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 Betreff des Beitrags: Fütterung der Königin durch die Arbeiterinnen
BeitragVerfasst: 24. Mär. 2008, 11:26 
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Registriert: 28. Aug. 2005, 16:29
Beiträge: 4
Wohnort: Berlin
Während der Gründungsphase zehrt bei Arten, die claustral gründen, die Königin ihre Reserven auf, um sich selbst am Leben zu erhalten und die Larven zu füttern. Dies geschieht, indem Proteine aus der Flugmuskulatur und Fett aus dem Fettkörper durch die Hämolymphe in bestimmte Drüsen im Kopfbereich gebracht werden, wo eine Umwandlung in Nährsekret erfolgt, mit welchem die Larven versorgt werden.

Wenn die Reserven verbraucht sind, wird die Königin von den Arbeiterinnen mit Futtersekreten gefüttert. Wenn ich das richtig verstehe, wird durch die Gabe dieser Sekrete die Königin am Leben erhalten und eine Produktion von entwicklungsfähigen Eiern erst ermöglicht.

Wenn nun in der Haltung Fehler gemacht werden, so dass die Gründung scheitert und ein Verlust der ersten Arbeiterinnen und Brut zu beklagen ist, müsste doch die Königin verloren sein. Ein Füttern mit Honig oder Honigwasser stärkt die Königin zwar für den Moment und auch die Gabe von Eiweiß in Form von Insekten (wenn es überhaupt angenommen wird) reicht nicht aus, um eine erneute Gründung gelingen zu lassen.

Wie sieht es bei Arten mit semiclaustraler Gründung aus? Da ist doch die Königin anfänglich in der Lage selbst Futtersekrete mit Hilfe der erbeuteten Insekten herzustellen. Verliert sich diese Fähigkeit mit dem Erscheinen der ersten Arbeiterinnen oder wird sie nur nicht genutzt, weil Arbeiterinnen diese Aufgabe übernehmen. Dann kommt noch die Frage hinzu, inwieweit die Königin auf “Reproduktionssekrete” der Arbeiterinnen angewiesen ist.

In der Hoffnung, dass ich nicht zu viele Fehler in meinen Text eingebaut habe, würde ich mich über Antworten sehr freuen und bedanke mich schon mal im voraus.

Ich wünsche allerseits einen schönen Ostermontag.

_________________
Mit freundlichen Grüßen
A. Hoffmann


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25. Mär. 2008, 10:40 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1451
Wohnort: Reinheim
Lieber Herr Hoffmann,

Bitte sehen Sie mal in Ihre persönlichen Nachrichten (ganz oben, neben dem login).

Zu Ihren Fragen:

Was claustral gründende Königinnen anbelangt, sehen Sie das völlig richtig!

Im Ameisenwiki habe ich mal ausführlich dazu geschrieben (s. u.). Leider ist wenig dazu geforscht worden (wozu auch? – Solche Forschung müsste von den Leuten betrieben oder finanziert werden, die mit dem Verkauf der Tiere ihre Geschäfte machen! Die Vielzahl importierter Arten würde jedes normale Labor überfordern).

Ich würde eine „claustrale“ Königin nach gescheiterter Gründung beseitigen (überbrühen): Die Chancen, dass eine zweite Gründung erfolgreich verläuft, sind einfach viel zu gering!

Natürlich raten die Händler in solchen Fällen zum nochmaligen Versuch, möglichst mit Kauf verschiedener „Spezial“-Futter etc.. Ich verstehe auch, dass jemand, der 5 oder 50 oder mehr Euro für so ein Tier hingelegt hat und sich teures Zubehör gekauft hat, nicht einfach aufgeben möchte. Deshalb muss deutlich gesagt werden, dass es wenig Sinn macht, in solche Königinnen weiter Zeit und Geld zu investieren.

Arten mit semiclaustraler Koloniegründung (auch wenig untersucht!) sind anscheinend zumeist solche, die ihren Larven feste Nahrung in Form von Insektenteilen auf die Mundwerkzeuge legen. Die Larven kommen dann auch mit wenig Futtersekreten zurecht. Oft fressen kleinste Larven die daneben liegenden, noch nicht geschlüpften Eier. Es ist also nicht, oder nur in geringem Umfang nötig, dass die Königin die Beute verdaut, Futtersekrete daraus synthetisiert und diese an die Larven gibt: Da funktioniert der direkte Weg!
Ob bei diesen Arten eine wiederholte Koloniegründung deshalb leichter möglich ist, müsste experimentell untersucht werden. Ich kenne dazu keine brauchbaren Daten.

Viele Grüße,
A. Buschinger

Hier der Text aus dem Ameisenwiki:

http://www.ameisenwiki.de/index.php/Pushen
Dieses Thema betrifft Versuche, eine junge Kolonie durch Zugabe von Puppen (oder gar Larven) zu verstärken.

Man muss sich vor Augen halten, dass so eine Kolonie mit Königin, x Arbeiterinnen, y fressenden Larven und Eiern ein lebendes System darstellt, in dem die einzelnen Teile im Normalzustand in einem gewissen Gleichgewicht stehen, so wie die Organe in einem einzelnen Tier. Stört man dieses Gleichgewicht, indem plötzlich eine der Untereinheiten zu stark, oder zu gering vertreten ist, kann das Ganze instabil werden. Auswirkungen auf andere Untereinheiten sind selbstverständlich zu erwarten. (Bei Bienen gibt es Versuche dazu).

So sind die Ovarien einer Königin über die Jahre des Heranwachsens stark angeschwollen. Um die Eier darin bis zur Ablage hinreichend zu versorgen, sind Drüsensekrete von entsprechend vielen Arbeiterinnen nötig. Wird der Zustrom von Eiweiß-reichen Futtersekreten durch Reduktion der Arbeiterzahl (z.B. von 10.000 auf 500) stark gedrosselt (z.B. beim unvollständigem Einfangen einer reifen Kolonie aus der Natur), kann die Funktion der Ovarien beeinträchtigt werden. Es werden darin weiterhin viele Eizellen produziert, die aber nicht "richtig" mit Dotterproteinen angefüllt werden können, zum Teil degenerieren (evtl. absterben). Das kann schädlich für den ganzen Stoffwechsel der Königin sein. Oft liest man von "fetten" Königinnen, die mit nur ein paar Dutzend Arbeiterinnen eingefangen werden, und dann liest man nichts mehr darüber: Die Königin ist gestorben.

Umgekehrt verursacht die Zugabe von Larven in eine junge Kolonie Probleme bei deren Versorgung durch zu wenige Arbeiterinnen. Da haben die Völker oft ein Regulativ: Sie fressen die überschüssigen Larven oder werfen sie aus dem Nest zum Abfall.

Bei Zugabe von zu vielen Puppen, aus denen sehr viele Arbeiterinnen schlüpfen, kommt die noch junge Königin (mit evtl. noch zu kleinen Ovarien) mit der Verarbeitung von deren Drüsensekreten nicht nach. Ergebnis ist oft, dass einige Arbeiterinnen diese Proteine sozusagen bei sich behalten, oder sich gar von anderen Arbeiterinnen damit füttern lassen, und dann eigene Eier legen. Daraus entstehen männliche Larven, die wiederum in Futterkonkurrenz zu den eigenen weiblichen Larven der Königin treten.

Vieles zu diesem Thema ist nicht quantitativ erforscht, beruht eher auf einer Interpretation von gelegentlichen Beobachtungen. Aber man kann es zum Teil mit dem menschlichen Körper vergleichen: Ein Leistungssportler, der plötzlich aufhört, kann bekanntlich Herzprobleme bekommen, weil er sich ein viel zu großes Herz antrainiert hat. Bei einer leider manchmal auch bei Kindern notwendigen Nierentransplantation kann man nicht die vergleichsweise riesige Niere eines Erwachsenen einsetzen, usw..

Fazit: Wenn man junge Kolonien "boosten" will, dann nur mit Arbeiterinnenpuppen, und man sollte die Zahl der vorhandenen Arbeiterinnen höchstens verdoppeln. (Falls zu wenige Arbeiterinnen vorhanden, kann man auch ein paar mehr Puppen zugeben, so dass die für das Alter der Kolonie "normale" Anzahl Arbeiterinnen erreicht oder nur wenig überschritten wird.)
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!!! EINHEIMISCHE HAUSAMEISEN SIND KEINE SCHÄDLINGE per se !!! - Sie nutzen nur Baufehler bzw. Bauschäden zur Anlage ihrer Nester. Dies ist anders bei Exoten wie Pharaoameise, Pheidole spp. usw..


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