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 Betreff des Beitrags: Jürgen Dittmer: Lasius fuliginosus
BeitragVerfasst: 21. Nov. 2007, 13:55 
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Lasius (Dendrolasius) fuliginosus

Spätherbstliche Aktivitäten der Kartonnestameise Lasius fuliginosus

Von Jürgen Dittmer

Lasius fuliginosus zählt zu den ganz besonders spannenden Ameisenarten in unserem europäischen Raum.
Ich bewundere diese Schwarzglänzende Holzameise, auch Kartonnestameise genannt, seit Jahrzehnten – andere fürchten sie „wie der Teufel das Weihwasser“. Irgendwie haben beide „Parteien“ recht: In der freien Natur kann sie durchaus mit unseren hügelbauenden Waldameisen mithalten, wenn man ihren hohen Stellenwert in der vernetzten Natur erst entdeckt hat: Fuliginosus fördert die Honigtauproduzenten, hält einen Grundbesatz schädlicher Forstinsekten auf niedrigem Niveau, ist sehr beteiligt an der Einleitung der Holzzersetzung durch ihre minierende Tätigkeit im Holz der Alterungs- und Zerfallsphase im Walde!
Beide Ameisenarten können zu erbitterten Feinden werden.
Zu Hause, jedoch, im Gartenhäuschen, dem Carport und anderen Holzbauwerken kann diese Holzameise durchaus zum Alptraum werden – hier müssen wir sie in der Tat mit aller Macht fernhalten!
Hier möchte ich allerdings über eine nicht überall bekannte Lebens- oder auch Überlebensstrategie berichten. Wie andere Ameisenarten so ist auch L. fuliginosus sehr witterungsabhängig. Nur kurze Laufzeiten pro Jahr können geringe Entwicklungsfortschritte der Völker verursachen.
Seit dem Jahre 2002 beobachte ich Jahr für Jahr ein mir bis dahin nicht bekanntes Bild in einer Kolonie der Kartonnestameise. Es begann im September 2002. Da fiel mir auf, dass bekannte „Ameisenstraßen“ nicht, wie gewohnt, in den Kronen älterer Eichen und auch Birken endeten, und dass die L. fuliginosus – Arbeiterinnen sich nicht in Herden von Stomaphis quercus im unteren Stammbereich genannter Bäume am Honigtau gütlich taten. Diesmal war alles anders. Die Ameisen überbauten, zunächst insbesondere bei der Birke, dann auch an der Eiche, große Rindenspalten mit einem hellbraunen bis hellgrauen „Dach“ aus zerkleinerten vegetabilen Bestandteilen. Vermutlich handelt sich dabei um das sogenannte „Karton“, welches für den Nestbau hergestellt wird. Die unterschiedliche Färbung, aber auch die unterschiedliche Struktur, lassen darauf schließen, dass „echtes“ Karton aus Mangel am Pilz Cladosporium myrmecophilum dort aus unbekannten Gründen nicht entstehen konnte/ kann. Dieses Material zerbröselt in Pulver, das echte Karton jedoch in kleinste dunkelbraune bis schwarze Plättchen, wenn man es mit den Fingern zerreibt!

Läuseställe an der Birke: Im oberen Bildteil ist die zusätzliche Isolation eines Stalles deutlich erkennbar. Den eigentlichen „Karton“ kann man nur erahnen. Es sind die gelegentlich durchscheinenden ockerfarbenen
Flächenteile bzw. im unteren Bilddrittel die ockerfarbenen
Furchenränder (Baubeginn). In den Furchen selbst sind Ameisen beim Melken, leider nur mit viel Fantasie zu
Erkennen.
Lasius fuliginosus hatte sogenannte „Läuseställe“ gebaut, denn unter diesem Dach befanden sich große Mengen Stomaphis quercus, die eifrig gemolken wurden. Interessanterweise fand diese „Viehhaltung“ seit dem jedes Jahr aufs Neue statt! Die Bauwerke sind irgendwann im Laufe des Winters verschwunden, bis es dann im Spätsommer wieder mit dem Neubau begann. Bis in den November hinein, wenn anderen Ortes kaum noch Insekten anzutreffen waren, zogen Holzameisen schwerfällig zu diesen Ställen, und später noch schwerfälliger wieder zurück in die Nester im Wurzelbereich der betreffenden Bäume, so kam es mir jedenfalls vor.
Anschließend dienten die Läuseställe, wie ich später beobachten konnte, besonders Meisen als Reserve in der nahrungsarmen Zeit. Von den „Bauwerken“ blieb grundsätzlich nie etwas übrig.
So war das jedes Jahr!
Eine Änderung dieses Rhythmus war schließlich im Jahre 2006 zu verzeichnen: Die besonders warme Witterung zog mit sich, dass die „Melkviehhaltung“ noch bis zum 09. Dezember anhielt! An jenem Tage konnte ich Mittagstemperaturen von 13°C. im Nestbereich messen! Bis dahin konnten also die Lachniden noch Honigtau produzieren – und Lasius fuliginosus diesen ernten und eintragen!



Anschrift des Verfassers:
Jürgen Dittmer
Weinberg 12
31134 Hildesheim
Telefon: 05121/ 809498
E – Mail: juergen.dittmer@freenet.de


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Dateikommentar: Lasius fulliginosus
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Gert Habermann
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