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 Betreff des Beitrags: Kolonie aus Pompeji auf Weltreise
BeitragVerfasst: 12. Jan. 2017, 18:57 
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Registriert: 12. Jan. 2017, 18:07
Beiträge: 2
Hallo liebe Ameisenfreunde,

ich möchte hier mal eine ungewöhnliche Geschichte der Ameisenbegegnung erzählen.

Seit drei Monaten bin ich zusammen mit meiner Partnerin mit unserem Allrad-Wohnmobil auf Weltreise unterwegs. Die Reise ging bislang durch Nordeuropa, Italien und Griechenland. Im Frühling möchten wir über die Türkei nach Russland und in die Mongolei fahren.

Hier ein Bild vom Reisemobil:

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Wie man sieht, ist der Wohnaufbau aus Holz gebaut. Die Wände bestehen aus einem Fachwerk mit Isolation aus Holzwolle.

Nach einem Stopp in Pompeji (Italien…) sind uns neue Bewohner in der Holzhütte aufgefallen: Ca. 5 mm lange Ameisen. Weitgehend schwarz gefärbt, mit einem Stich ins Rotbraune an der Taille und den Beinen. Sie tauchen sehr vereinzelt im Wohnraum auf. Nur wenn ein Lebensmittel mit Honiganteil verfügbar ist, bildet sich eine Straße dorthin. Nunja, Ahornsirup mögen sie auch.

Seitdem ich als Jugendlicher das Computerspiel SimAnt gespielt habe, bin ich ein Freund der Ameise. Mich stören die Tierchen nicht; ich kann ja den Honig gut in einer Tupperdose verschließen.

Hier ein Bild einer meiner Mitbewohnerinnen:

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Allerdings sehe ich zwei Probleme, weswegen ich diese Nachricht hier ins Forum schreibe. Ist es aus Umweltschutzsicht problematisch, wenn ich diese Art auf andere Kontinente verschleppe? Wir werden nach Zentralasien und später wieder nach Deutschland kommen. Könnte diese Art das dortige Ökosystem stören?

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Zweitens fürchte ich um mein rollendes Haus. Ich möchte nicht, dass die Weichholz-Fachwerkkonstruktion von den Tierchen strukturell geschädigt wird.

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Momentan reisen wir an der griechischen Küste entlang. Hier könnten die Ameisen meiner Einschätzung nach bedenkenlos ausziehen und sich ein anderes Heim suchen. Kann man ihnen das irgendwie erklären? Kann eine Königin entscheiden, dass die Kolonie umziehen soll? Wenn ja: durch welche Faktoren wird das beeinflusst? Ziehen die aus, wenn sie hier im Wohnmobil nicht mehr genug Nahrung finden? An den Vibrationen des Dieselmotors scheinen sie sich jedenfalls nicht zu stören.

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Solche Fragen beschäftigen mich. Ich wäre sehr dankbar, wenn ich hier dazu Ratschläge erhalten würde.

Beste Grüße,
Lew


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 Betreff des Beitrags: Re: Kolonie aus Pompeji auf Weltreise
BeitragVerfasst: 16. Jan. 2017, 08:28 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1282
Wohnort: Reinheim
Hallo el Capitán,

Meine Tendenz geht in Richtung Linepithema humile, die "Argentinische Ameise", die im Mittelmeerraum inzwischen sehr weit verbreitet ist, eine aus Südamerika eingeschleppte Art. https://de.wikipedia.org/wiki/Linepithema_humile
Betr. weiterer Verschleppungsgefahr sehe ich kein besonderes Risiko: Ameisen werden immer wieder in Autos, Wohnwagen etc. unabsichtlich transportiert. Da kommt wohl eine solche Meldung/Anfrage auf mehr als Tausend Fälle, die unbeobachtet bleiben oder in Selbsthilfe "gelöst" werden.
Neben Fraßködern zur Bekämpfung im Wohnmobil könnte es noch helfen, das Fahrzeug mal bei starkem Frost richtig auskühlen zu lassen (die Ameisen sollten erfrieren), oder es im Frühjahr bei warmem, sonnigem Wetter so aufzustellen, dass es sich im Innenraum stark aufheizt: Dann ziehen solche Mitfahrer gerne aus!

MfG,
A. Buschinger

_________________
!!! EINHEIMISCHE HAUSAMEISEN SIND KEINE SCHÄDLINGE per se !!! - Sie nutzen nur Baufehler bzw. Bauschäden zur Anlage ihrer Nester. Dies ist anders bei Exoten wie Pharaoameise, Pheidole spp. usw..


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 Betreff des Beitrags: Re: Kolonie aus Pompeji auf Weltreise
BeitragVerfasst: 23. Jan. 2017, 16:32 
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Registriert: 12. Jan. 2017, 18:07
Beiträge: 2
Hallo Herr Buschinger,

vielen Dank für diese Einschätzungen!

Die Argentinische Ameise ist als Neozoon ja höchst spannend – aus evolutionsbiologischer Sicht. Die Bildung einer Super- nein, Megakolonie in Europa durch eine Art, die in Lateinamerika monogyn ist. Ich vermute, dass zwar auch in Europa beim Fortpflanzen Mutationen geschehen, diese jedoch von der Superkolonie vernichtet werden, wenn die geänderte Genetik von den Ameisen der Superkolonie gerochen werden kann.

Das ist faszinierend! Die Beendigung der Evolution der Argentinische Ameise. Spontan vermute ich: das kann nicht lange gut gehen. Sonst hätten wir hier überall Ameisen und andere Tiere, die solche Mechanismen zur Konservierung ihres Gencodes entwickelt haben. Obwohl diese Superkolonie durch ihre Mächtigkeit erstmal einen deutlichen Vorteil besitzt.

Aber kaum kommt eine heftige Umweltveränderung, die Anpassung erforderte, werden die europäischen Argentinischen Ameisen allesamt sterben, da sie sich nicht anpassen können. Ich denke da an eine Klimaveränderung oder eine Strategieänderung eines Prädators. Diese genetische Starrsinnigkeit wird nur wenige tausend Jahre halten, bis sie aufgrund ihrer mangelnden Flexibilität wieder aus Europa verschwinden werden, vermute ich.

Beste Grüße,
el Capitán


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