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 Betreff des Beitrags: Raupen zahlen Ameisen süßes Schutzgeld
BeitragVerfasst: 01. Feb. 2008, 19:08 
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Hallo Ameisenfreunde


Der Argusbläuling, Schmetterling des Jahres 2008

Der Argusbläuling (Plebeius argus) ist Schmetterling des Jahres 2008 geworden. Die Naturschutzstiftung des BUND. NRW. und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch - Westfälischer Lepidopterologen wählten ihn aus, weil er auf bedrohte Heidelandschaften, Moore und Magerwiesen angewiesen ist. Denn seine Lebensräume werden dramatisch weniger. Der Falter gilt nach der Roten Liste in Deutschland als gefährdet.
Besonders interessant ist das Verhalten der Raupen, denn sie gehen mit den Ameisen eine Symbiose ein. Während Ameisen normalerweise Schmetterlingsraupen fressen, beschützen sie diese. Im Gegenzug scheiden die Raupen einen zuckerhaltigen Sekret aus, die die Ameisen dann aufnehmen. Die Ameisen betrillern mit ihren Fühlern die Raupen so lange bis kleine Tröpfchen ausgeschieden werden, so ähnlich wie bei Blattläusen beim Melken.

Ein Link zum BUND, der den Schmetterling vorstellt:
http://bund-nrw-naturschutzstiftung.de/ ... ng2008.htm

Gruß
Karsten Grotstück


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 Betreff des Beitrags: ,, Silberfleck - Bläulinge "
BeitragVerfasst: 02. Feb. 2008, 10:30 
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Hallo Ameisenfreunde


Der Argus - Bläuling gehört zu einer ganzen Reihe von Bläulingsarten, die den Silberfleck-Bläulinge angehören. Alle diese sind eng mit den Ameisen verbunden. Die Raupen machen die Ameisen abhängig mit ihren Ausscheidungen, die die Ameisen dann gierig schlecken und so erhalten sie ihren Schutz. Selbst als Puppe werden sie noch von den Ameisen bewacht. Als Ameisenart wurde die Lasius niger (Schwarzgraue-Wegameise) genannt, die mit den Bläulingsraupen eng zusammenleben. Die Raupen haben ein Organ, das sie ausstülpen können und so die Ameisen anlocken.
Als Futterpflanzen dienen Heidekraut (Calluna-Arten), Sonnenröschen (Helianthemum-Arten), Hornklee (Lotus corniculatus) ebenso verschiedene Ginster (Genista-Arten) und Kronwicke (Coronilla varia) an.

Folgende Arten gehören den Silberfleck-Bläulinge an:
Lycaeides idas - Idas-Bläuling, Ginster-Silberfleckbläuling
Lycaeides argyrognomon, Kronwicken-Silberfleckbläuling
Plebejus argus - Argus-Bläuling, Kleiner Silberfleckbläuling

Informationen habe ich aus dem Buch: Tagfalter beobachten, bestimmen.
Natur Buch Verlag. entnommen.
Autor: H.J. Weidemann

Gruß Karsten Grotstück


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02. Feb. 2008, 14:00 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
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Zu den Ameisen-Bläulings-Beziehungen gibt es auch in B. Seifert (2007): Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas eine recht ausführliche Darstellung (so wie auch bereits im "alten" Seifert von 1996).
Danach stehen die Raupen von 75 % aller in Europa und Nordwest-Afrika untersuchten Bläulingsarten in irgendeiner Beziehung zu Ameisen.

Bemerkenswert ist, dass die Raupen mancher Arten nicht nur Schutz bei den Ameisen finden und dafür Energie liefernde Sekrete abgeben: Es gibt auch Arten (Gattung Maculinea, in Nestern von Myrmica-Arten), die sich als reine Bruträuber ernähren, so Maculinea arion und M. teleius. Gelegentlich fressen sie den „Wirten“ die gesamte Brut weg.

Aber gönnen wir ihnen das! Auf die hübschen Falter möchte man ja auch nicht verzichten. :D

A. Buschinger

_________________
!!! EINHEIMISCHE HAUSAMEISEN SIND KEINE SCHÄDLINGE per se !!! - Sie nutzen nur Baufehler bzw. Bauschäden zur Anlage ihrer Nester. Dies ist anders bei Exoten wie Pharaoameise, Pheidole spp. usw..


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 Betreff des Beitrags: Raupen zahlen Ameisen süßes Schutzgeld
BeitragVerfasst: 03. Feb. 2008, 15:17 
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Registriert: 19. Nov. 2006, 13:12
Beiträge: 122
Wohnort: 31134 Hildesheim
Die Auswahl von Plebejus argus, dem Argusfalter zum Schmetterling des Jahres ist ganz sicher Grund genug dafür, sich einmal Gedanken zu machen über das Umfeld dieses Falters, bzw. seine Verwandtschaft mit ihren vielen unterschiedlichen Verhaltensweisen. Alle sind nicht nur hübsch anzusehen, vielmehr hat ihnen die Evolution Lebens- und Überlebensmuster beschert, die begeistern. Es handelt sich um symbiotische Beziehungen zu verschiedenen Ameisenarten, die ihrerseits auch wieder vielfältig und spannend sind.

Der Einfachheit habe ich im Anhang einmal einige dieser Verhaltensweisen tabellarisch dargestellt. An eine Vollständigkeit dieser Tabelle darf dabei allerdings nicht gedacht werden. Dazu fehlen mir nicht nur Raum an dieser Stelle, ganz sicher ebenfalls die erforderlichen Kenntnisse!

Wer noch etwas mehr erfahren möchte, der möge einmal nachsehen in meiner homepage, besser noch in:

B. SEIFERT, 2007, "Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas"
K. DUMPERT, 1994, "Das Sozialleben der Ameisen"



Mit freundlichen Grüßen!

Jürgen Dittmer


Dateianhänge:
Raupentabelle.doc [31.5 KiB]
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 Betreff des Beitrags: Der Ameisenbläuling
BeitragVerfasst: 11. Feb. 2008, 16:35 
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Registriert: 05. Dez. 2007, 16:19
Beiträge: 272
Wohnort: 34123 Kassel
Hallo Ameisenfreunde, :wink:

fast alle Bläulingsarten haben eine mehr oder weniger enge Beziehung zu Ameisen, aber der Ameisenbläuling toppt diese.
Unter den Bläulingen gehen die Ameisenbläulinge bei ihrer Raupenentwicklung noch einen Schritt weiter, zum Parasitismus. In ihrer Entwicklung verhalten sich die Raupen zuerst ganz normal, wie andere Raupen, sie fressen an ihren Nahrungspflanzen. Aber nach ihrer 3. oder auch 4. Häutung verlassen sie ihre Nahrungspflanzen und begeben sich an den Fuß der Pflanze um dort zu warten und in der Hoffnung, dass ihr Wirt die Ameisen (Myrmica-Arten) findet. Die Ameisen tragen nun die Raupen mit ins Ameisennest, direkt zu der Ameisenbrut, wo sie ja hinwollen. Somit haben die Ameisen den Wolf im Schafspelz mit ins Nest gebracht, ohne es zu wollen, denn die Raupen sondern an ihren Drüsen am Raupenkörper einen süßen Honigtau ähnlichen Stoff ab, der dem der Blattläusen ähnelt und dem die Ameisen nicht widerstehen können. Sie werden regelrecht abhängig.

Interessant scheint mir auch, dass die Raupen den Nestgeruch des jeweiligen Nestes in dem sie sich befinden, annehmen und so von den Ameisen toleriert werden. Die Raupen des Ameisenbläulings ernähren sich räuberisch von der Ameisenbrut (Larven, Eier und Puppen) bis sie erwachsen sind und verpuppen sich dann im Nest der Ameisen.

Es gibt beim Ameisenbläuling auch Arten, sie haben kleptomane Raupen, die werden wie die Ameisenbrut von den Arbeiterinnen gefüttert als wäre es ihre eigene Brut. Das ist beim Wiesenknopf-Ameisenbläuling der Fall. Für die betroffenen Ameisen kann der Parasitenbefall zu einer Verkleinerung der Kolonie führen. Hauptsächlich werden Knotenameisen als Wirt bevorzugt und zwar folgende Ameisenarten:

1. Myrmica sabuleti
2. Myrmica scabrinodis http://de.wikipedia.org/wiki/Trockenrasen-Knotenameise
3. Myrmica ruginodis
4. Myrmica rubra http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Gartenameise

Andere Arten werden gelegentlich parasitiert :
1. Lasius niger
2. Lasius flavus
3. Lasius alienus
4. Plagiolepis vindobonensis
5. Formica fusca
6. Formica rufibarbis

Die höchst spezialisierten Raupen der „myrmikophilen“ Arten besitzen drei Typen von Ameisenlockorganen.
(Myrmikophil heißt so viel wie, myrmica = Ameise, philos = Freund.)

1. Ein dorsales Organ, das ein von den Ameisen begehrtes süßes Sekret bildet.
2. Zwei laterale Organe, die blitzschnell ausgestülpt und eingezogen werden können und „zum Einsatz kommen“, wenn das Interesse der Ameisen nachlässt.
3. Über den ganzen Körper verteilt mikroskopisch kleine Drüsen, die beim ersten Kontakt Raupe - Ameise tätig werden.

Diese sind bei der Unterfamilie Lycaneninae die einzigen Ameisenlockorgane.
Die Myrmikophilie schützt die Raupen vor den Ameisen und schützt sie weiter vor dem Zugriff anderer Feinde. Die Ameisengarde behütet die Raupen als wären es ihre eigenen Larven.

Folgende Arten gibt es beim Ameisenbläuling (Maculinea-Arten):
Lungenenzian – Ameisenbläuling
http://de.wikipedia.org/wiki/Lungenenzi ... C3%A4uling
Quendel – Ameisenbläuling
http://de.wikipedia.org/wiki/Quendel-Am ... C3%A4uling
Heller Wiesenknopf – Ameisenbläuling
http://de.wikipedia.org/wiki/Heller_Wie ... C3%A4uling
Dunkler Wiesenknopf – Ameisenbläuling
http://de.wikipedia.org/wiki/Dunkler_Wi ... C3%A4uling

Alle Bläulingsarten haben erheblich mit den veränderten Umweltbedingungen und Lebensraumverlusten zu kämpfen. Manche Arten sind regional schon ausgestorben oder sie sind stark gefährdet. Diese schönen Falter sind mit recht geschützt. Was wäre ein Sommer ohne sie, sie würden mir fehlen, diese munteren Gaukler der Lüfte.

Gruß Karsten

Quellenangaben:
„Tagfalter beobachten, bestimmen“ von H.J. Weidemann,
ISBN 3-89440-115-X

„Ameisen beobachten, bestimmen“ von Bernhard Seifert,
ISBN 3-89440-170-2


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