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 Betreff des Beitrags: Unbekannte Formica-Gyne
BeitragVerfasst: 17. Jun. 2008, 12:13 
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Registriert: 02. Sep. 2007, 08:53
Beiträge: 14
Wohnort: Klagenfurt/Österreich
Liebe Ameisenfreunde!
Nachdem ich weiß, dass in diesem Forum einige Fachleute "beheimatet" sind, stelle ich die Frage nach der möglichen Bestimmung einer Formica-Gyne.
In den ersten Tagen des Mai 2008 lief mir eine für mich bis dato unbekannte Gyne über den Weg. Eine tote (nicht näher bestimmte)Formica-Arbeiterin hängt an einem Bein.
Fundort: Konglomerat-Plateau südlich von Klagenfurt/Kärnten/Österr. in einer Höhe von 770m über NN. Ein Wegaufschluss zwischen extensiv genützten Weiden und Trockenwiesen sowie wenigen Äckern. Es war nachmittags und Schwärmtag von Formica polyctena/rufa.
Bisher konnte ich in dieser Gegend nur die oben genannten Arten und die in den südseits geneigten Wiesen dominante Formica pratensis finden. Formica (Raptiformica) sanguinea scheidet wegen Fehlens der spezifischen Merkmale und des anderen Schwärmtermins aus. Auch Formica truncorum scheidet wohl aus, sie ist hier weit und breit nicht zu finden und hat einen anderen Schwärmtermin.
Durch starkes Vergrößern am PC-Bildschirm kann ich zu den Bildern noch zusätzliche Angaben machen:
1. Clypeus, Stirndreieck und hinterer Kopfrand behaart. Auch auf den Augen wenige kleine Härchen vorstehend.
2. Der Thorax ist mit abstehenden Borsten versehen, auch der dorsale Bereich.
3. Die Gaster konnte ich nur undeutlich sehen, jedenfalls gibt es an den Sterniten etliche Borsten.
4. Die Schuppe ist nicht deutlich sichtbar behaart und auffallend schmal nach oben zusammenlaufend.
5. Längsfurche im Stirndreieck nur angedeutet, Clypeusvorderrand nicht eingebuchtet.
Es könnte sich vielleicht nur um eine Farbvariante einer der genannten Arten handeln. 2 Bilder im Anhang:
Freundliche Grüße v. Borovsky (Boro)


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BeitragVerfasst: 18. Jun. 2008, 12:05 
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Registriert: 07. Jul. 2005, 10:19
Beiträge: 774
Hallo Herr Borovski,

nur anhand von Bildmaterial traue ich mir eigentlich keine sichere Artdiagnose zu - außer bei eindeutigen Fällen, von denen hier aber keiner vorliegt. Konnten Sie das Tier am Merkmal "Stirndreieck glänzend" bzw. "matt" eindeutig Formica s. Str. zuordnen?
Falls ja: ausschließen kann man die rufa-Gruppe, da deren Weibchen einen glänzenden Hinterleib haben.
Bleibt eigentlich unter Annahme eine Pigmentanomalie nur eine zu rötliche pratensis oder eine zu dunkle truncorum. Da erstere nach Ihrer Beobachtung im Gebiet häufig ist, wäre das am wahrscheinlichsten. Eine Arbeiterin dieser Art hängt ja auch an dem Weibchen.
Eine Pigmentanomalie ist durchaus eine realistische Annahme. Am Feldberg (Schwarzwald) habe ich mal eine truncorum-Kolonie gefunden, deren Nestbevölkerung wie ein "Hybrid" zwischen truncorum und pratensis aussah. Neben normaler truncorum-Färbung gab es Tiere, die eine dunkle, pratensis-ähnliche Pigmentierung aufwiesen. Dazwischen gab es alle möglichen Übergänge bis hin zu kleinen dunklen Pigmentsprenkeln auf dem Mesosoma.

Viele Grüße
G.Heller


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BeitragVerfasst: 18. Jun. 2008, 20:19 
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Registriert: 02. Sep. 2007, 08:53
Beiträge: 14
Wohnort: Klagenfurt/Österreich
Guten Abend Herr Heller!
Ich danke für die Antwort. Also, Formica s. str. würde ich die Königin auf jeden Falle zuordnen, weil ja Raptiformica und Coptoformica eindeutig wegfallen.
Ihrer Vermutung, dass es sich um eine Farbanomalie von Formica pratensis handeln könnte, kann ich einiges abgewinnen. Ich wollte das seltene Tier ja wirklich nicht töten, um es unter das Mikroskop zu legen! Aber ich habe mir den Kopf am Bildschirm noch einmal ordentlich vergrößert und musste feststellen, dass das Stirndreieck matter als die Umgebung erscheint. So viel ich weiß trifft das auf F. pratensis zu.
Als zweites Indiz ist mir in Erinnerung, dass die schöne "Rote" unmittelbar nach der Freilassung zufällig auf eine kräftige Arbeiterin von F. pratensis traf. Nach einer kurzen Kontaktaufnahme gingen beide ihres Weges, von Aggression war keine Spur.
Wahrscheinlich stammt die am Bein hängende Arbeiterin aus einem fremden Nest.
Bliebe als Restrisiko noch der sehr frühe Schwärmtermin. Laut Seifert (S. 308) zwar möglich, aber in diesem Gebiet habe ich das Schwärmen (1. Jahresgeneration) dieser Art schon wiederholt beobachtet. Es fand bisher immer vorwiegend im Juni statt. Möglicherweise stammte sie aus einem polygynen Nest und hat dieses ganz einfach verlassen?
Wie bereits oben gesagt, gab es an diesem Tag eindeutig ein Schwärmen von Formica polyctena/rufa (da will ich mich nicht festlegen). Ich konnte einige dieser Königinnen sehen, aber sonst keine Formica pratensis-Gyne.
Schlussendlich wäre es noch interessant, ob so eine Farbanomalie in irgend einer Weise vererbbar wäre.
Ich suche weiter.......
und verbleibe mit besten Grüßen Volker Borovsky


Zuletzt geändert von Boro am 19. Jun. 2008, 07:06, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 18. Jun. 2008, 20:54 
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Registriert: 07. Jul. 2005, 10:19
Beiträge: 774
Hallo Herr Borovsky,

wenn das Stirndreieck matt erscheint und nicht stärker glänzend als die Stirn handelt es sich um das Subgenus Serviformica. Aufgrund der ausgedehnten Rotfärbung und der anscheinend erheblichen Körpergröße käme dann F. lusatica in Frage.

Viele Grüße
G. Heller


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BeitragVerfasst: 19. Jun. 2008, 07:47 
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Registriert: 02. Sep. 2007, 08:53
Beiträge: 14
Wohnort: Klagenfurt/Österreich
Hallo Herr Heller!
Ich danke für ihre Mühe!
Ich bin mir da mit meiner Beurteilung des Stirndreiecks nicht sicher und versuche eine entsprechende Vergrößerung einzustellen. Vielleicht ist das hilfreich.
Im Habitus war die Königin den Gynen von Formica s. str. gleichzusetzen. Serviformica lusatica gibt es aber in dieser Gegend ebenfalls.
Ich weiß, nach dem Bild ist eine Beurteilung sehr unsicher, aber wie gesagt - töten und unter das Mikroskop legen - kam für mich nicht in Frage!
Mit freundlichen Grüßen Borovsky


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19. Jun. 2008, 09:15 
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Registriert: 07. Jul. 2005, 10:19
Beiträge: 774
Hallo Herr Borovsky,

das Stirndreieck ist auf dem Foto nicht zu erkennen. Aber Sie brauchen das Weibchen doch gar nicht zu töten, um den Kopf unter dem Bino zu betrachten! Das Tier einfach zwischen die Finger nehmen.
Falls Sie unsicher sind was als "glänzend" zu bewerten ist, machen Sie doch erst mal eine Probe mit einer lusatica-, rufibarbis- oder cunicularia-Arbeiterin und einer pratensis. Man sieht das Merkmal sehr gut.

Viele Grüße
G. Heller


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