst so kritische „Spiegel“ auf eine derart reißerische Geschichte überhaupt eingelassen hat. Das ist BILD-Niveau!

Prof. Dr. A. Buschinger


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BeitragVerfasst: 14. Feb. 2007, 23:17 
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wie ist ihre erklärung für die übereinstimmungen der ameisenhaufenvorkommen mit den störungslinien?


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BeitragVerfasst: 15. Feb. 2007, 10:12 
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Also ich habe mich vorhin mal mit unserem Geologen hier am Institut zusammengesetzt und die Neststandorte von Waldameisen hier im Tharandter Wald bzw. Umgebung (viele von mir kartiert) mit den da verlaufenden Störungszonen verglichen (Gott sei Dank gibt es geologische Karten).

Wir konnten allerdings keinerlei Zusammenhang zwischen Neststandort und Störungszone erkennen. Da Störungszonen auch recht klein sein können, wobei diese dann auf der Karte nicht eingezeichnet sind, ist es natürlich nicht ausgeschlossen, dass die Nester auf solchen liegen.
Allerdings macht mich stutzig, dass entlang der großen (also eingezeichneten) Störungszonen keinerlei linienförmige Verteilung von Nestern erkennbar war.


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BeitragVerfasst: 15. Feb. 2007, 11:34 
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@ cola:
Bringen Sie mir die Daten (nicht nur die Behauptungen!) von Herrn Schreiber zur Kenntnis, dann kann ich alternative Erklärungen vorschlagen.

René Schulze hat soeben über seine eigenen Nachforschungen berichtet (Danke, René!). Bei der DASW-Hauptversammlung im September 2006 in Nabburg haben wir ein Waldgebiet mit über 1.500 Nestern von Formica polyctena besucht. Linienhafte Anordnung von Nestern fanden wir: Entlang südexponierter Waldinnenränder (entlang von etwa O-W verlaufenden Forststraßen).

Ander Erklärungen (z.B. Spalten im anstehenden Fels, in denen der Boden tiefergründig ist, so dass die Ameisen auch in sehr trockenen Perioden noch an Wasser/ Feuchtigkeit gelangen können - steht z.B. im Startpost dieses threads, unter Kritik!) sind in der inzwischen ja langen Diskussion enthalten. Aber ich bitte Sie, diese selbst gründlich zu lesen. Habe keine Lust, das alles nochmals zu schreiben.

mfG,
A. Buschinger


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BeitragVerfasst: 17. Feb. 2007, 19:51 
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Der von Rene Schulz per Link zitierte Spiegelartiekel wurde heute in der Welzheimer Zeitung / Schorndorfer Zeitung / Waiblinger Zeitung /Stuttgarter Zeitung , ... fast wörtlich wiedergegeben.


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BeitragVerfasst: 18. Feb. 2007, 17:59 
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Wohnort: Dorsten
Hallo Herr Schulze,

großes Lob. Ich rechne es Ihnen hoch an, dass Sie die wissenschaftliche Vorgehensweise wagen und versuchen die diskutierten Zusammenhänge von Störungen und Waldameisenstandorten im Gelände zu überprüfen. Nur so ist es möglich, weiter zu kommen. Gut ist, dass Sie einen Geologen zur Begutachtung hinzu gezogen haben. Grundsätzlich sollten Sie folgendes beachten: In geologischen Karten sind immer zahlreiche Störungen eingezeichnet, deren Alter meist unbekannt ist. Hier tauchen auch Abschiebungen und Aufschiebungen/Überschiebungen auf, die manchmal sehr deutlich in den Karten hervortreten. Diese Störungen sind nicht gemeint. Sie sind normalerweise nicht geöffnet und spielen keine Rolle in der Standortwahl. Es geht um junge oder alte reaktivierte Störungen, die noch nicht zumineralisiert sind. Hilfreich sind Aufzeichnungen von Mikrobeben, die auf rezente Öffnungsmechanismen hinweisen. Ich kenne mich im Raum Dresden nicht aus. Eine gerade veröffentlichte Übersichtskarte in der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Band 157, Heft 3 (2006), S. 355-372 von Lindner et al. gibt möglicherweise neue Hinweise. Die Region um Dresden liegt in der Verlängerung des Nordharz-Lineamentes, das nach Südosten in das Ohre Rift verläuft. Hier ist mit Sicherheit noch einige tektonische Aktivität anzunehmen. Wenn Sie genaue Daten haben (Hoch- und Rechtswerte, GPS-Daten) können Sie die mir auch vertraulich zu einer Begutachtung senden. Wenn sich keine Oberflächenhinweise ergeben, bleibt die Überprüfung durch Helium-Bestimmung in den Bodengasen.
Um Ihnen einen Eindruck von der möglichen Komplexität tektonischer Seitenverschiebungen (oder auch Blattverschiebungen genannt) zu geben, gehen Sie auf den Link von:
http://n.ethz.ch/student/burgj/Files/te ... ttsyst.pdf
Hier besonders S. 140
Oder:
http://www.museum.hu-berlin.de/min/lehr ... aechen.pdf

Ein besonders schönes Beispiel für eine Megakolonie von polyctena liegt zwischen Tirschenreuth und Mitterteich (>1500 Nester). Schauen Sie sich die tektonische Karte unter:
http://www.oberrheingraben.de/Tektonik/ ... chland.htm
an. Wenn Sie die Grenze zwischen Saxothuringikum und Moldanubikum (gestrichelt) nach Nordosten verfolgen, kommen Sie in der Oberpfalz zu einer senkrecht dazu verlaufenden Störung (NW-SE). In diesem Zwickel liegt das Vorkommen. Die Grenze Sax./Mo. wird als Sutur bezeichnet, eine breite tektonische Zone, entlang derer zwei Mikrokontinente vor rund 300 Mio. Jahren zusammengeschweißt wurden. Eine Nahtstelle, die bei Spannungen in der Kruste als ersten wieder aufbrechen kann. Wir werden diese Stelle auf Helium-Anomalien überprüfen.

Und noch eins
In dem Link:
http://old.planeterde.de/Members/redakt ... eiten/view

kann man die Erdgezeiten berechnen lassen (Text letzter Absatz). Man muss nur den Standort mit den Längen- und Breitenangaben grob angeben und den gewünschten Zeitraum auswählen (empfohlen ca. 2 Wochen und ein halbes Jahr). Überlagert werden die Einflüsse des Mondes und der Sonne. Die Abweichungen der Entfernungsschwankungen vom Mittelpunkt der Erde sind in Zentimetern angegeben. Der Mond bewirkt mehr als 20 cm die Sonne mehr als 4 cm Hub. Spannend ist die Entwicklung über ein halbes Jahr zu beobachten. Die Schwankungen reichen von wenigen Zentimetern bis zu 40 cm. Mehrfach von Geophysikern und Gasmessern nachgewiesen ist eine Variation der Entgasung (z.B. Radon, Helium) in diesem Rhythmus. Das bedeutet, Lebewesen, die direkten Zugang zu Gaskanälen in die Tiefe haben, bekommen diesen Rhythmus mit, vorausgesetzt, sie haben einen wie auch immer gearteten Sensor für Gasanteile, die mit nach oben kommen. Das muss nicht Helium oder Radon sein. Es könnten Spurengase sein, in Konzentrationen, die wir kaum noch messen können.
Ich bin in diesem Zusammenhang sehr an den Schwärmdaten (Standortdaten, Datum) von polyctena und rufa interessiert. Wenn wir aus ganz Deutschland diese Daten vergleichen könnten (über Jahre), könnte sich vielleicht schon ein Hinweis auf eine Kopplung an die Erdgezeitenrhythmen ergeben.

Es grüßt Sie
Ulrich Schreiber

P.S. Versuchen Sie einmal bei Umsiedlungen vorab eine Helium- oder Radonanomalie zu finden (Bei Landesämtern nachfragen). Hilfreich sind auch Hinweise aus bekannten besiedelten Störungen, die in der Fortsetzung diese Bedingungen möglicherweise bieten.


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BeitragVerfasst: 20. Feb. 2007, 10:26 
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Wohnort: Dresden
Hallo Herr Schreiber,

ich habe mit unserem Geologen Ihren Beitrag durchgesprochen. Er hat bestätigt, dass es hier im Raum Dresden noch mehrere aktive Störungszonen gibt, wie z. B. das gesamte Elbtal.
Allerdings hat er zu bedenken gegeben, dass die von Ihnen angeführten Heliumausgasungen nicht zwangsläufig Hinweise auf eine unmittelbar in diesem Bereich verlaufende aktive Störungszone sind.
Durch teils winzige Risse in der Erdkruste steigen vom Erdmantel diverse Gase auf, darunter auch Helium, und gelangen oft viele Kilometer vom Ursprung entfernt an die Oberfläche, wo sich dann jedoch in unmittelbarer Nähe keine aktive Störungszone befindet.

Ich habe inzwischen die GPS-Daten aller hier in Sachsen erfassten Waldameisennester angefordert. Deren Standorte werde ich, gemeinsam mit unserem Geologen, mit den in Sachsen verlaufenden aktiven Störungszonen vergleichen. Das wird allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Ergebnisse werde ich dann sobald als möglich hier veröffentlichen.

In der Zwischenzeit würde ich mich freuen, wenn Sie mir einige Ihrer fertigen Daten über den Zusammenhang zwischen aktiven Störungszonen und der Position von Waldameisennestern übermitteln könnten.

Meine dienstliche E-Mail-Adresse lautet:

rene.schulze[at]forst.tu-dresden.de

Viele Grüße,

Rene Schulze


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BeitragVerfasst: 20. Feb. 2007, 11:17 
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Wohnort: Reinheim
Sehr geehrter Herr Schreiber,

Auch wenn es nichts bringen wird: Ich nehme doch nochmals Stellung, zu Ihrem letzten post.

Inzwischen werden Ihre Aussagen sogar für mich reichlich verwirrend. Gemeinte und nicht gemeinte, junge oder alte reaktivierte Störungen, Nordharz-Lineament, das nach Südosten in das Ohre Rift verläuft und wo „mit Sicherheit noch einige tektonische Aktivität anzunehmen“ ist, und so fort.
Das mögen ja alles interessante geologische Aspekte sein.
Was bisher fehlt, sind von Ihnen zu erbringende überzeugende Nachweise (als Wissenschaftler wissen Sie, was damit gemeint ist!) dafür, dass Waldameisen in irgendeiner Weise darauf reagieren, und wie sie darauf reagieren. Dazu braucht es gute Dokumentation in guten Zeitschriften, so dass man Ihre Behauptungen (und das sind es bisher nun mal nur!) kritisch nachvollziehen kann.

Jetzt nennen Sie das „besonders schönes Beispiel für eine Megakolonie von polyctena zwischen Tirschenreuth und Mitterteich (>1500 Nester)“. Genau diese, samt der geschätzten Anzahl „> 1500“ und dem Artnamen, hatte ich ja oben erwähnt. Dem Bericht über die Jahreshauptversammlung in der „Ameisenschutz aktuell“ ist übrigens zu entnehmen, dass dort bisher 1.229 Nester gezählt wurden.

Die von Ihnen verlinkte tektonische Karte unter:
http://www.oberrheingraben.de/Tektonik/ ... chland.htm
habe ich mir angesehen: Bei dem Maßstab, fast ganz Deutschland auf der Fläche einer Schreibmaschinen-Seite, ist es mir leider unmöglich, den Ort dieser Kolonie zu lokalisieren. Welcher „Zwickel“ von den vier bei der Kreuzung zweier Linien möglichen ist gemeint? Woraus erkennen Sie, dass es sich dabei um „aktive“ Störungen handelt? – So können Sie mich leider nicht überzeugen!

„Erdgezeiten“: Ist ja ganz nett, dass man sich die berechnen lassen kann. Interessant ist doch allenfalls, dass es solche gibt (das hatten wir schon), die Uhrzeit des täglichen Durchgangs einer maximalen Anhebung um 40 cm ist doch wohl völlig belanglos!

„Mehrfach von Geophysikern und Gasmessern nachgewiesen ist eine Variation der Entgasung (z.B. Radon, Helium) in diesem Rhythmus.“ – Das glaube ich Ihnen fast unbesehen.
Müsste man das aber, wenn es sich um nennenswerte Mengen handelt, nicht z.B. in flachen, größeren Gewässern in Form von Gasblasen direkt wahrnehmen können? Oder etwa in tageszeitlich variierenden Ausgasungen im Laacher See (wo es ja dauernd blubbert, und wo die Gase unbestreitbar aus tieferen Regionen kommen)? – Vielleicht kennen Sie publizierte (!) Angaben dazu.

„Das bedeutet, Lebewesen, die direkten Zugang zu Gaskanälen in die Tiefe haben, bekommen diesen Rhythmus mit, vorausgesetzt, sie haben einen wie auch immer gearteten Sensor für Gasanteile, die mit nach oben kommen.“ – Frage: Weshalb müssen das unbedingt Formica rufa und/oder F. polyctena sein? Weshalb soll das nicht für andere Ameisenarten auch gelten? (Auch das hatte ich bereits einmal angesprochen).

Vielleicht wären für Ihre Forschungen Säugetiere besser geeignet: Fuchs, Dachs, oder Wühlmäuse. Letztere hätten den Vorteil, dass man sie auch außerhalb des Waldes antrifft. Sie könnten Ihre Störungszonen dann viel leichter ins freie Feld verfolgen, und ein Massenexodus von Wühlmäusen dürfte deutlich mehr auffallen als die „Flucht der Ameisen“. Makrosmaten sind diese Säuger alle, so dass auch sie auf den einen oder anderen Gasanteil reagieren könnten, und betroffen wären sie eher mehr als die Waldameisen, die zumindest im Sommer großenteils nicht so tief im Boden sind.

Sie schreiben: „Ich bin in diesem Zusammenhang sehr an den Schwärmdaten (Standortdaten, Datum) von polyctena und rufa interessiert. Wenn wir aus ganz Deutschland diese Daten vergleichen könnten (über Jahre), könnte sich vielleicht schon ein Hinweis auf eine Kopplung an die Erdgezeitenrhythmen ergeben.“
- Mit Verlaub: Das gehört m.E. ins Reich der Utopie! Oder können Sie die finanziellen Mittel bereitstellen für die Vergütung von zahllosen Beobachtern, die dazu notwendig wären?

Sie können aber gerade jetzt, in dem thread über die verfrühte Sonnung usw., nachlesen, welch unvorhersehbare Einflüsse den Zeitraum der Geschlechtstieraufzucht und damit auch des späteren Schwärmens bestimmen! Variabel über oft wenige Meter, je nach Besonnung der Nester usw.. Es kommt nicht von ungefähr, dass man über diese Ereignisse so wenig weiß!

„Helium- und Radonanomalien“: Das Vorkommen erhöhter Werte für das radioaktive Gas Radon wurde m.W. bisher vor allem in bewohnten Gebäuden gemessen, da man von einer gewissen Gesundheitsgefährdung ausgeht. Radonkataster existieren in der Schweiz und auch in Südtirol. Für Deutschland sind Informationen hier zu finden:
http://www.radon-info.de/shtml/home.shtml .
Ich bezweifle allerdings, dass viele Messungen außerhalb von Siedlungsgebieten, etwa in Wäldern, gemacht wurden.

Ganz entschieden zurückweisen muss ich Ihre „Empfehlung“ (in Ihrem P.S.), dass man bei Waldameisen-Umsiedlungen „vorab“ Helium- und Radonanomalien zu finden versuchen sollte!

Die mit den (arbeitsaufwändigen!) Umsiedlungen befassten und dazu berechtigten Mitglieder der DASW werden auf Lehrgängen sorgfältig ausgebildet, vorgesehene Ansiedlungsorte auf eine ganze Anzahl von Merkmalen hin zu prüfen: Baumarten-Bestand und Alter (als wichtigste Grundlage für die Nahrung der Ameisen), Bestandsdichte, Exposition (wegen der notwendigen Sonneneinstrahlung), Fehlen konkurrierender Ameisenvölker und anderes.

Die Empfehlung, eine zusätzliche, sicher nicht ganz einfache Messung von Helium oder Radon durchzuführen, deren Sinn jedenfalls noch längst nicht nachgewiesen ist, betrachte ich als absurd!

Im Übrigen fordere ich Sie hiermit auf, den link zu der Reklameseite für Ihr Buch unter Ihren Beiträgen umgehend zu löschen. Werbung ist in diesem Forum unerwünscht!

Mit besten Empfehlungen,
Prof. Dr. A. Buschinger


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18. Jan. 2009, 17:13 
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Das Thema ist zwar längst "gegessen" und praktisch vergessen, aber zufällig stieß ich auf eine Veröffentlichung, aus der nach den Autoren klar hervorgeht:
"Ameisen können Erdbeben nicht vorhersagen!"

Lighton & Duncan 2005: Shaken, not stirred: a serendipitous study of ants and earthquakes. Journal of Experimental Biology 208, 3103-3107.
http://jeb.biologists.org/cgi/content/full/208/16/3103

Die beiden Autoren waren zufällig in der Mojave-Wüste damit beschäftigt, am Nest einer Ernteameisen-Art (Messor pergandei) physiologische Messungen vorzunehmen, als sich ein sehr starkes Erdbeben ereignete (Magnitude 7.4 auf der Richter-Skala).
Gemessen wurden u.a. Laufgeschwindigkeit, Atmung usw., sowohl vor dem Erdbeben als auch bis 3 Tage danach. Das Erdbeben hatte keinerlei Effekt auf irgendeinen der registrierten Werte aus Physiologie und Verhalten.
Zwar geschah dies in Kalifornien, und es waren keine Waldameisen, dafür aber war es ein einmalig günstiger Zufall, dass sich das Erdbeben (was ja nicht so zu planen ist!) mitten in den laufenden Messreihen ereignete.

A. Buschinger

_________________
!!! EINHEIMISCHE HAUSAMEISEN SIND KEINE SCHÄDLINGE per se !!! - Sie nutzen nur Baufehler bzw. Bauschäden zur Anlage ihrer Nester. Dies ist anders bei Exoten wie Pharaoameise, Pheidole spp. usw..


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 Betreff des Beitrags: Re: Neues Märchen über Waldameisen
BeitragVerfasst: 27. Feb. 2011, 11:29 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1282
Wohnort: Reinheim
Dpa-Nachricht über Waldameisen zur Erdbeben-Vorhersage

Das wollte ich Euch nicht vorenthalten! Für mich interessant, wie so eine Nachricht de facto in den Blätterwald kommt, und was von dem gelieferten Material schließlich den Weg in die Medien findet. :)
Der dpa-Autorin hatte ich am 24. 02. auf Anforderung umfangreiche Informationen geschrieben und Links zu den Debatten im Forum der DASW gegeben.

Heutige Nachrichten (27.02.2011):

http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1117346 (27.02.2011)

http://www.n-tv.de/wissen/Sagen-Ameisen ... 14841.html

http://de.news.yahoo.com/26/20110227/ts ... 61bdb.html

http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/in ... sagen.html

http://www.hildesheimer-allgemeine.de/1 ... ws%5D=6675

Weitere Ergebnisse: http://www.google.de/#q=Erdbeben+Ameise ... 73dd0abdc7

Älter, aus 2009: http://www.zeit.de/online/2009/16/erdbe ... iew?page=2

Viele Grüße, A. Buschinger


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