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 Betreff des Beitrags: Pilzbefall bei Messor hesperius- Interesse an Proben?
BeitragVerfasst: 22. Mär. 2009, 15:02 
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Registriert: 22. Mär. 2009, 14:30
Beiträge: 4
Hallo liebe DASW-Mitglieder.

Eventuell hat es der ein oder andere im AmeisenCafe mitgelesen, dass meine junge Messor hesperius Kolonie scheinbar an einem Pilzbefall leidet. Ausführlich kann man über das Thema hier lesen: http://www.ameisencafe.de/cafe/index.php?page=Thread&threadID=4475
Dort sind auch zwei Fotos zu finden, die zwar nicht gerade optimal sind, aber den Pilzbefall wenigstens visualisieren.

Da ich mich im AmeisenWiki über Pilzbefall belesen habe, ist mir ins Auge gestochen, dass parasitäre Pilze bei Ameisen für die wissenschaftliche Forschung mitunter interessant sind.
Zitat:
1. Es wäre natürlich gut für den Fortschritt der Wissenschaft, wenn weitere Funde gemeldet würden. Wer also Temnothorax, Pheidole etc. aus dem Mittelmeerraum oder auch aus (Süd)amerika bezieht, möge ein Auge auf möglicherweise vorhandene Infektionen haben. Bitte ggf. über die Webseite der DASW Kontakt mit Prof. Dr. A. Buschinger aufnehmen


Ich könnte bei Interesse zwei tote, befallene Arbeiterinnen zusenden. Eine dritte Arbeiterin, die geschädigt zu sein scheint lebt zum momentanen Zeitpunkt noch, doch könnte ich diese bei Bedarf mitsenden.
Hierzu ist hinzuzufügen, dass die Arbeiterin, die deutlich sichtbar befallen war, schon einige Tage tot bei mir aufbewahrt wird und daher langsam vertrocknet. Auch der Pilz ist nicht mehr so gut sichtbar, doch ist er noch vorhanden. Bei der "frischeren" Arbeiterin war der Befall erst deutlich zu sehen, danach ging er zurück und die Arbeiterin starb. Es ist leider per Lupe nur schwer zu erkennen, ob vom Pilz auf der Cuticula noch etwas zu finden ist.
Die lebende Arbeiterin ist äußerlich zum momentanen Zeitpunkt einwandfrei, allerdings liegt die Vermutung nahe, dass sie ebenfalls befallen ist, da sie die selbe Symptomatik zeigt: Unkoordinierte Bewegungen, Gliedmaßen sind teilweise außer Funktion, allgemein sehr schwächlicher Eindruck.
Auffällig ist auch, dass die Brut anscheinend gesund ist und nur frisch geschlüpfte Arbeiterinnen befallen werden. Die Gyne sieht gesund aus und verhält sich auch durchgehend normal.

Bei Interesse an den 2-3 befallenen Exemplaren kann man mich über Mail an christian.d.keller@web.de kontaktieren oder im AmeisenCafe per PN.

Schöne Grüße,
ice_trey

P.S.: Ich hoffe, das hier ist der passendste Bereich für meine Anfrage, bei Bedarf kann der Thread natürlich verschoben werden ;)

P.P.S: Selbstverständlich bin ich auf für Ratschläge dankbar, wie ich den Pilz evtl. wieder los werde. Ich will die Kolonie eigentlich nicht aufgeben. Eine Umsiedlung in ein neues Nest und "Quarantäne" sind bereits erfolgt, allerdings traten die Symptome auch danach noch auf. Vermutlich sind einfach zu viele Pilzsporen vorhanden, als dass solche Maßnahmen etwas bewirken.


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BeitragVerfasst: 22. Mär. 2009, 17:33 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1440
Wohnort: Reinheim
Hallo ice_trey,

Sie können mir gerne ein paar der befallenen Tiere zusenden, bitte trocken (z.B. in einem kurzen Schlauchstückchen mit Watte an beiden Enden, o.dgl.).
Viel versprechen kann ich allerdings nicht: Nach den Bildern im Forum bin ich noch nicht mal sicher, ob es sich um eine Verpilzung handelt. Jedenfalls habe ich so etwas noch nie gesehen.
Das heißt allerdings nichts: Über die Ekto- und Endoparasiten und Krankheitserreger von Ameisen wurde und wird kaum geforscht. Einen Versuch ist es allemal wert.

V.G.,
A. Buschinger

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!!! EINHEIMISCHE HAUSAMEISEN SIND KEINE SCHÄDLINGE per se !!! - Sie nutzen nur Baufehler bzw. Bauschäden zur Anlage ihrer Nester. Dies ist anders bei Exoten wie Pharaoameise, Pheidole spp. usw..


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BeitragVerfasst: 22. Mär. 2009, 22:30 
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Registriert: 22. Mär. 2009, 14:30
Beiträge: 4
Hallo Herr Buschinger,
danke, dass Sie sich meines Falles annehmen wollen. Es würde mir etwas Klarheit verschaffen, um was es sich hier handelt. Auch mir ist diese Beobachtung absolut neu und in der gesamten Zeit meiner "Ameisenhalter-Laufbahn" noch nie untergekommen.
Aufgrund des "schimmligen" Aussehens der Arbeiterinnen hatte ich angenommen, dass sie wohl von Pilzen befallen sind. Eine Untersuchung könnte hier ja aufschlussreich sein.

Ich werde Ihnen in Kürze ein Reagenzglas mit den 2 toten Arbeiterinnen zuschicken mitsamt einer Beschreibung des Krankheitsverlaufs und der Symptomatik sowie meinen Beobachtungen in Bezug auf die Restkolonie. Teilweise ist das ja im AmeisenCafe zu finden, allerdings werde ich das komprimiert und bündig aufschreiben sowie ergänzen.
Ich hoffe, dass man damit etwas anfangen kann.

Eine gute Nacht wünsche ich,
Christian D. Keller


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 Betreff des Beitrags: Proben verschickt
BeitragVerfasst: 24. Mär. 2009, 14:33 
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Registriert: 22. Mär. 2009, 14:30
Beiträge: 4
Hallo nochmal.

Wollte nur eben mitteilen, dass ich die Ameisen gerade verschickt habe. Enthalten sind die 2 toten Arbeiterinnen sowie eine mehr oder weniger lebendige Arbeiterin, die sich im Todeskampf befand, als die Post raus ging.

Die nächsten Tage müsste das Päckchen also eintrudeln und vielleicht werden wir dann alle schlauer.

Schöne Grüße,
Christian D. Keller


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25. Mär. 2009, 17:20 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1440
Wohnort: Reinheim
Sehr geehrter Herr Keller,

Wollte Ihnen den folgenden Text an die im Brief angegebene mail-Adresse schicken, kam aber als nicht zustellbar zurück.

Anzeichen für Schimmelbefall kann ich nicht erkennen.
Es sind jedoch an mehreren Stellen, an Stielchen, Thorax-Coxa-Gelenk, letzte Gastersegmente usw., Reste der Puppen-Cuticula zu erkennen. Diese umschließen z.T. wie Manschetten die Gelenke (besonders Petiolus-Postpetiolus!), so dass deren Beweglichkeit erheblich eingeschränkt war. Das erklärt die unsichere Bewegungsweise der Tiere. Möglicherweise waren auch Teile der Mundwerkzeuge betroffen, so dass sie keine Nahrung aufnehmen konnten (nicht von der Königin gefüttert wurden). Die Cuticula-Reste sehen wie dünne, durchsichtige und schillernde Häutchen aus. Auch die von Ihnen erwähnten winzigen „Anhänge“der Beine gehören dazu.

Mir ist das Phänomen von diversen selbst gehaltenen Mymicinen bekannt. In stärkerem Umfang ist es auffälliger, aber wenn man es mal gesehen hat, sind auch solche Reste wie bei Ihren Messor noch zu identifizieren (bei 50x im Binokular).

Das wirft nun die Frage nach der Ursache auf: Hat die Königin Probleme, ihren schlüpfenden Pygmäen bei der Häutung zu helfen? Oder sind die räumlichen Gegebenheiten ungünstig (z.B. glatter Boden des RG lässt die Puppen beim Auspacken wegrutschen)?

Bei unseren Experimenten schien mir der tägliche Temperaturwechsel beteiligt (obwohl wir das nie genauer untersucht haben – es kam zu selten vor). Im Brutschrank ging z.B. die Temperatur abends recht rasch von 20 C auf 10 C herunter (für die Arten bei uns sehr förderlich). Waren zu diese Zeit noch ein paar gerade schlüpfende Puppen in der Brut, konnte es geschehen, dass 1-2 davon am Morgen nicht ganz aus der Puppenhaut befreit waren, trotz Anwesenheit von helfenden Arbeiterinnen (bei 10 C tun die nicht viel). Oft wurden die Cuticula-Reste dann in der Wärme doch noch entfernt, aber gelegentlich ist das nicht ganz gelungen, und dann starben die Ameisen unter ähnlichen Erscheinungen, wie Sie es beschreiben.

Ich würde Ihnen empfehlen, sich von einem anderen Halter 2-3 Puppen zu besorgen. Falls diese ebenfalls nicht gut schlüpfen, wäre die Zugabe von 2-3 ganz jungen Arbeiterinnen wahrscheinlich möglich und hilfreich.

Viele Grüße,
Ihr A. Buschinger

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 Betreff des Beitrags: Danke!
BeitragVerfasst: 25. Mär. 2009, 20:13 
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Registriert: 22. Mär. 2009, 14:30
Beiträge: 4
Guten Abend Herr Buschinger.

Das mit der Mail ist kein Problem, ich habe ohnehin die automatische Benachrichtigungsfunktion aktiviert.

Mir fällt irgendwo gerade ein Stein vom Herzen.

An so ein Ergebnis hätte ich nicht einmal im Traum gedacht, da mir eine solche Problematik nun wirklich nicht bekannt war. Aber es klingt einleuchtend und ich werde die dazu nötigen Schritte einleiten, um das Problem auszuräumen. Wie gesagt hatte ich Probleme, mit der Lupe näheres zu erkennen, es sah da eher nach Flaum aus. Aber anscheinend hat das getäuscht.
Doch dieser Fall klingt lösbar, wohingegen ich bei mysteriösen Parasiten nur hätte zusehen können, wie meine Tiere nach und nach sterben.

Ich werde der Königin nun doch schon das eigentlich für die gewachsene Kolonie geplante Ytongnest anbieten. Zudem hatte ich bereits zur Sicherheit im Voraus Anzeigen aufgegeben, um andere Messor-Halter um ein paar Puppen zu bitten.
Die Temperatur beträgt hier im Zimmer der Ameisen ganztägig eigentlich auch Nachts min. 18°C, tagsüber ca. 24°C. Daran wird es also denke ich bei mir nicht liegen.

Nochmals auch an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für Ihre schnelle und kompetente Hilfe!

Schöne Grüße,
Christian D. Keller

P.S.: Ich finde es sehr entgegenkommend von Ihnen, dass Sie solche Untersuchungen anbieten. Ohne Ihre Hilfe würde ich noch jetzt ratlos dasitzen.


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