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 Betreff des Beitrags: Gemischte Kolonie aus Lasius niger und L. umbratus
BeitragVerfasst: 30. Jul. 2008, 14:46 
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Liebe Ameisenfreunde,

an einem Rad- und Wanderweg, den ich nahezu täglich begehe, sah ich im aktuellen Streckenabschnitt seit Jahren ausschließlich Lasius niger fouragieren. Am 25. Juli, gegen 19.30 Uhr, war alles anders! Das schwül- warme Sommerwetter hatte „meine Ameisen“ zur Aufnahme des Schwärmbetriebes bewegt! Was anders war, als alle die Jahre, ist, dass diesmal statt der L.- niger - Arbeiterinnen, Lasius umbratus das Geschehen „begleitete“! Sollte einst, entgegen ihrer Gewohnheit, eine begattete L. – umbratus – Königin das Wirtsnest aufgesucht haben, ohne die dortige Königin zu töten, sodass hier zunächst eine Mischkolonie entstand?
Heute, einige Tage später, ist alles wieder wie gehabt: L. – niger – Arbeiterinnen fouragieren wie eh und je, von Umbratus ist nichts mehr zu entdecken.


Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Dittmer


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BeitragVerfasst: 30. Jul. 2008, 20:14 
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Hallo Herr Dittmer,

verstehe ich es richtig, dass die Geschlechtstiere von umbratus einer Mischkolonie mit L. niger stammen? Waren auch niger-Arbeiterinnen im Schwarmbetrieb als "Bodenpersonal" beteiligt? Zur Absicherung können Sie mir einige Arbeiterinnen aus dem betreffenden Nest in einem Röhrchen zusenden. Außer umbratus kommen ja mehrere Chtonolasius in Frage, alle nicht ganz einfach zu bestimmen. Am besten wäre es, wenn noch ein geflügeltes Weibchen dabei wäre.
Ansonsten wäre die Erklärung, dass in der niger-Population eine Chtonolasius-Königin vor einigen Jahren erfolgreich gegründet hat. Die Chtonolasius sind außer bei Schwarmbetrieb kaum an der Oberfläche sichtbar. Ausnahme: Arbeiterinnen aus Kolonien, die von L. fuliginosus "übernommen" wurden, begleiten die neuen"Herren" auf deren Straßen.

Viele Grüße
G. Heller


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 Betreff des Beitrags: Gemischte Kolonie aus Lasius niger u. L. umbratus
BeitragVerfasst: 31. Jul. 2008, 15:38 
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Hallo, Herr Heller,

zunächst einmal: vielen Dank für Ihre Bemühungen um das o.a. Thema. Es scheint spannender zu werden, als ich anfangs dachte! -
Das Foto stammt von einem sehr kleinen "Inselchen" inmitten einer L - niger - Kolonie, sodass ich an eine Einheit glaubte, eine direkte Vermischung von Arbeiterinnen beider Arten konnte ich nicht beobachten, aber auch keine Feindseligkeiten an den Grenzen. Leider habe ich seit dem 25. Juli keine L. umbratus - Arbeiterinnen (???) mehr gesehen. Gestern abend gegen 19.45 Uhr stieß ich dort jedoch auf mehrere Königinnen mit und ohne Flügel. Diese wurden jedoch von mehreren temnothorax.... angegriffen und getötet, ein, zwar für die Bestimmung wenig taugliches, aber immerhin zur Dokumentation geeignetes Foto, füge ich bei. Heute konnte ich einige Temnothorax... fangen, die ich, falls ich noch weitere "Beute" mache, Ihnen dann zusammen schicken würde. Ich bin gespannt, was bei der ganzen Angelegenheit heraus kommen wird. Wie gesagt, alles spielte sich auf engstem Raume ab!

Mit freundlichen Grüßen!

Jürgen Dittmer


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BeitragVerfasst: 31. Jul. 2008, 16:41 
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Hallo Herr Dittmer,

das auf dem Foto sind Arbeiterinnen einer Myrmica-Art, die wohl ein flavus-Weibchen in der Klemme haben. Eine Chtonolasius-Königin ist es sicher nicht, dafür ist der Hinterleib zu dick. Dass die Myrmica Jagd auf junge Königinnen machen, sieht man auch nicht alle Tage. Bin gespannt welche Art es ist. Passionierte Jäger von jungen niger- und flavus-Königinnen sind übrigens Arten der F. rufibarbis-Gruppe. Auch einzelne Arbeiterinnen überwältigen leicht eine niger-Königin. An Schwarmtagen werden beachtliche Mengen erbeutet und in die Nester geschleppt, so dass diese Formica-Arten bei entsprechender Nestdichte ein bedeutender Dezimierungsfaktor für niger etc. sein können.

Viele Grüße
G.Heller


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BeitragVerfasst: 01. Aug. 2008, 07:29 
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Lasius niger und Lasius flavus findet man sehr häufig vergesellschaftet vor (habe vor ein paar Tagen selbst ein ähnliches Beispiel bewundern dürfen).

Aufgrund ihrer sehr unterschiedlichen Lebensweise (Lasius flavus ernährt sich unterirdisch von Wurzelläusen und deren Ausscheidungen, Lasius niger jagt oberirdisch und besucht Blatt- und Rindenläuse) besteht keine direkte Konkurrenzsituation, so dass sich diese beiden Arten mehr oder weniger ignorieren.

Hinzu kommt, dass beide Arten derzeit schwärmen, was üblicherweise für die Arbeiterinnen eine absolute Ausnahmesituation im Kolonieleben darstellt und zusätzlich dämpfend auf eventuelle Feindseligkeiten wirkt.

Viele Grüße,

René Schulze


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 Betreff des Beitrags: Mischkolonie etc.
BeitragVerfasst: 01. Aug. 2008, 10:47 
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Hallo, Herr Schulze,
vielen Dank, dass Sie sich ebenfalls um Klärung des o.a. Sachverhalts bemühen!
Da Sie eine Vergesellschaftung von L. niger und L. flavus erst kürzlich beobachten konnten, die folgende Fragen:

1. Der Neststandort an der Bordsteinkannte (siehe Foto) scheint mir etwas ungewöhnlich für L. flavus zu sein, wohl aber möglich? An diesem Plattenweg befinden sich mindestens vier Nester mit gleicher Besiedlung an ähnlicher Stelle.
2. Eine zweite Frage stellt sich mir: Sind das Königinnen (2. Foto) nicht vielleicht auch solche der L. niger?

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Dittmer


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BeitragVerfasst: 01. Aug. 2008, 11:20 
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Hallo Herr Dittmer,

der von mir beobachtete Fall war ganz ähnlich gelagert und befand sich am Rande eines mit Gehwegplatten ausgelegten und von niedrigen und schmalen Bordsteinen begrenzten Gartenweges.

Es lagen dort sowohl Lasius niger- als auch Lasius flavus-Nesteingänge sehr nah beieinander.

Links und rechts des Weges befanden sich Rasenflächen, deren Wurzelwerk gute Lebensbedingungen für die von Lasius flavus benötigten Wurzelläuse bieten.
Deshalb möchte ich zu Ihrer ersten Frage eine Gegenfrage stellen? Gab es in der Nähe der Bordsteinkante bzw. des Plattenweges ebenfalls Rasenflächen?

Das zweite Bild zeigt tatsächlich Jungköniginnen von Lasius niger bzw. einer dieser sehr ähnlichen Art.
Meine Vermutung ist, dass bei der Erweiterung der Nestgänge, die ja üblicherweise einem Schwarmflug vorausgeht, um Platz für die Geschlechtstiere zu schaffen, die Lasius niger-Arbeiterinnen auf Gänge von Lasius flavus gestoßen sind.
Dadurch kam es wohl zur gemeinsamen Benutzung der Nesteingänge. Etwas ungewöhnlich ist, dass auf dem Foto überhaupt keine Lasius niger-Arbeiterinnen zu sehen sind, die ja normalerweise ihre Brüder und Schwestern aus dem Nest heraus begleiten.

Möglicherweise wurden sie aber von den Lasius flavus-Arbeiterinnen abgeschreckt. Die Geschlechtstiere hingegen, die mit aller Macht ins Freie drängen, sobald die Bedingungen für den Schwarmflug günstig sind, haben eventuelle Gefahren durch fremde Arbeiterinnen einfach ignoriert.
Deshalb kam es zu diesem erstaunlichen Foto.

Viele Grüße,

Rene Schulze


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 Betreff des Beitrags: Gemischte...
BeitragVerfasst: 01. Aug. 2008, 14:59 
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Hallo, Herr Schulze,

in diesem Forum gerät man erfreulich rasch in "gute Hände!" Vielen Dank nochmals auch an Sie.
Die sehr großen, dunklen und alaten Jungköniginnen konnte ich zunächst nicht in Verbindung bringen mit den kleinen gelben Lasius spec., zumal sich letztere "ganz ungeniert" außerhalb ihrer Behausung befanden, was bei dieser hypogäisch lebenden Spezie nicht ganz alltäglich ist, wenn es sich um L. flavus handelt. Das wiederum wird sich wohl bald klären, da ich inzwischen einige Tiere aus einem der Nester besorgen konnte. Zusätzlich habe ich noch eine dealate Jungkönigin greifen können, die nicht ganz so groß und deutlich heller gefärbt ist als die Exemplare auf dem Foto.
Ich vermute, dass sich in diesem Bereich noch einige mehr Ameisenarten befinden, von denen ich bisher nichts ahnte. Vom Standort ist das sicher auch möglich: Es handelt sich um einen Deich, der das Umland der Stadt Hildesheim vor Hochwasser der Innerste schützen soll. Er ist reich an allen nur denkbaren Gräsern und Kräutern, aber auch etwas Baumbewuchs, wie Pappel, Birke etc.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Dittmer


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BeitragVerfasst: 01. Aug. 2008, 16:05 
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Hallo Herr Dittmer und Herr Schulze,

an die Theorie, dass niger-Geschlechtstiere ungestraft die Gänge von flavus benutzen dürfen, friedlich von flavus-Arbeiterinnen umwimmelt, mag ich nicht glauben. Das Foto mit den "niger"-Königinnen entstand ja wohl zu gleicher Zeit und am gleichen Nest wie das erste vom 25. Juli 19.30 h. Diese Tiere würde ich als flavus ansprechen. Dafür spricht die gelbliche Färbung an Beinen, Fühlern und Mandibeln auf dem ersten Bild. Eigentlich sind die Königinnen beider Arten leicht zu unterscheiden, zumindest wenn man sie nebeneinander sieht. Flavus-Königinnen haben einen Gelbton in ihrer Körperfärbung, wie es bei dem Bild mit dem attackierten Weibchen schön zu sehen ist. Besonders die Unterseite des Hinterleibs ist gelblich. Außerdem sind sie kleiner als die niger-Weibchen.
Noch eine zweite Sache spricht gegen die Interpretation: es ist die späte Uhrzeit. Tageszeitlich überlappen sich die Flugzeiten, aber für L. niger ist 19.30 h nach meinen Erfahrungen zu spät, allerdings auch für flavus eher spät.
Wenn es zu Konflikten zwischen den beiden Arten kommt, was meistens durch Störungen ausgelöst wird (Aufheben des gemeinsamen Neststeins etc.), ist L. niger immer die überlegene Art. Aber auch sonst sind oft niger-Arbeiterinnen zu sehen, an deren Beinen abgebissene flavus-Köpfe hängen. Auch in Anbetracht ihrer kämpferischen Überlegenheit halte ich es für unwahrscheinlich, dass die niger vor den flavus einen Rückzieher gemacht hätten.
Für mich ist die Sache jedenfalls zweifelhaft. Schade, dass es nicht mehr anhand von "handfestem" Material (also Proben) eindeutig geklärt werden kann.

Viele Grüße
G.Heller


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 Betreff des Beitrags: Gemischtes...
BeitragVerfasst: 01. Aug. 2008, 17:32 
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Hallo, Herr Heller,

so langsam nimmt die o.a. Angelegenheit mehr und mehr Spannung an! Bedauerlicher Weise kam ich am 25. d. M. nicht auf die Idee, Tiere einzufangen. Immerhin, aber, bin ich nun in der Lage, Ihnen mehrere gelbe Lasius zuschicken zu können. Ich fing sie am heutigen Nachmittag. Diese Tiere stammen unzweifelhaft aus einem der fraglichen Nester. Außerdem füge ich eine L. flavus - Königin bei, die sich auf dem Plattenweg vor dem Nest bewegte. Interessant ist noch, dass sich noch einige Myrmica auf dem Nest einfanden, auf dem ich gerade die L. fl. einsammelte. Sie kamen von außerhalb und stürzten sich auf die flavus (?), ließen aber sofort wieder von ihnen ab. Das waren die vier kleineren Myrmica in meiner Sammlung. - Außerdem habe ich noch einige weitere Ameisen in unmittelbarer Nähe "einkassiert", es könnte sein, dass da auch noch etwas von Interesse dabei ist?

Also: die genannten Ameisen befinden sich derzeit in einem Röhrchen und das ganze im Kühlschrank. Ich will sie bis Montag noch so aufheben und dann zur Post geben. Vielleicht finde ich übers Wochende noch etwas Interessantes.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Dittmer


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BeitragVerfasst: 01. Aug. 2008, 18:58 
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Hallo Herr Dittmer, hallo Herr Heller,

die Gelbfärbung der Beine, Mandibeln und Fühler habe ich nicht so recht beachtet. Dies deutet tatsächlich auf Lasius flavus hin, wobei mich allerdings die schwarzglänzende Färbung des Thorax etwas irritiert. Im Allgemeinen wirkt die Thoraxfärbung von Lasius flavus-Vollweibchen doch eher in Richtung Braun verschoben.

Nun ja, aber die von Herrn Heller angesprochenen Merkmale deuten dann doch eher auf Lasius flavus hin.

Dem übrigen Beitrag von Herrn Heller möchte ich aber nicht so ohne Weiteres zustimmen. Ich beobachte Ameisen schon seit ich halbwegs laufen kann, und war in dieser Zeit sehr oft Zeuge von Vergesellschaftungen zwischen Lasius niger und Lasius flavus.
Dass das natürlich nicht immer so ist, und es auch Gegenbeispiele gibt, bezweifle ich dabei keineswegs.

Zitat:
Wenn es zu Konflikten zwischen den beiden Arten kommt, was meistens durch Störungen ausgelöst wird (Aufheben des gemeinsamen Neststeins etc.), ist L. niger immer die überlegene Art. Aber auch sonst sind oft niger-Arbeiterinnen zu sehen, an deren Beinen abgebissene flavus-Köpfe hängen. Auch in Anbetracht ihrer kämpferischen Überlegenheit halte ich es für unwahrscheinlich, dass die niger vor den flavus einen Rückzieher gemacht hätten.


Bei den von ihnen angesprochenen Neststörungen reagieren beide Arten äußerst aggressiv (Lasius niger dabei stärker als Lasius flavus). Dabei wird alles angegriffen was sich in unmittelbarer Nähe befindet und irgendwie bewegt, so natürlich auch die umherlaufenden Arbeiterinnen der jeweils anderen Art. Deshalb halte ich dieses Beispiel für wenig stichhaltig.

Eben weil Lasius niger überlegen ist, sollte man erwarten, dass sie keinerlei Nester von Lasius flavus in ihrer Nähe duldet und sofort bekämpft. Doch das geschieht im Allgemeinen nicht, obwohl Lasius niger für ihre Vernichtungsfeldzüge gegen andere Ameisenarten (z.B. auch Myrmica sp.) geradezu berüchtigt ist.

Üblicherweise treten zwar Lasius flavus nicht an der Oberfläche auf, doch das ändert sich während der Schwärmzeit. Trotzdem konnte ich bisher nie Angriffe durch die praktisch gleich nebenan siedelnden Lasius niger beobachten.

Wie gesagt, ich schließe keinesfalls aus, dass es dennoch Konflikte vor allem um den Siedlungsraum gibt, auf die die von Herrn Heller beobachteten Lasius flavus-Köpfe an den Beinen von Lasius niger-Arbeiterinnen zurückzuführen sind.

Insgesamt gesehen geht jedoch Lasius niger mit ihrem Nachbarn Lasius flavus wesentlich nachsichtiger um, als mit anderen Ameisenarten.

Wie bereits erwähnt, lässt die völlig unterschiedliche Ernährungs- und Lebensweise auch wenig Raum für Konkurrenzdruck (mal abgesehen von den gleichen Siedlungsbereichen) und bietet damit auch wenig Motivation für unprovozierte Feindseligkeiten.

Viele Grüße,

René Schulze


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 Betreff des Beitrags: Mischvolk aus L. niger u. Lasius umbratus?
BeitragVerfasst: 03. Aug. 2008, 17:58 
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Hallo, Herr Dr. Heller,

ich denke, das o.a. Problem könnte jetzt wohl aus der Welt geschaffen werden. Inzwischen konnte ich so ziemlich alle Hügelnester entlang des Fuß- und Radweges genauer unter die Lupe nehmen. Was ich bisher als undenkbar ansah: Die Nester der fraglichen gelben Lasius befinden sich nahezu alle an die Bordsteine „angelehnt“ beziehungsweise auch dazwischen „eingeklemmt“. Bereits nach leichter Manipulation an der Nestkuppe erschienen zahlreiche Flavus – Arbeiterinnen an der Oberfläche durch Ausgänge, die sie sich dazu erst gruben – im Gegensatz zu Lasius niger, die durch bereits offene Ausgänge kamen. In beiden Fällen wurden die Insassen sofort durch eine weitere Art, die bereits erwähnte Myrmica sp., „begrüßt“, aber nicht angegriffen im Sinne von gebissen werden usw., aber das nebenbei........
In den von mir näher betrachteten Nestern befanden sich ausnahmslos bereits Puppen, also, bei beiden Arten.......
Davon ausgehend, dass beide Lasius um dem 25.07. herum synchron schwärmten, und später zu keiner Tageszeit weitere derartige Beobachtungen gemacht wurden, dürfte derzeit wohl nicht mehr mit erneutem Schwarmbetrieb gerechnet werden? Also brauche ich nicht weiter auf alate Jungköniginnen zu warten! Ich kann Ihnen also nur die gelben Lasius – Arbeiterinnen zusenden, bin mir nun aber auch sicher, dass die Exemplare auf den Fotos vom 25. 07. durchweg gelbliche Beine haben bei glänzend schwarzem Kopf und ebensolchem Pro- und Mesonotum. Ich habe noch einmal alle Fotos vom fraglichen Tage durchgesehen und meine nun, dass Tergit, aber besonders Sternit, von den Flügeln etwas verdeckt, einen leicht gelblichen „Farbstich“ haben, was auch für L. flavus spricht. Ich hatte mich also von dem tiefschwarzen Erscheinungsbild der Königinnen und dem für mich ungewöhnlichen Neststandort täuschen lassen. Damit befand ich mich dann auch ganz nah an der Möglichkeit, es hier mit einem Mischnest von Lasius niger und L. umbratus zu tun zu haben.
Trotzdem, und um endgültige Sicherheit zu bekommen, möchte ich Sie doch bitten, die morgen mit der Post abgehenden „Lasius flavus“ genauer zu bestimmen, und, wenn es Ihre Zeit erlaubt: Vielleicht können Sie mir zu mitgelieferten engsten Nachbarn sagen, um welche Gattungen es sich dabei handelt. - Myrmica zeigt sich stets angriffslustig, wenn es um Unruhen in der Nachbarschaft geht – und, wie eines meiner Fotos zeigt, machte sie ja auch Jagd auf Jungköniginnen von Lasius!

Nochmals vielen Dank für Ihre Bemühungen
und viele Grüße von

Jürgen Dittmer


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 06. Aug. 2008, 10:17 
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Hallo Herr Dittmer,

haben Sie die Ameisen schon abgeschickt? Bisher ist noch nichts eingetroffen.

Gruße
G. Heller


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 Betreff des Beitrags: Mischvolk aus....
BeitragVerfasst: 06. Aug. 2008, 18:39 
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Registriert: 19. Nov. 2006, 13:12
Beiträge: 122
Wohnort: 31134 Hildesheim
Hallo, Herr Heller,

die o.a. Ameisen habe ich am verg. Montag bei der Hauptpost hier in Hildesheim persönlich abgeliefert; ich werde morgen nachforschen, wieso sie noch nicht bei Ihnen eingetroffen sind.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Dittmer


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08. Aug. 2008, 18:23 
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Hallo Herr Dittmer,

die Ameisen sind heute endlich eingetroffen. Es handelt sich um L. flavus, L. niger (darunter auch ein Männchen), Myrmica rubra und Tetramorium caespitum (zumindest vor der Aufsplitterung in mehrere, kaum unterscheidbare Arten hätte man sie ohne zu Zögern als solche bestimmt).

Bei der Gelegenheit noch einige Anmerkungen zu der von Herrn Schulze angesprochenen Konkurrenz- bzw. Nichtkonkurrenzsituation von niger und flavus. Sicher geht es hier nicht um Nahrungsquellen. Ich denke aber, dass es bei hohen Nestdichten beider Arten zu Konflikten um Neststandorte kommt. Auf untersuchten Buckelwiesen in Rheinbland-Pfalz war ein Teil ehemaliger flavus-Hügel von niger (gelegentlich auch von L. platythorax) besiedelt. Fraglich ist, ob diese Hügel schon zuvor von flavus verlassen worden waren oder ob die ursprünglichen Einwohner allmählich verdrängt worden waren. Ich tendiere zu letzterem, denn wo numerisch schwächere, weniger aggressive und territoriale Arten (z.B. M. scabrinodis und F. fusca) als weitere Bewohner in flavus-Hügeln nisteten, waren immer auch noch die Erbauer präsent.

Viele Grüße
G. Heller


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