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 Betreff des Beitrags: Die Gartenhummel (Bombus hortorum) mit Kuckuck
BeitragVerfasst: 27. Dez. 2008, 19:30 
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Hallo Naturfreunde,

hier ist die von mir auf den neusten Stand gebrachte Artenbeschreibung der Gartenhummel:



Gartenhummel, Megabombus hortorum (Linnaeus 1761)
(Fam. Echte Bienen/Apidae)


Lebensraum und Vorkommen

Die Gartenhummel ist eine je nach den Umweltbedingungen mehr oder weniger häufig anzutreffende Art. Sie kommt an der Nordsee und Ostsee ebenso vor, wie in den Mittelgebirgen und den Alpen bis einer Höhe von 2100 m. Ihr Lebensraum sind Wiesen, Weiden, an Gräben und Böschungen, im Brachland, an Straßen und Wegrändern, Streuobstwiesen sowie Gärten, Parks, Gebüschzonen und Waldrändern. Sie ist ein Ubiquist und Kulturfolger.

Was sind Kulturfolger: Kulturfolger oder Hemerophile (griechisch: hemeros = Kultiviert – philos = Freund).
Tier und Pflanzenarten, die vom Menschen geschaffene und gestaltete Lebensräume bevorzugen und dadurch Vorteile erlangen. Sie finden dort oft günstigere Lebensbedingungen vor, als an ihrem ursprünglichen Lebensraum.

Was ist ein Ubiquist: in den unterschiedlichsten Biotopen lebende Arten.

Was bedeutet Megabombus: Große Hummel


Nistweise und Neststandort

Sowohl ober- wie unterirdisch in verlassenen Mäuse- und Vogelnestern, ( Vogelnistkästen ) manchmal an- und in Gebäuden, ( Dachböden, Schuppen, Ställen, Scheunen, unter Fußböden und Treppen ). Gerne werden von ihr Hummelnistkästen angenommen. Sie ist ein Nestbezieher und Nestbauer.


Aussehen und Merkmale

Die Gartenhummel ist sehr auffällig gezeichnet. Unmittelbar nach dem schwarzem Kopf beginnt am Thorax ( Brustabschnitt ) eine bräunliche bis goldgelbe Binde, es folgt ein breiter schwarzer Bereich. Der Thorax endet mit einem schmalen, das Abdomen ( Hinterleib ) beginnt mit einem breiten gelben Streifen. Dann folgt am 2., 3 und 4 Tergit sind dann wieder schwarz und am Ende 5. und 6. Tergit schließlich weiß. Die Art variiert sehr. Verwechselungen mit der Feldhummel, Megabombus ruderatus eurynotus und der Tonerdhummel, Megabombus argillaceus sind möglich.

2. Variante ( selten ):
Grundfarbe schwarz; am kopfnahen Thorax, am 1. Tergit und teilweise am 2. Tergit des Abdomens dünne, gelbliche Behaarung; sonst sind Brustteil und Hinterleib bis zum 4. Tergit schwarz. Am Ende des Hinterleibes 5. –6 Tergit weiß.

3. Variante ( selten ): Thorax und Abdomen bis zum 3. Tergit schwarz ; am Ende des Hinterleibes 4. bis 6. Tergit weiße Färbung.

Besondere Kennzeichen der Männchen (Drohnen): Breitere Querbinden am Kopfnahen Thorax und an der Taille; Kopf struppig behaart mit hellen Haaren auf der „Strin“. Kopf erscheint (von vorn gesehen) stark verlängert. Abdomen: 1. und 2. Tergit goldgelb bis gräulichgelb; 3. und 4. Tergit schwarz; 5. und 6. Tergit weiß. Sehr leicht zu verwechseln mit Drohnen der Kuckuckshummeln, z.B. Psithyrus vestalis (Keusche Schmarotzerhummel).



Was ist ein Tergit: Es sind die vom Hinterleib bestehende obere Rückenplatte, die aus 1 bis 6 einzelne Segmenten bestehen.


Brutpflege – Typ: ( POCKETMAKER )

http://de.wikipedia.org/wiki/Pocketmaker


Körpermaße:

Königin: Länge 17-24 mm, Flügelspannweite 35-40 mm, Rüssel (extrem lang) 19-21 mm, Kopf sehr lang

Arbeiterin: Länge 11-16 mm, Flügelspannweite 28-32mm, Rüssel (extrem lang) 14-16 mm, Kopf sehr lang

Drohn: Länge 13-15 mm, Flügelspannweite 28-32 mm, Rüssel (extrem lang) ca. 15 mm, Kopf sehr lang



Flugzeiten

Königinnen erscheinen je nach Witterung und Höhenlage von Anfang März bis Mitte Mai,
Arbeiterinnen von Ende März bis Ende September.
Jungköniginnen und Drohnen von Mitte Juni bis Anfang August.

Gelegentlich eine zweite Generation bis Ende September.


Gründung des Nestes bis schließen der Flugsaison bei der Gartenhummel

Dauer: 10 Wochen (70 Tage) bis 3,5 Monate.



Größe der Königin: ( GROß )


Fluggeräusche der Königin: ( SEHR TIEF )


Volksstärke: 50 bis 120 Individuen, gelegentlich bis zu 300 Tiere.



Individuelle Lebenserwartung der unterschiedlichen Hummelkasten

Königinnen: 12 bis 13 Monate

Arbeiterinnen: ca. 6 Wochen

Drohnen: ca. 5 Wochen



Kuckuckshummelart: Bärtige Kuckuckshummel, Psithyrus barbutellus (Kirby).

Soweit bekannt. Immer in Nestern der Gartenhummel.

Link: http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A4rti ... uckshummel
http://www.wildbienen.de/b-barbut.htm



Kuckuckshummelart: Wald-Kuckuckshummel, Fernaldaepsithyrus sylvestris (Lepeletier 1832).


Nach neuesten Beobachtungen parasitiert sie auch Völker der
Wiesen-, Baum-, Garten-, Dunklen und Hellen (Hain)Erdhummel.

Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Wald-Kuckuckshummel




Besonderheiten und Wissenswertes

Die Gartenhummel ist ein Pocketmaker. Königin erzeugt einen sehr tiefen Brummton. Mit ihrem körperlangen Rüssel erreicht sie Blütennektar, der für andere Hummeln unerreichbar ist. Gartenhummeln sind ein wichtiger Bestäuber von Klee und Obstbäumen. Gartenhummeln sind einer der wenigen Hummelarten, die im Spätsommer gelegentlich eine zweite Generation hervorbringen, begattete Jungköniginnen dieses Jahres beginnen bereits im gleichen Jahr ein Nest zu gründen und Nachkommen aufzuziehen.
Beim Spaziergang im Park oder im Wald kann man gelegentlich Drohnen der Gartenhummel entdecken, die häufig den Wurzelbereich von Bäumen anfliegen. Dieses Verhalten fällt sofort auf. An Baumstämmen im Bereich der Wurzeln markieren sie diese Stellen mit einem Duftstoff aus den Kopfdrüsen. Dabei laufen sie mit gesenktem Kopf und geöffneten Kiefern über diese Stellen und streifen so den Duftstoff ab. Der Duftstoff soll Jungköniginnen anlocken, die sich paaren wollen. Die Gartenhummel gilt als Weitstreckenflieger. Ihre individuenarmen Völker weisen allerdings nur wenige Arbeiterinnen auf. Weitstreckenflieger: sind Hummeln, die leicht 1 bis 2 km zum Sammeln zurücklegen. Sie haben meist große Völker mit sehr vielen Bewohnerinnen (etwa Stein-, Erd-, Baumhummeln). Bei der Gartenhummel, deren Völker sich zögerlich aus nur wenigen Einzeltieren aufbauen, treten regelmäßig und während der gesamten Flugsaison einige ganz besonders kleine Tiere, Zwergarbeiterinnen, auf. Zwerge sind besonders charakteristisch bei noch jungen Völkern, weil deren erste Brutwabe allein die Königin zu versorgen hat. Zwergarbeiterinnen sind "Kümmerformen", die während der Larvenstadien zu wenig Futter und Wärme abbekommen haben.
Die Art ist zur Zeit rückläufig. Der Grund liegt wohl daran, dass in den Sommermonaten durch unsinniges Abmähen der Blütentrachtpflanzen, die Gartenhummel sehr zu leiden hat, durch Nahrungsmangel.
Ein normal entwickeltes Volk von Gartenhummeln kann zwischen 15 bis 30 Jungköniginnen hervorbringen.


Was ist ein Pocketmaker: Meist langrüsslige Hummeln (z.B. Ackerhummel, Gartenhummel), die besondere Pollentaschen aus Wachs, sog. Pockets, unter bzw. an die Brutwaben bauen, in welchen die Pollenvorräte von den heimkehrenden Sammlerinnen gestapelt werden. Die Larven „bedienen sich“ selbst: Sie fressen „von oben“ aus diesen „Pollenschubladen“. Lediglich Nektar muss den Larven von ihren Ammen vor die Mundöffnung gespuckt werden.

Was sind Pockets: Es ist eine Pollentasche, die seitlich und unter der Larvenwiege angebaut ist. Sie sieht ein bisschen aus wie der Hohlraum eines holländischen Holzschuhes und funktioniert vergleichsweise wie eine halb aufgezogene Schublade für Blütenstaub (Pollen).



Gefährdungsgrad und Gefährdungsgründe

- Insektizide.
- Sommerliche Trachtlücken.
- Wachsmotten.
- Tiere (Dachs, Waschbär).
- Nahrungskonkurrenz durch Honigbienen.
- Straßenverkehr und Autobahnen.
- Durch Eingriffe in die Biotope.
- Rasen mähen, gefährlichen Kreisel- und Schlägelmäher.
- Vernichtung von Hummelnestern, am Haus, im Haus und im Hausgarten.
- Die heutige moderne Landwirtschaft und Forstwirtschaft.


Ursachen für den Rückgang: Infolge der Zunahme des Siedlungsbereichs (Verdopplung seit den Fünfzigerjahren) erfuhren die Biotope der früheren Kulturlandschaft einen starken Rückgang. Besonders betroffen sind hiervon Streuobstwiesen, Heiden, Grünland, Weinberge und die Biotope der Ackerlandschaft. Weitere Ursachen: Versiegelung durch Überbauung, übermäßige Pflege der öffentlichen Grünanlagen und Hausgärten, verstärkte Freizeitnutzung, Pflanzung florenfremder Gehölze oder Stauden mit zum Teil starkem Ausbreitungsvermögen sowie Beeinträchtigungen durch den Straßenverkehr. Angesichts des zunehmenden Flächenverbrauchs in der offenen Landschaft etwa durch Straßenbau, Errichtung von Einkaufszentren und Bau von Gewerbegebieten sowie der Übernutzung der Kulturlandschaft durch die intensive Agrarwirtschaft darf jedoch auch innerhalb des Siedlungsbereichs der Artenschutz einheimischer Tiere nicht vernachlässigt werden. Insbesondere im Siedlungsbereich sind von naturnäheren Flächen in der Regel nur noch kleine Reste übrig, die vor allem größeren Tieren zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse häufig nicht mehr ausreichen. Auch viele Insektengruppen weisen hier bereits deutliche Verarmungstendenzen auf oder sind bereits ganz verschwunden.


Trachtpflanzen

Bei der Gartenhummel konnten an 215 verschiedenen Wildpflanzenarten Blütenbesuch nachgewiesen werden. An Kulturpflanzen waren es 18 Arten. Gartenhummelköniginnen besuchen sehr gerne blühende Obstbäume und zählen dadurch zu den wichtigsten Obstbaum-bestäubern. Eine Königin kann an einen einzigen Tag bis zu 4000 einzelne Blüten bestäuben.

Was sind Trachtpflanzen: Nektar und / oder Pollen liefernde Nahrungspflanzen.


Quellenangaben

Peter – Frank Röseler
Der Hummelgarten, Lebensraum und Biologie der Hummeln
TRIGA\Verlag
ISBN 3-89774-280-2


Günter R. Witte & Juliane Seger
Hummeln brauchen blühendes Land
WESTAPP WISSENSCHAFTEN
ISBN 3-89432-097-4


Eberhard von Hagen – Ambros Aichhorn
Hummeln, bestimmen – ansiedeln – vermehren – schützen
Fauna Verlag
ISBN 3-935980-28-0


Helmut und Margrit Hintermeier
Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft
Obst – und Gartenbauverlag – München
ISBN 3-87596-098-X


Weiterführende Links zur Gartenhummel:


http://de.wikipedia.org/wiki/Gartenhummel

http://www.wildbienen.de/huarten.htm


Gruß Karsten Grotstück


Zuletzt geändert von Karsten Grotstück am 06. Okt. 2013, 11:54, insgesamt 13-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Gartenhummel-Fotos (dunkle Variante)
BeitragVerfasst: 28. Dez. 2008, 15:25 
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Hallo Naturfreunde,

hier sind einige Fotos einer Gartenhummelkönigin, der sehr selten dunklen Variante:


Dateianhänge:
Dateikommentar: Hier sieht man sehr gut den langen Kopf und die dunkle Färbung (fast ins schwarz gehende Färbung der Gartenhummel)
DSCI0035.JPG
DSCI0035.JPG [ 117.07 KiB | 15062-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Der Kopf und der Thorax sind hier sehr gut zu sehen
DSCI0036.JPG
DSCI0036.JPG [ 118.74 KiB | 15050-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Seitenansicht der dunklen Gartenhummel
DSCI0037.JPG
DSCI0037.JPG [ 106.89 KiB | 15052-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Hier sieht man den langgezogenen Kopf mit den Mandibeln
DSCI0052.JPG
DSCI0052.JPG [ 103.92 KiB | 15044-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Kopf, Thorax und Abdomen sind hier gut zu erkennen
DSCI0050.JPG
DSCI0050.JPG [ 98.58 KiB | 15049-mal betrachtet ]
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 Betreff des Beitrags: Gartenhummel-Fotos
BeitragVerfasst: 10. Jan. 2009, 15:45 
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Hallo Naturfreunde,

hier einige Fotos der Gartenhummel (normal gefärbt), wie man sie am häufigsten sieht:


Dateianhänge:
Dateikommentar: Gartenhummelkönigin an Beinwellblüte
de_hr_cms_servlet.jpg
de_hr_cms_servlet.jpg [ 136.21 KiB | 15044-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Hier ist die Zeichnung der normal gefärbten Gartenhummelkönigin sehr schön zu sehen
pic39521.jpg
pic39521.jpg [ 72.31 KiB | 15049-mal betrachtet ]
pic38133.jpg
pic38133.jpg [ 95.83 KiB | 15043-mal betrachtet ]
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 Betreff des Beitrags: Schilderung zweier Gartenhummelnkolonien 2007
BeitragVerfasst: 30. Aug. 2009, 15:43 
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Hallo Ameisenfreunde,

nachdem Anfang März 2007 (sehr früh im Jahr) die Gartenhummelköniginnen ihre Koloniegründung (Nester) im "Mündener Hummelkanistkasten" begonnen haben, waren Anfang April die ersten Arbeiterinnen da, ca. 8 Stück je Nest.

Die Kolonien wuchsen durch den ungewöhnlich sehr warmen April schnell heran. Im Mai hatten sie schon den 3. Schlupf von Arbeiterinnen. Gegen Ende Mai - Anfang Juni hatten sie riesige Larven (Geschlechtstierbrut) aus ihren Nestern rausgeschmissen. Der Grund war, dass das Wetter sehr unbeständig und recht kühl war und die Hummeln nicht genügend Pollen und Nektar zur Versorgung der Brut bekamen, weil starke Gewitter viele Blumen zerhagelt hatten. Trotz Larvenverluste haben sie Mitte Juni die ersten, sehr schön gefärbten Jungköniginnen, hervorgebracht. Die Völker hatten nun ihren Höhepunkt. Sie waren mittelstark, so um die 80 - 100 Tiere. Dann wurde es langsam ruhiger in den Kolonien, bis ich im August die Kästen abräumen und saubermachen wollte. Ich bemerkte, dass bei den Kästen noch eine sehr hohe Aktivität wie im Mai herrschte.Viele Arbeiterinnen sammelten noch Pollen und Nektar, auch waren wieder Jungköniginnen vorhanden und es wurde wieder Brut entfernt. Sie hatten über dem alten Nest seperat ein ca. männerfaustgroßes neues Nest errichtet. Das alte Nest benutzten sie als Honigspeicher. Die Völker lebten noch bis Ende September. Sie hatten noch Arbeiterinnen, Jungköniginnen waren abgeflogen und hatten sich zur Winterruhe begeben.

Meine Vermutung liegt nahe, dass in den beiden Hummelvöker, die im Juni schon ihren Höhepunkt hatten, Jungköniginnen dieses Jahres die Regentschaft übernommen haben und mit den restlichen Arbeiterinnen die neuen Kolonien hervorgebracht haben. Dies wird manchmal auch von Erdhummeln berichtet.

Gartenhummel - Megabombus hortorum (Linnaeus 1761)

Hummelsteckbrief unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gartenhummel
http://www.wildbienen.de/b-hortor.htm
http://www.bombus.de/hummelsteckbrief.aspx?hummel=15

Gruß
Karsten Grotstück


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Gartenhummel (Bombus hortorum)
BeitragVerfasst: 05. Sep. 2011, 17:07 
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Gartenhummelkolonien 2011



Anfang April gründeten fast zeitgleich drei Gartenhummelköniginnen in meinen selbst gebauten Hummelnistkästen.
Die ersten Arbeiterinnen erschienen so gegen Ende April.
Jungköniginnen und Drohnen (männliche Geschlechtstiere) waren Anfang/Mitte Juni da.
Zwei der drei Gartenhummelkolonien mussten ohne jegliche Zufütterung auskommen.
Dies spiegelte sich auch durch das frühere Absterben und mit wenigeren Nestinsassen und Jungköniginnen wieder.



Nest 1: Abgestorben am 16.07.11
Gesamt: 150 Zellen/Kokons, ca. 20 Jungköniginnen.



Nest 2: Abgestorben am 18.07.11
Gesamt: 120 Zellen/Kokons, ca. 30 Jungkönginnen.



Nest 3: Abgestorben am 21.08.11
Gesamt: 337 Zellen/Kokons, ca. 56 Jungköniginnen.

Nest 3 wurde von mir fortlaufend ohne Unterbrechung zusätzlich mit APIINVERT Futter-Sirup gefüttert. Diese Gartenhummelvolk wurde Idividuen reicher, hat auch mehr Jungköniginnen hervorgebracht und lebte auch 1 Monat länger.



Apiinvert Futter-Sirup: http://www.bienenfutter.eu/de/Produkte/Apiinvert/



Fazit

Durch die zusätzliche Zufütterung war die eine Gartenhummelkolonie förmlich, zum Vergleich der anderen beiden Kolonien, explodiert u. hat sich mehr als verdoppelt und mehr Jungköniginnen hervorgebracht. Vielleicht sollte man Hummelarten, die in Gegenden nicht so häufig vorkommen, durch zusätzliches Zufüttern unter die Arme greifen. Damit mehr Geschlechtstiere hervorgebracht werden und die Art in der Gegend nicht ganz verschwindet.





Das Anbieten des Apiinvert Futter-Sirup, erfolgt wie in diesem Beitrag, mittels Einwegspritze und Legosteinen.



Gruß aus Nordhessen
Karsten Grotstück


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Gartenhummel (Bombus hortorum)
BeitragVerfasst: 06. Okt. 2013, 11:52 
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Kuckuck bzw. Schmarotzerhummel (- Psithyrus -)

Kuckuckshummelart: Bärtige Kuckuckshummel, Bombus barbutellus

Sozialparasit der Gartenhummel - Bombus hortorum




Lebensraum

Die Bärtige Kuckuckshummel ist eine je nach den Umweltbedingungen nicht mehr allzu häufig anzutreffende Art, regional schon ausgestorben oder sehr selten geworden. Im Grunde überall dort, wo auch die Gartenhummel (bombus hortorum) als Hauptwirt und Feldhummel (Bombus ruderatus) als Nebenwirt vorkommt.Sie kommt an der Nordsee und Ostsee ebenso vor, wie in den Mittelgebirgen und den Alpen. Ihr Lebensraum sind Wiesen, Weiden, an Gräben und Böschungen, im Brachland, an Straßen und Wegrändern, Streuobstwiesen sowie Gärten, Parks, Gebüschzonen und Waldrändern.



Verbreitung

Sie ist von Westeuropa bis in die Mongolei verbreitet, in Europa stößt die Art bis zum 62° Breitengrad vor, ganz Deutschland. Jedoch fast immer in geringer Individuendichte.



Neststandort

Immer bei anderen Hummeln schmarotzend, bevorzugt den Wirt Gartenhummel und demnach überall dort, wo diese ihre Nester anlegen. Siehe auch dort !!!


Fortpflanzung - Sozialparasitisch

Die Bärtige Schmarotzerhummel parasitiert vor allem die Gartenhummel (Bombus hortorum), evtl. auch bei der Feldhummel (Bombus ruderatus) und Deichhummel (Bombus distinguendus)! Vielleicht auch bei der Baumhummel (Bombus hypnorum) möglich???

Gartenhummel: http://www.hummelfreund.com/alles-über-die-hummel/hummelarten/gartenhummel/

http://www.bombus.de/hummelsteckbrief.aspx?hummel=15

Feldhummel: http://www.wildbienen.de/b-rudtus.htm

http://www.bombus.de/hummelsteckbrief.aspx?hummel=12

Deichhummel: http://www.tierundnatur.de/wildbienen/b-distin.htm

Baumhummel: http://www.hummelfreund.com/alles-über-die-hummel/hummelarten/baumhummel/

http://www.bombus.de/hummelsteckbrief.aspx?hummel=4



Flugzeit

Eine Generation im Jahr. Die Kuckucks-Weibchen erscheinen ab Ende April aus ihren Überwinterungsquatieren, ab Ende Juni lassen sich neue Geschlechtstiere junge Männchen und Kuckucks-Weibchen beobachten. Flugzeit endet ca. im August.





Aussehen und Merkmale der Königin

Das recht großen Weibchen 23 bis 25 Millimeter der Bärtigen Kuckuckshummel ähnelt in der Erscheinung der Gartenhummel, allerdings befinden sich im Bereich des Gesichtsfeld schwarze Haarbüschel. Die Grundfarbe des Weibchens ist schwarz. Das große schwarze Zentrum des Brustkastens (Thorax) ist in der Mitte schwarz behaart und nach vorne wie hinten mit je gelben Querbinden umschlossen. Die gelbe Querbinde am kopfnahen Thorax geht etwas über den Flügelansatz hinaus. Hinterleib (Abdomen) schimmert die schwarze Grundfarbe des Chitinpanzers durch, das erste bis dritte Tergit des Hinterleibs ist wiederum schwarz behaart und vierte bis sechste Tergit jedoch weiß behaart. Flügel ein wenig verdunkelt leicht ins bräunliche gefärbt.

Link: http://www.hummeln.org/?page_id=232

Link: http://www.bombus.de/hummelsteckbrief.aspx?hummel=35

Link: http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A4rti ... uckshummel

Link: http://www.wildbienen.de/b-barbut.htm





Besondere Kennzeichen der Männchen (Drohnen)

Die Männchen werden 15 bis 18 Millimeter groß. Der Drohn ähnelt der Königin, weist am ersten Tergit am Hinterleib eine leichte gelbliche Behaarung auf, die auffallend schwarzen Haarbüschel im Gesichtsfeld sind besonders dicht.

Link: http://www.bumblebeeconservation.org.uk ... 202NO.html





Größe der Königin: Recht Groß - 23 bis 25 mm.

Fluggeräusche der Königin: Einen tiefen Flugton.

Flug der Königin: Auffallend schwerfällig.



Körpermaße in mm Königin Drohn

Körperlänge: 23 - 25 , 15 - 18

Flügelspannweite: 36 - 44 , 28 - 34

Rüssellänge: unbekannt , unbekannt

Kopf: kurz und rundlich







Verwechslungsarten

Die Kuckuckshummel Bombus barbutellus (“Bärtige Kuckuckshummel”) und Bombus maxillosus (“Kinnbacken-Kuckuckshummel”, “Krugkuckuckshummel”) sind ebenfalls sehr leicht miteinander zu verwechseln.


Link: http://www.wildbienen.de/b-maxill.htm

Link: http://www.hummeln.org/?page_id=272

Link: http://aktion-hummelschutz.de/artenster ... ne-werden/



Besonderheiten und Wissenswertes

Da die Psithyrus-Arten nach neueren Untersuchungen alle von einem gemeinsamen Hummel-Vorfahren abstammen, werden sie neuerdings von manchen Autoren zur Gattung Bombus gezählt. Zehn Arten im Gebiet 13 mm bis 25 mm. Sie haben keine Arbeiterinnenkaste mehr, sondern lassen ihre Nachkommenschaft von Arbeiterinnen eines Wirtsnestes aufziehen. Kuckuckshummeln unterscheiden sich von den echten Hummeln durch das auffallend träge Verhalten auf den Blüten, dunkle, bräunlich gefärbte Flügel und die weniger dichte, struppigere Hinterleibsbehaarung, welche die glänzend-schwarze Chitinhaut durchschimmern lassen. Weibchen haben eine deutliche eingekrümmte Hinterleibsspitze, die auch gut bewaffnet sind. Bemerkt sei auch, dass ihr Stachel besonders kräftig ist.
Außerdem ist ihr Körper sehr robust und mit einen sehr harten Chitinpanzer geschützt. Schmarotzerhummeln haben an den Hinterbeinen keine "Körbchenhaare", womit sie Blütenstaub einsammeln können, noch sind sie fähig Wachs auszuscheiden. Die Wirtshummelvölker haben offensichtlich für die bei ihnen Schmarotzen Kuckuckshummeln anlockende Nestgerüche. Der Nestgeruch scheint sehr wichtig bei Kuckuckshummeln zu sein, um schließlich den meist versteckten Nesteingang des Wirtshummelnestes zu finden. Wenn ein Kuckuckshummelweibchen erfolgreich in ein Hummelnest eingedrungen ist, verliert die Hummelkönigin ihren sozialen Einfluß. Von nun an befolgen, arbeiten und orientieren sich die Arbeiterinnen, nach den "gefälschten Signalen" der Kuckuckshummelkönigin. Die Arbeiterinnen versorgen von jetzt an nur noch die Eier und Larven des Kuckuckshummelweibchen. Da Kuckuckshummeln untereinander unverträglich sind, dulden sie keine Rivalinnen, sodass immer nur ein Schmarotzerhummelweibchen pro Wirtsvolk vorkommt. Interessant erscheint, dass sich einige Kuckuckshummelarten zu solchen Wirtshummelvölkern hingezogen fühlen, die sehr ähnliche Haarfärbung, wenn auch nicht die gleiche Haarkleidfärbung aufweisen. Man könnte hierbei schon von einer gewissen Mimikry sprechen.


Link: http://offene-naturfuehrer.de/web/Bombus_barbutellus

Link: http://www.insektenbox.de/hautfl/gartsc.htm

Link: http://www.eakringbirds.com/eakringbird ... tellus.htm

Link: http://www.discoverlife.org/mp/20q?sear ... arbutellus

Link: http://www.helpsavebees.co.uk/pics/cuck ... -chart.pdf



Trachtpflanzen: Nektar - Pollenquelle

Die überwinterten Weibchen besuchen im Frühjahr Löwenzahn, Obstbäume und Sträucher, Lungenkraut, Hohler Lerchensporn und andere Blühpflanzen. Die Männchen der Bärtigen Kuckuckshummel und die jungen Weibchen ernähren sich im Sommer meist vom Nektar von verschiedenen Flockenblumen, Skabiosen, Rotklee, Diestelarten und Indianernesseln.



Gefährdung

Diese Kuckucks-Hummelart ist stark gefährdet. In einigen Gebieten Deutschlands ist sie nicht mehr anzutreffen und bereits Ausgestorben. Gute Bestände der Gartenhummel sichern ihren Kuckuck, Bombus barbutellus. Es liegt leider eine starke Bestandsgefährdung vor.

Rote Liste: Stark Gefährdet, vom Aussterben bedroht.




Link: http://www.wildbienen-kataster.de/

Link: http://www.egge-weser-digital.de/htm-in ... bombar.htm

Link: http://www.stechimmen-owl.de/sites/arti ... ellus.html




Quellenangaben

http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A4rti ... uckshummel

http://www.wildbienen.de/b-barbut.htm


Eberhard von Hagen - Ambros Aichhorn
Hummeln
bestimmen - ansiedeln - vermehren - schützen
Fauna Verlag
ISBN: 3-935980-28-0


J.F. Gokcezade, B.-A. Gereben-Krenn, J. Neumayer & H.W. Krenn
Feldbestimmungsschlüssel für Hummeln
Österreichs, Deutschland und der Schweiz
Herausgeber: Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen
Plöchl Druck GmbH, Werndlstr. 2, 4240 Freistadt, Austria
ISSN Nr. 0253-116X


H.-J. Flügel
LEBBIMUK
Steinhummel, Bombus lapidarius: Insekt des Jahres 2005
Herausgeber: Lebendiges Bienenmuseum Knüllwald
ISSN Nr. 1613-8457


Klaus Cölln, Jürgen Esser, Markus Fuhrmann, Bernd Jacobi, Andrea Jakubzik, Michael Quest, Holger Sonnenburg, Michael Steven, Katharina Tumbrinck, Heinrich Wolf, Horst Günter Woydak.
Stechimmen in Nordrhein-Westfalen
- Ökologie, Gefährdung, Schutz -
Herausgeber und Verlag: Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten Nordrhein-Westfalen, Postfach 10 10 52, 45610 Recklinghausen
ISBN: 3-89174-035-2


Link: http://www.youtube.com/watch?v=qA3xME5M3vY



Gruß Karsten Grotstück


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