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 Betreff des Beitrags: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 15. Jun. 2011, 08:58 
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Registriert: 02. Jun. 2011, 17:50
Beiträge: 7
Wir haben 1985 ein altes Bauernhaus renoviert - von grundauf entkernt etc. Leider haben wir den irrsinnigen Fehler gemacht, dies "baubiologisch" zu tun - d.h., wir haben den gesamten Dachstuhl und alle Decken/Böden mit Kork isoliert (wie vom Baubiologischen Institut Rosenheim damals dringend empfohlen wurde). Es war von uns gut gemeint und wahnsinnig teuer - und nun haben wir seit vier Jahren Ameisen im Haus, die sich offenbar immer mehr ausbreiten: Das ganze Jahr über sieht man sie nicht - aber ab Anfang Mai bis Ende Juni fliegende Viecher (vermutl. Brunneus) in Massen - in jedem Zimmer stehen inzwischen mehrere Staubsauger, manche Zimmer (Schlafzimmer) sind unbewohnbar. Nach Herausreißen einer Decke zeigte sich: Die Ameisen bauen ganze Städte im Kork - und fressen ihn offenbar. D.h., sie leben im Futter und nehmen daher keinerlei Fraßköder an (wozu auch, sie haben ja genug zu essen). Es ist anzunehmen, daß überall Nester im Haus in den Korklagen vorhanden sind - im schlimmsten Fall einschließlich Dachschrägen über ca. 900 m² verteilt.

Kammerjäger, die mit ihren Gelpistolen wichtigtuerisch auftraten, fragten immer nach den "Laufstraßen" - es gibt aber keine Laufstraßen, da 9-10 Monate im Jahr die Ameisen sich in ihren Korklandschaften pudelwohl fühlen, keinerlei Bedürfnis nach Futter außerhalb ihrer Kork-Lebensumwelt-Vorratskammern haben und daher unsichtbar bleiben. Daraufhin haben die Herrschaften Kammerjäger in irgendwelche Ecken irgendwelches Gel gekleckert und viel Geld verlangt - selbstverständlich ohne den allergeringsten Erfolg. Das "baubiologische" Haus ist inzwischen eine ziemliche Gilftmüllhalde, da wir alles, was an Gift im Handel zu haben ist, reingeschmiert, gestreut oder gestäubt haben (ich habe nun als letztes auch die hier in den Foren verbreiteten Hausmischungen mit Leberwurst etc. ausprobiert - Null Ergebnis, sie fressen es nicht.)

Nach bohrender Anfrage in einem anderen "baubiologischen Instiut" wurde mir zerknirscht mitgeteilt, daß das mit dem Kork wohl ein Fehler in der Entwicklung der "Baubiologie" war. Als Methode der Bekämpfung wurde nur noch "thermische Schädlingsbekämpfung" vorgeschlagen: Das Haus in eine Plastikhülle packen - (25x12x12 m, Mahlzeit!) - und auf 70° erhitzen - eine wunderbare Idee, da das unsere 5000 Bücher in der Klebebindung bestimmt wahnsinnig gut überstehen würden. Aber - meinte der "Baubiologe" - man könne sich das eigentlich auch schenken, da die nächste fliegende Ameise, die danach vorbeikommt, die Korkbestände wohl wiederbesiedeln würde: Es bliebe also nur, den ganzen "baubiologischen" Kork rauszureißen. Sagt das baubiologische Institut.

Da wird nun wohl tatsächlich nichts anderes übrigbleiben - ich schätze den materiellen Schaden auf ca. 50.000 - 100.000 Euro, von den nervlichen Schäden (Haus immer wieder von Zimmer zu zu Zimmer umräumen, Handwerker, Dreck, Müll, neue Fußböden/Decken, die verputzte Dachschrägen etc etc.) überhaupt nicht zu reden.

Es sei denn - es hat hier im Forum noch jemand eine letzte rettende Idee? Dies ist der Sinn meines Beitrags, die letzte deprimierte Frage an die Moderation wie eb enso an andere Leidensgenossen: Hat jemand noch irgendeine Idee, bevor wird das Haus teilentkernen müssen?

PS: Und wenn mir nochmal irgendjemand mit "Baubiologie" und "biologischer Schädlingsbekämpfung" und "biologisch nachhaltig" und "ökologisch im Gleichgewicht" und überhaupt mit "Bio-irgendwas" kommt, fange ich nur noch an hysterisch zu schreien...


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 15. Jun. 2011, 12:23 
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Registriert: 10. Mai. 2011, 08:05
Beiträge: 59
Fragun hat geschrieben:
Die Ameisen bauen ganze Städte im Kork - und fressen ihn offenbar. D.h., sie leben im Futter und nehmen daher keinerlei Fraßköder an (wozu auch, sie haben ja genug zu essen).

Ich weiß zwar nicht genau welche Ameisenart Sie bei sich beheimaten aber wenn es eine zu meiner Ameise (Lasius brunneus) vergleichbare Art ist, dann kann ich Ihnen sagen, dass die Ameisen den Kork nicht fressen, sondern "lediglich" ihr Nest darin bauen.
Fressen tun sie süße und/oder proteinhaltige Substanzen, wie z.B. Honigtau (Blattläuse) und auch mal Fleischhaltiges (vergl. Ameisen Wiki).

Fragun hat geschrieben:
Kammerjäger, die mit ihren Gelpistolen wichtigtuerisch auftraten, fragten immer nach den "Laufstraßen" - es gibt aber keine Laufstraßen, da 9-10 Monate im Jahr die Ameisen sich in ihren Korklandschaften pudelwohl fühlen, keinerlei Bedürfnis nach Futter außerhalb ihrer Kork-Lebensumwelt-Vorratskammern haben und daher unsichtbar bleiben. Daraufhin haben die Herrschaften Kammerjäger in irgendwelche Ecken irgendwelches Gel gekleckert und viel Geld verlangt - selbstverständlich ohne den allergeringsten Erfolg. Das "baubiologische" Haus ist inzwischen eine ziemliche Gilftmüllhalde, da wir alles, was an Gift im Handel zu haben ist, reingeschmiert, gestreut oder gestäubt haben (ich habe nun als letztes auch die hier in den Foren verbreiteten Hausmischungen mit Leberwurst etc. ausprobiert - Null Ergebnis, sie fressen es nicht.)

Schöner hätte ich den Sinn und Zweck eines Kammerjägers im Zusammenhang mit Ameisen auch nicht beschreiben können. :mrgreen:

Zum Thema Aufnahme des Köders:
Meine Ameisen zeigen sich auch nur einmal im Jahr während des Hochzeitsfluges. In der Zeit haben sie aber auch von der "verbotenen Frucht" (= Köder) genascht und - BINGO!
Der unnütze Kammerjäger sagte mir anfangs, dass die Ameisen während des Hochzeitsfluges gar nichts essen, was aber blödsinn ist, wie ich selbst herausgefunden habe. Einzig die Wahl des Köders war bei mir der entscheidende Faktor. Vielleicht ist der Zeitpunkt des Hochzeitzfluges und damit der Ködermöglichkeit für dieses Jahr also vorbei?
Außerdem können natürlich eventuell gesprühte Insektizide (manche Kammerjäger mögen sowas gern machen, weil man damit zusätzlich abzocken kann) zusätzlich die Ameisen hemmen, an den selbst gemischten Köder heranzugehen (vergl. diverse Kommentare hier im Forum dazu).

Fragun hat geschrieben:
Es sei denn - es hat hier im Forum noch jemand eine letzte rettende Idee? Dies ist der Sinn meines Beitrags, die letzte deprimierte Frage an die Moderation wie eb enso an andere Leidensgenossen: Hat jemand noch irgendeine Idee, bevor wird das Haus teilentkernen müssen?

Ich kann Ihren Frust nur zu gut verstehen! Es glaubt einem niemand, dass diese kleinen Tierchen Terror verbreiten können, solange sie es nicht erlebt haben.
Ihre Situation ist schon sehr speziell, wie ich finde (Kork und so).
Im Zuge meiner Recherchen bin ich auf ein Verfahren gestoßen, in dem Ameisen im Estrich waren. Natürlich wußte niemand genau wo.
Daraufhin wurden mehrere Löcher von unten in die Decke gebohrt und mit Druck dort Insektizide eingebracht. Diese Lösung soll erfolgreich gewesen sein. Aufgrund des recht hohen Aufwandes habe ich mich mit dem Thema aber nicht weiter beschäftigt.
Interessant wäre in Ihrer Situation doch, wie sich die Tierchen immer wieder aufs neue bei Ihnen ansiedeln und wo sie Zugang nach draußen erhalten. Denn die Nahrung beziehen sie wie bei gefühlten 90% aller hier im Forum vertretenen Betroffenen von außerhalb des Hauses.
Auch ich habe leider immer noch nicht den Zugang nach draußen bei mir gefunden, gehe aber davon aus, dass der unterirdisch im Mauerwerk (Vollkeller) zu finden sein müsste.


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 15. Jun. 2011, 16:06 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1361
Wohnort: Reinheim
Hallo Fragun,

Was Sie schreiben, ist ein Extremfall, zumindest unter dem, was ich in ca. 5 Jahren an „Ameisenberatung“ zu Gesicht bekommen habe! – Ich gehe mal von Lasius brunneus aus, aber Sie dürfen mir gerne ein paar Arbeiterinnen zusenden, damit wir sicher sind; Anleitung hier: viewtopic.php?f=23&t=502
Meine Adresse: Rossbergring 18, 64354 Reinheim.

Zunächst: Die Ameisen, egal welche Art, fressen den Kork nicht, sie können sich davon nicht ernähren.
Wenn sie im Kork leben, so ist das ihre Nistgelegenheit, die sie durch Ausnagen nach Bedarf erweitern (und die Brösel gerne irgendwo ins Haus entsorgen). Ihre Nahrung holen sie mit Sicherheit außerhalb des Hauses, von Bäumen und Sträuchern mit Blattlaus-Befall und sonstigen Insekten als Beute. Im Haus selbst suchen sie nur, wenn es draußen nichts gibt, besonders also im zeitigen Frühjahr. Deshalb ist dies auch der günstigste Zeitraum; um Fraßköder auszubringen.

Die Laufstraßen von Lasius brunneus (und emarginatus) sind verdeckt, gut getarnt, in z.T. überdachten Rinnen im Boden, kaum sichtbar in Rindenrissen an Bäumen.
Eine Möglichkeit sind auch nahe am Haus stehende Bäume, deren Zweige das Haus/Dach etc. berühren: Das sind Brücken, die von den Ameisen gerne genutzt werden.

Ich möchte Ihnen auf keinen Fall falsche Hoffnungen machen! Aber ich glaube nicht, dass ein Entkernen des ganzen Hauses nötig sein wird.
Folgende Überlegungen/ Prüfungen sind wichtig:
L. brunneus benötigt in ihren Nestern eine gewisse Feuchtigkeit. Wirklich trockenen Kork (Holz, oder andere Dämmmaterialien) kann sie nicht bewohnen.
Die Frage ist daher: Wo im Haus könnte die Isolierung feucht sein, sei es durch Wasser von außen (undichtes Dach etc.), oder von innen (Kondensfeuchtigkeit, undichte Installation etc.).
Weiterhin sind für die Ameisen gewisse Temperaturbereiche interessant (welche genau ist leider nicht untersucht; das ist eine empirische Einschätzung). So dürfte z.B. die Nordseite des Hauses, oder ein z.B. von Bäumen beschatteter Teil der Fassade/ des Daches nicht bewohnt werden. Je nach Höhenlage der Ortschaft und nach lokalem Klima können somit gewisse Teile des Hauses a priori ameisenfrei sein.

Ich muss vorab deutlich sagen, dass ich damit keine einschlägigen Erfahrungen habe (!), aber es gibt sog. Einstech-Hygrometer, mit denen man die Feuchtigkeit innerhalb von Materialien bestimmen kann. Je nach „Härte“ von Putz und sonstigen Wandbelägen kann man so etwas vielleicht benutzen, um Bereiche der Innenwände zu lokalisieren, wo die Feuchtigkeit deutlich höher ist als im Wohnraum selbst (evtl. mit dünnem Bohrer vorbohren). Wenn dann in dem Raum auch noch Schwarmflüge stattfanden, und evtl. ausgeräumte Korkkrümel immer mal wieder am Boden liegen, dann sollten Sie dem Nestbereich nahe sein. Der kann dann immer noch etliche Quadratmeter groß sein, sich auch unter den Fußboden erstrecken usw., aber im Falle eines Falles würde ich an solchen Stellen beginnen, den Kork freizulegen.
Unter Umständen reicht es aus, die Quelle von Feuchtigkeit trocken zu legen, und Sie sind die Ameisen dauerhaft los.

Wie gesagt, ich kann keine Garantie übernehmen, aber aus meiner Kenntnis dieser Ameisen heraus würde ich zumindest den Versuch machen, die Ameisen „auszutrocknen“.

Viele Grüße,
A. Buschinger


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 17. Jun. 2011, 09:55 
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Registriert: 02. Jun. 2011, 17:50
Beiträge: 7
dlepeschka hat geschrieben:
Fragun hat geschrieben:
Die Ameisen bauen ganze Städte im Kork - und fressen ihn offenbar. D.h., sie leben im Futter und nehmen daher keinerlei Fraßköder an (wozu auch, sie haben ja genug zu essen).

Ich weiß zwar nicht genau welche Ameisenart Sie bei sich beheimaten aber wenn es eine zu meiner Ameise (Lasius brunneus) vergleichbare Art ist, dann kann ich Ihnen sagen, dass die Ameisen den Kork nicht fressen, sondern "lediglich" ihr Nest darin bauen.
Fressen tun sie süße und/oder proteinhaltige Substanzen, wie z.B. Honigtau (Blattläuse) und auch mal Fleischhaltiges (vergl. Ameisen Wiki).

Fragun hat geschrieben:
Kammerjäger, die mit ihren Gelpistolen wichtigtuerisch auftraten, fragten immer nach den "Laufstraßen" - es gibt aber keine Laufstraßen, da 9-10 Monate im Jahr die Ameisen sich in ihren Korklandschaften pudelwohl fühlen, keinerlei Bedürfnis nach Futter außerhalb ihrer Kork-Lebensumwelt-Vorratskammern haben und daher unsichtbar bleiben. Daraufhin haben die Herrschaften Kammerjäger in irgendwelche Ecken irgendwelches Gel gekleckert und viel Geld verlangt - selbstverständlich ohne den allergeringsten Erfolg. Das "baubiologische" Haus ist inzwischen eine ziemliche Gilftmüllhalde, da wir alles, was an Gift im Handel zu haben ist, reingeschmiert, gestreut oder gestäubt haben (ich habe nun als letztes auch die hier in den Foren verbreiteten Hausmischungen mit Leberwurst etc. ausprobiert - Null Ergebnis, sie fressen es nicht.)

Schöner hätte ich den Sinn und Zweck eines Kammerjägers im Zusammenhang mit Ameisen auch nicht beschreiben können. :mrgreen:

Zum Thema Aufnahme des Köders:
Meine Ameisen zeigen sich auch nur einmal im Jahr während des Hochzeitsfluges. In der Zeit haben sie aber auch von der "verbotenen Frucht" (= Köder) genascht und - BINGO!
Der unnütze Kammerjäger sagte mir anfangs, dass die Ameisen während des Hochzeitsfluges gar nichts essen, was aber blödsinn ist, wie ich selbst herausgefunden habe. Einzig die Wahl des Köders war bei mir der entscheidende Faktor. Vielleicht ist der Zeitpunkt des Hochzeitzfluges und damit der Ködermöglichkeit für dieses Jahr also vorbei?
Außerdem können natürlich eventuell gesprühte Insektizide (manche Kammerjäger mögen sowas gern machen, weil man damit zusätzlich abzocken kann) zusätzlich die Ameisen hemmen, an den selbst gemischten Köder heranzugehen (vergl. diverse Kommentare hier im Forum dazu).

Fragun hat geschrieben:
Es sei denn - es hat hier im Forum noch jemand eine letzte rettende Idee? Dies ist der Sinn meines Beitrags, die letzte deprimierte Frage an die Moderation wie eb enso an andere Leidensgenossen: Hat jemand noch irgendeine Idee, bevor wird das Haus teilentkernen müssen?

Ich kann Ihren Frust nur zu gut verstehen! Es glaubt einem niemand, dass diese kleinen Tierchen Terror verbreiten können, solange sie es nicht erlebt haben.
Ihre Situation ist schon sehr speziell, wie ich finde (Kork und so).
Im Zuge meiner Recherchen bin ich auf ein Verfahren gestoßen, in dem Ameisen im Estrich waren. Natürlich wußte niemand genau wo.
Daraufhin wurden mehrere Löcher von unten in die Decke gebohrt und mit Druck dort Insektizide eingebracht. Diese Lösung soll erfolgreich gewesen sein. Aufgrund des recht hohen Aufwandes habe ich mich mit dem Thema aber nicht weiter beschäftigt.
Interessant wäre in Ihrer Situation doch, wie sich die Tierchen immer wieder aufs neue bei Ihnen ansiedeln und wo sie Zugang nach draußen erhalten. Denn die Nahrung beziehen sie wie bei gefühlten 90% aller hier im Forum vertretenen Betroffenen von außerhalb des Hauses.
Auch ich habe leider immer noch nicht den Zugang nach draußen bei mir gefunden, gehe aber davon aus, dass der unterirdisch im Mauerwerk (Vollkeller) zu finden sein müsste.



Danke für Ihre mitfühlende Antwort - Ihr Leberwurstrezept hatte ich ja schon ausprobiert, leider ohne Erfolg: die Tierchen haben es gesehen, kamen an, stockten - und haben dann einen richtigen Bogen darum gemacht (es sind, wie ich inzwischen festgestellt habe, übrigens zwei verschiedene Sorten: Eine große, aggresive, wohl Brunneus, und eine kleinere, friedlichere, mit nur etwa halb so großen fliegenden Tieren. Die kleinere Sorte ist aus der Decke gepuhlt und vernichtet. Zugänge habe ich natürlich auch nicht gefunden - theoretisch kann das überall sein, wenn ab und zu sich sogar Mäuse auf dem Dachboden finden... Für weiteres sehen Sie bitte meine Antwort an Herrn Buschinger, dem ich im Folgenden schreiben werde.


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 17. Jun. 2011, 10:13 
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Registriert: 02. Jun. 2011, 17:50
Beiträge: 7
Buschinger hat geschrieben:
Hallo Fragun,

Was Sie schreiben, ist ein Extremfall, zumindest unter dem, was ich in ca. 5 Jahren an „Ameisenberatung“ zu Gesicht bekommen habe! – Ich gehe mal von Lasius brunneus aus, aber Sie dürfen mir gerne ein paar Arbeiterinnen zusenden, damit wir sicher sind; Anleitung hier: viewtopic.php?f=23&t=502
Meine Adresse: Rossbergring 18, 64354 Reinheim.
....Viele Grüße,
A. Buschinger


Sehr geehrter Herr Buschinger,

ich danke für Ihre ausführliche und schnelle Antwort und entschuldige mich für meine späte reaktioin – ich war zwei Tage beruflich verreist. Ebenso danke ich für Ihren Versuch, mich ein bißchen zu trösten.

Wenn Sie schreiben (ebenso wie Herr dlepeschka), daß die Ameisen keinen Kork fressen und ihre Nahrung außerhalb des Hauses besorgen, so muß ich Ihnen das glauben. Möglichkeiten gibt es da sicherlich genug: wilder Wein am einen Giebel, eine große alte Kletterrose an der Südseite; und ein Fackwerk bietet wahrscheinlich immer irgendwo kleine Fugen, die als Ameisenspazierweg ins Freie dienen können. Aber in genau diesen bewachsenen Bereichen sind bisher noch keine Ameisen aufgetreten. Wenn die Tierchen nun also zwischen drinnen und draußen nach Belieben wechseln und Futtertransporte durchführen so stellt sich mir dann die Frage, warum ausgerechnet beim Hochzeitsflug NICHT der übliche Weg nach draußen gewählt wird, sondern aber– aber- und aberhunderte sich IM Haus plötzlich aus den Ritzen quälen und an den Fenstern ins Freie wollen.
Aber, wenn dem nun so ist, wie Sie schreiben, macht das die Sache keineswegs besser: Es bedeutet ja, daß auch nach theoretisch vollständiger Vernichtung der Nester im Haus jederzeit die nächste Nachwuchskönigin einziehen und eine neue Kolonie gründen kann in den zu Ameisenwohnzwecken offenbar sehr angenehmen Korklandschaft.

Ihr zweiter Punkt ist die Feuchtigkeit, die die Ameisen Ihrer Beschreibung nach brauchen. Da habe ich nun andere Erfahrungen: Undichte Stellen im Dach gibt es nicht (es liegt auch noch eine weitere Geschoßdecke zwischen Dach und dem extrem befallenen 1. Stock); Kondensfeuchtigkeit von unten kann man natürlich nicht ausschließen, sie kann aber nur minimal sein. Beim Herunterreißen der einen Zimmerdecke fanden sich, wie gesagt, drei Nester. An diesen drei Stellen war der Kork feucht und ebenso der danebenliegende Balken; der Balken war mit irgendetwas feucht-schwarz verschmiert, ebenso die Heraklit-Platte (Platten aus zementgebundenen Hobelspäne als unterste Deckenschicht). Ich habe das für irgendwelche Ameisenausscheidungen gehalten. Natürlich kann es ein, daß irgendwann beim Putzen im Stockwerk darüber mal Wasser aus dem Eimer ausgeschwappt ist und den Weg in die Decke gefunden hat. Aber diese leichte Feuchtigkeit am jeweiligen Nest war am Tag nach Entfernen der Nester bereits restlos verschwunden; der Balken war dort wieder trocken wie überall sonst und ist seither auch trocken geblieben! Ebenso ist der schwarze Schmier sofort eingetrocknet. Die Feuchtigkeit scheint mir also von den Ameisen zu stammen...
Es zeigt sich auch, daß die Ameisen nun tatsächlich Bauschäden hervorrufen: Die (neuen!) Balken an den betreffenden Niststellen sind angefressen; die Fraßsstellen sind porös, die Holzoberfläche ist pergamentähnlich, wie von Säure ausgelaugt und bricht leicht ein. Die Beschädigung ist derzeit natürlich nur minimal, aber wenn man sich vorstellt, daß die Viecher nicht loszuwerden sind, dürfte es über die Jahre doch zu größeren Schäden kommen. Ich lege Bilder bei: ( nein, doch nicht, ich kriege das Einfügen nicht auf die Schnelle)

Was mir auch den Glauben an die Austrockunung als Lösung des Problemes nimmt, ist die Gesamtsituation: Das Haus steht in Einödlage mitten in landwirtschaftlichem Gebiet. Zum Haus gehören 5000 m² Wiese, die nun seit 25 Jahren nicht mehr den üblichen Pestizid-Behandlunen der Landwirtschaft ausgesetzt waren und offenbar eine Art Minibiotop für Flora und Fauna geworden ist – und für Ameisen. Es gibt unzählige Nester auf der Wiese, die sich als bräunliche Flecken von abgestorbenem Gras bemerkbar machen (also auch hier Schäden), und bei näherem Hinsehen maulwurfsähnliche, flache Erdhügel sind – bewohnt von sehr angriffslustigen Ameisen. Seit das Ameisenproblem im Haus aufgetreten ist, also seit etwa 5 Jahren, vergifte ich nach jedem Mähen, also etwa alle zwei Wochen, diese Hügel, jeweils so etwa 30 Stück, nun mit Permethrin,– was die Bewohner sehr schnell umbringt, aber nicht verhindert, daß zwei Wochen später jede Menge neue Nester woanders da sind.

Es ist mir nun unklar, ob das Haus Opfer der eindringenden Ameisen ist, oder ob vielmehr das Haus mit seinem Kork die Brustätte für alle diese neuen Ameisengenerationen ist – jedenfalls sehe ich nur noch schwarz. Und wenn Sie sagen, daß die Tiere beliebig von drinnen nach draußen und zurückwechseln, scheint mir das Entfernen des gesamten Korks dann erst recht die einzige Möglichkeit zu sein, den Monstern wenigstens die angenehme Wohnmöglichkeit zu entziehen.

Oder sehe ich auch hier wieder etwas falsch?

Ich schicke Ihnen heute einen Umschlag mit einigen Ameisen (die ich übrigens nur schwer auf Tesafilm locken konnte) und einer Probe des Korks. Die Lagen sind komplett etwa 12-15cm dick.

Mit bestem Dank für Ihre Bemühungen und herzlichen Grüßen

Fragun


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 17. Jun. 2011, 11:58 
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Beiträge: 59
Fragun hat geschrieben:
Ihr Leberwurstrezept hatte ich ja schon ausprobiert, leider ohne Erfolg: die Tierchen haben es gesehen, kamen an, stockten - und haben dann einen richtigen Bogen darum gemacht

Was Sie schreiben ist interessant, denn als ich draußen im Garten als unterstützende Maßnahme zu meinen Ködern im Haus das Fipronil als Gießmittel auf Nester im Boden kippte, gab es zwei von drei von mir gesichtete Ameisenarten, die die Überreste des süßen Granulats begierig aufnahmen. Die dritte Sorte sah meiner im Haus lebenden Lasius brunneus sehr ähnlich (Größe, Körperaufbau etc.), nur die Farbe unterschied sich etwas (soweit ich das als Laie sagen kann).
Diese dritte Sorte verhielt sich ähnlich wie von Ihnen beschrieben bei meinem Gift: Sie machte eher einen Bogen um die Flächen und selbst als ich etwas von meinem berüchtigten Leberwurstköder anbot, mied diese Art den Köder regelrecht.

Fragun hat geschrieben:
Aber in genau diesen bewachsenen Bereichen sind bisher noch keine Ameisen aufgetreten. Wenn die Tierchen nun also zwischen drinnen und draußen nach Belieben wechseln und Futtertransporte durchführen so stellt sich mir dann die Frage, warum ausgerechnet beim Hochzeitsflug NICHT der übliche Weg nach draußen gewählt wird, sondern aber– aber- und aberhunderte sich IM Haus plötzlich aus den Ritzen quälen und an den Fenstern ins Freie wollen.

Das habe ich mich auch schon gefragt!
Die Tierchen sind in ihrem Handeln nunmal nicht sehr berechenbar, sondern (leider) recht anpassungsfähig. Soweit ich das beurteilen kann, folgen die geflügelten Geschlechtstiere instinktiv hellem Licht und vermutlich scheint eine helle Lichtquelle (nämlich die Ritze im Innenmauerwerk) vom Nest aus schneller im Haus erreichbar zu sein, als der Ausgang nach draußen zur Futterstelle. Anders kann ich mir das auch nicht erklären.
Aber letztlich ändert das alles ja auch nichts daran, dass die Ameisen erhebliche Schäden verursachen (wie Sie ja schon selbst geschrieben haben) und die Hochzeitsflüge somit "nur" lästige Symptome sind aber nichts an dem eigentlichen Problem ändern: Das Nest muss aus dem Haus raus!


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 17. Jun. 2011, 20:17 
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Registriert: 02. Jun. 2011, 17:50
Beiträge: 7
Fragun hat geschrieben:
Aber in genau diesen bewachsenen Bereichen sind bisher noch keine Ameisen aufgetreten. Wenn die Tierchen nun also zwischen drinnen und draußen nach Belieben wechseln und Futtertransporte durchführen so stellt sich mir dann die Frage, warum ausgerechnet beim Hochzeitsflug NICHT der übliche Weg nach draußen gewählt wird, sondern aber– aber- und aberhunderte sich IM Haus plötzlich aus den Ritzen quälen und an den Fenstern ins Freie wollen.

Das habe ich mich auch schon gefragt!
Die Tierchen sind in ihrem Handeln nunmal nicht sehr berechenbar, sondern (leider) recht anpassungsfähig. Soweit ich das beurteilen kann, folgen die geflügelten Geschlechtstiere instinktiv hellem Licht und vermutlich scheint eine helle Lichtquelle (nämlich die Ritze im Innenmauerwerk) vom Nest aus schneller im Haus erreichbar zu sein, als der Ausgang nach draußen zur Futterstelle. Anders kann ich mir das auch nicht erklären.[/quote]
Genau das hatte ich auch in Erwägung gezogen, aber inzwischen wieder verworfen: Schließlich erscheinen die fliegenden Ameisen offenbar ja vor allem intensiv während der nächtlichen Dunkelphase im Raum und suchen sich bei beginnendem Morgengrauen eher dunkle Ecken (Vorhangfalten z.B.); sie versuchen sich ja wieder zu verkriechen, wenn man nachts mit hellem Licht in den Raum kommt. Das scheint mir inzwischen also auch keine einleuchtende Erklärung mehr zu sein. Rätsel über Rätsel!


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 18. Jun. 2011, 07:52 
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Registriert: 02. Jun. 2011, 17:50
Beiträge: 7
Fragun hat geschrieben:
Aber in genau diesen bewachsenen Bereichen sind bisher noch keine Ameisen aufgetreten. Wenn die Tierchen nun also zwischen drinnen und draußen nach Belieben wechseln und Futtertransporte durchführen so stellt sich mir dann die Frage, warum ausgerechnet beim Hochzeitsflug NICHT der übliche Weg nach draußen gewählt wird, sondern aber– aber- und aberhunderte sich IM Haus plötzlich aus den Ritzen quälen und an den Fenstern ins Freie wollen.

dlepeschka hat geschrieben:
Das habe ich mich auch schon gefragt!
Die Tierchen sind in ihrem Handeln nunmal nicht sehr berechenbar, sondern (leider) recht anpassungsfähig. Soweit ich das beurteilen kann, folgen die geflügelten Geschlechtstiere instinktiv hellem Licht und vermutlich scheint eine helle Lichtquelle (nämlich die Ritze im Innenmauerwerk) vom Nest aus schneller im Haus erreichbar zu sein, als der Ausgang nach draußen zur Futterstelle. Anders kann ich mir das auch nicht erklären.


Genau das hatte ich auch in Erwägung gezogen, aber inzwischen wieder verworfen: Schließlich erscheinen die fliegenden Ameisen offenbar ja vor allem intensiv während der nächtlichen Dunkelphase im Raum und suchen sich bei beginnendem Morgengrauen eher dunkle Ecken (Vorhangfalten z.B.); sie versuchen sich ja wieder zu verkriechen, wenn man nachts mit hellem Licht in den Raum kommt. Und interessantweise zieht es die Tierchen zu den Fenstern an der NORDseite, während die helle Sonne an den Südfenstern sie eher nicht zu interessieren scheint. Das scheint mir inzwischen also auch keine einleuchtende Erklärung mehr zu sein. Rätsel über Rätsel![/quote]


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 19. Jun. 2011, 07:26 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1361
Wohnort: Reinheim
Hallo Fragun,

Genau weiß das niemand, weshalb die L. brunneus-Geschlechtstiere so oft innerhalb des Hauses schwärmen; man weiß nur, dass es so ist.
Laut B. Seifert (2007): Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas unterscheiden sich auch die Flugzeiten. Völker im Freien (in Bäumen etc.) schwärmen zwischen 12:00 und 14:00, solche in Gebäuden beginnen mit dem Ausflug bereits ab 5:00 morgens. Vielleicht bevorzugen sie die im Gebäude meist höhere Temperatur am Morgen.

Egal wie, für die Bekämpfung hat das ja wenig Bedeutung. Wichtig ist, zu testen, wann im Jahreszyklus die Arbeiterinnen welche Nahrung bevorzugen und wann sie überhaupt im Haus auf Nehrungssuche gehen.

Viel Grüße,
A. Buschinger


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 20. Jun. 2011, 14:26 
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Registriert: 02. Jun. 2011, 17:50
Beiträge: 7
Buschinger hat geschrieben:
Hallo Fragun,

Genau weiß das niemand, weshalb die L. brunneus-Geschlechtstiere so oft innerhalb des Hauses schwärmen; man weiß nur, dass es so ist.
Laut B. Seifert (2007): Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas unterscheiden sich auch die Flugzeiten. Völker im Freien (in Bäumen etc.) schwärmen zwischen 12:00 und 14:00, solche in Gebäuden beginnen mit dem Ausflug bereits ab 5:00 morgens. Vielleicht bevorzugen sie die im Gebäude meist höhere Temperatur am Morgen.

Egal wie, für die Bekämpfung hat das ja wenig Bedeutung. Wichtig ist, zu testen, wann im Jahreszyklus die Arbeiterinnen welche Nahrung bevorzugen und wann sie überhaupt im Haus auf Nehrungssuche gehen.

Viel Grüße,
A. Buschinger


Da liegt ja die Schwierigkeit - da ich die Arbeiterinnen das ganze Jahr über nicht sehe, da sie in den zwischenböden im Kork leben, kann ich ihre Ernährungsgewohnheiten leider in keiner Weise testen.

Ich habe Ihnen heute einen Umschlag mit den Ameisen und dem Kork abgeschickt - leider den kleinen Begleitbrief vergessen. Es stand aber auch nichts weiter Bedeutendes drin, außer meinem Dank für Ihre Bemühungen...


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 21. Jun. 2011, 18:44 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1361
Wohnort: Reinheim
Hallo Fragun,

Zuerst das Einfache: Die 3 Arbeiterinnen, die ich mit einiger Mühe zwischen Klebeband und Tesafilm heraus operieren konnte, gehören der „Schwarzgrauen Wegameise“ (Lasius niger) an. Das ist eine „überall“ in Wiesen, Gärten, Brachland, ja im Gehwegpflaster nistende Ameise. Sie kommt gelegentlich zur Nahrungssuche ins Haus, wohnt aber kaum je im Haus selbst. Sie bevorzugt Nester in Erde.
Die geflügelten Jungköniginnen gehören jedoch nicht dazu. Die dürften der schon genannten „Braunen Wegameise“ (Lasius brunneus) angehören. Leider waren auch sie so mit dem Klebeband verklebt, dass ich sie kaum freilegen konnte. Die Empfehlung lautet ja: „mit klarem Tesafilm auf Papier aufkleben“.

Das Isoliermaterial erinnert mich mit seiner blasigen Struktur stark an den alten Bauschaum, den ich hier mal abgebildet hatte: viewtopic.php?f=23&t=759 (ganz am Ende)
Es sind aber in Ihrem Material tatsächlich Korkpartikel mit ihrer typischen Zellstruktur erkennbar. Fragt sich, womit die Korkbrocken zu Platten verklebt wurden. Vielleicht wurde ein Bindemittel verwendet, das tatsächlich für manche Insekten als Nahrung geeignet ist. Viele Krümel erinnern an den Kot von Käfern und deren Larven, können aber nicht von Ameisen stammen.

Insgesamt ist das Material anscheinend ein Biotop für ein ganzes Ökosystem, oder besser „war“, denn das wirkt alles, als seien die Verursacher längst ausgezogen. Immerhin „Öko“, wenn ich mir eine sarkastische Bemerkung erlauben darf. :(

Eine Bekämpfung der Ameisen halte ich für sinnlose Geldverschwendung. Wie Sie selbst schon bemerkten, würde diese Nistgelegenheit nach Vernichtung der jetzt darin lebenden Ameisen rasch neu besiedelt. Sehr wahrscheinlich gibt es in der Isolierung Bereiche, die dauerhaft feucht sind, das schrieb ich bereits.

Wenn aber die gesamte Isolierung bzw. große Teile davon in dem Zustand sind wie das Stück, das Sie mir zugesandt haben, dann muss ich Ihnen zustimmen: In so etwas möchte ich auch nicht wohnen!
Es tut mir Leid, dass ich Ihnen nichts Tröstlicheres schreiben kann.

Viele Grüße,
A. Buschinger

PS 22.6.11:
Hallo Fragun,
Beim nochmaligen Überlesen dieses Threads bin ich über folgenden Abschnitt gestolpert:
"Was mir auch den Glauben an die Austrockunung als Lösung des Problemes nimmt, ist die Gesamtsituation: Das Haus steht in Einödlage mitten in landwirtschaftlichem Gebiet. Zum Haus gehören 5000 m² Wiese, die nun seit 25 Jahren nicht mehr den üblichen Pestizid-Behandlunen der Landwirtschaft ausgesetzt waren und offenbar eine Art Minibiotop für Flora und Fauna geworden ist – und für Ameisen. Es gibt unzählige Nester auf der Wiese, die sich als bräunliche Flecken von abgestorbenem Gras bemerkbar machen (also auch hier Schäden), und bei näherem Hinsehen maulwurfsähnliche, flache Erdhügel sind – bewohnt von sehr angriffslustigen Ameisen. Seit das Ameisenproblem im Haus aufgetreten ist, also seit etwa 5 Jahren, vergifte ich nach jedem Mähen, also etwa alle zwei Wochen, diese Hügel, jeweils so etwa 30 Stück, nun mit Permethrin,– was die Bewohner sehr schnell umbringt, aber nicht verhindert, daß zwei Wochen später jede Menge neue Nester woanders da sind."

Dazu kann ich als Ameisenexperte nur sagen, dass Ameisen (solche, die Sie in der Wiese haben) bei uns für jedes gesunde Land-Ökosystem notwendig sind, dass sie mit dem Problem in Ihrem Haus absolut nichts zu tun haben, und dass ihre Vergiftung unsinnigen Aktionismus, Geldverschwendung und Umweltschädigung darstellt!
Wie Sie selbst schreiben, kommen die Ameisen ja bald nach jeder Aktion wieder, sei es, dass sie aus der Umgebung zuwandern, oder neu gegründet werden. Zudem vernichten Sie selbstverständlich eine Unzahl anderer Insekten und für eine gesunde Umwelt wichtiger Bodenorganismen.
Von solchen Giftorgien ist also ganz dringend abzuraten!

A. Buschinger


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 24. Jun. 2011, 21:08 
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Registriert: 02. Jun. 2011, 17:50
Beiträge: 7
Buschinger hat geschrieben:
Hallo Fragun,

Zuerst das Einfache: Die 3 Arbeiterinnen, die ich mit einiger Mühe zwischen Klebeband und Tesafilm heraus operieren konnte, gehören der „Schwarzgrauen Wegameise“ (Lasius niger) an. Das ist eine „überall“ in Wiesen, Gärten, Brachland, ja im Gehwegpflaster nistende Ameise. Sie kommt gelegentlich zur Nahrungssuche ins Haus, wohnt aber kaum je im Haus selbst. Sie bevorzugt Nester in Erde.
Die geflügelten Jungköniginnen gehören jedoch nicht dazu. Die dürften der schon genannten „Braunen Wegameise“ (Lasius brunneus) angehören. Leider waren auch sie so mit dem Klebeband verklebt, dass ich sie kaum freilegen konnte. Die Empfehlung lautet ja: „mit klarem Tesafilm auf Papier aufkleben“.

Das Isoliermaterial erinnert mich mit seiner blasigen Struktur stark an den alten Bauschaum, den ich hier mal abgebildet hatte: viewtopic.php?f=23&t=759 (ganz am Ende)
Es sind aber in Ihrem Material tatsächlich Korkpartikel mit ihrer typischen Zellstruktur erkennbar. Fragt sich, womit die Korkbrocken zu Platten verklebt wurden. Vielleicht wurde ein Bindemittel verwendet, das tatsächlich für manche Insekten als Nahrung geeignet ist. Viele Krümel erinnern an den Kot von Käfern und deren Larven, können aber nicht von Ameisen stammen.

Insgesamt ist das Material anscheinend ein Biotop für ein ganzes Ökosystem, oder besser „war“, denn das wirkt alles, als seien die Verursacher längst ausgezogen. Immerhin „Öko“, wenn ich mir eine sarkastische Bemerkung erlauben darf. :(

Eine Bekämpfung der Ameisen halte ich für sinnlose Geldverschwendung. Wie Sie selbst schon bemerkten, würde diese Nistgelegenheit nach Vernichtung der jetzt darin lebenden Ameisen rasch neu besiedelt. Sehr wahrscheinlich gibt es in der Isolierung Bereiche, die dauerhaft feucht sind, das schrieb ich bereits.

Wenn aber die gesamte Isolierung bzw. große Teile davon in dem Zustand sind wie das Stück, das Sie mir zugesandt haben, dann muss ich Ihnen zustimmen: In so etwas möchte ich auch nicht wohnen!
Es tut mir Leid, dass ich Ihnen nichts Tröstlicheres schreiben kann.

Viele Grüße,
A. Buschinger

PS 22.6.11:
Hallo Fragun,
Beim nochmaligen Überlesen dieses Threads bin ich über folgenden Abschnitt gestolpert:
"Was mir auch den Glauben an die Austrockunung als Lösung des Problemes nimmt, ist die Gesamtsituation: Das Haus steht in Einödlage mitten in landwirtschaftlichem Gebiet. Zum Haus gehören 5000 m² Wiese, die nun seit 25 Jahren nicht mehr den üblichen Pestizid-Behandlunen der Landwirtschaft ausgesetzt waren und offenbar eine Art Minibiotop für Flora und Fauna geworden ist – und für Ameisen. Es gibt unzählige Nester auf der Wiese, die sich als bräunliche Flecken von abgestorbenem Gras bemerkbar machen (also auch hier Schäden), und bei näherem Hinsehen maulwurfsähnliche, flache Erdhügel sind – bewohnt von sehr angriffslustigen Ameisen. Seit das Ameisenproblem im Haus aufgetreten ist, also seit etwa 5 Jahren, vergifte ich nach jedem Mähen, also etwa alle zwei Wochen, diese Hügel, jeweils so etwa 30 Stück, nun mit Permethrin,– was die Bewohner sehr schnell umbringt, aber nicht verhindert, daß zwei Wochen später jede Menge neue Nester woanders da sind."

Dazu kann ich als Ameisenexperte nur sagen, dass Ameisen (solche, die Sie in der Wiese haben) bei uns für jedes gesunde Land-Ökosystem notwendig sind, dass sie mit dem Problem in Ihrem Haus absolut nichts zu tun haben, und dass ihre Vergiftung unsinnigen Aktionismus, Geldverschwendung und Umweltschädigung darstellt!
Wie Sie selbst schreiben, kommen die Ameisen ja bald nach jeder Aktion wieder, sei es, dass sie aus der Umgebung zuwandern, oder neu gegründet werden. Zudem vernichten Sie selbstverständlich eine Unzahl anderer Insekten und für eine gesunde Umwelt wichtiger Bodenorganismen.
Von solchen Giftorgien ist also ganz dringend abzuraten!

A. Buschinger


Sehr geehrter Herr Buschinger,

es tut mir leid, daß ich Ihnen mit meiner unsachgemäßen Ameisen-Verpackung so viel Mühe gemacht habe - ich hatte das Prinzip offenbar nicht so genau verstanden.

Die kleinen Arbeiterinnen gehören zu einem Nest, das ich im Kork in einem geöffneten Fußbodenabschnitt gefunden habe. Sie sind nicht typisch für den Gesamtbefall; die "normalen" Ameisen sind die fliegenden und deren Entourage (also ja wohl, wie vermutet, brunneus). Ich habe sie als Beispiel dazugetan, daß offenbar verschiedene Stämme im Haus vorhanden sind.

Das Korkstück gehörte zu einem aktiven Nest in der Größe von ca. 60x40x12, das ich vor etwa zehn Tagen aus der Decke geholt und weggeworfen habe; es war also gerade noch besiedelt. Ihr für mich neuer Gedanke, daß eventuell das Bindemittel der Korkplatten das "Futter" für die Ameisen sein könnte, überzeugt mich; es bestätigt meine Vermutung, daß die Biester einfach ständig im Haus im Kork sind und sich dort bestens davon ernähren können. Solche Bindemittel bestehen ja wohl meist großenteils aus Glukose. Die entfernten Korkplatten waren nur in den Nestbereichen zerfressen, ansonsten sind sie intakt und bieten wohl noch für Jahrzehnte Nahrung und Wohnung. Es wird also nur übrig bleiben, tatsächlich alles zu entfernen, ungeachtet der hohen Kosten und der Mühe.

Feuchte Stellen, wie gesagt, gibt es nicht - außer als große schwärzliche Flecken auf dem Holz um die Nester herum und in den Nestern selbst. Die Feuchtigkeit am Holz trocknet mit der Entfernung der Nester sofort vollständig ab und tritt auch nicht wieder auf - woraus ich schließe, daß die Ameisen selber in irgendeiner Form diese Feuchtigkeit produzieren.

Meine Ameisenvernichtungsaktionen rund ums Haus auf der Wiese habe ich nach dem Ratschlag bzw. Anweisung der Kammerjäger begonnen: Ameisenbekämpfung im Haus beginne im Umland; es müsse unbedingt verhindert werden, daß sich dort überhaupt Ameisen in größeren Mengen aufhalten, da sie früher oder später durch gegenseitige Verdrängung ins Haus "drücken" würden.

Ich danke für Ihre Mühe.

Fragun


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 Betreff des Beitrags: Re: Irrsinn: Ameisen und Kork
BeitragVerfasst: 25. Jun. 2011, 07:46 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1361
Wohnort: Reinheim
Fragun:

"Meine Ameisenvernichtungsaktionen rund ums Haus auf der Wiese habe ich nach dem Ratschlag bzw. Anweisung der Kammerjäger begonnen: Ameisenbekämpfung im Haus beginne im Umland; es müsse unbedingt verhindert werden, daß sich dort überhaupt Ameisen in größeren Mengen aufhalten, da sie früher oder später durch gegenseitige Verdrängung ins Haus "drücken" würden."

Mir fehlen die Worte! "Fachleute, die derart falsche Behauptungen verbreiten, sollte man mit Falschgeld bezahlen. :roll:

MfG, A. Buschinger


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