Das Forum der DASW

www.ameisenschutzwarte.de
Aktuelle Zeit: 25. Aug. 2019, 15:41

Alle Zeiten sind UTC




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Was fasziniert uns an Ameisen?
BeitragVerfasst: 26. Mär. 2008, 11:38 
Offline

Registriert: 24. Aug. 2004, 09:20
Beiträge: 21
Wohnort: 37574 Einbeck
Was fasziniert uns an Ameisen ?
Wir sehen sie als lästige Krabbeltiere, als Plagegeister im Haus, unter der Terrasse, im Garten!

Aber was sind sie wirklich?
Ameisen faszinieren uns Menschen seit Jahrhunderten (Buch Moses, die Sprüche Salomons oder: „Als das Volk Israel in der Wüste fast verhungerte fiel Manna/Wunderbrot von den Bäumen, zuckerreiche Sekrete der Mannaflechte u. der Mannaschildlaus, die in Symbiose in ariden Gebieten mit den Ameisen an Akazienarten lebt.)

Bernsteininkluse
Ameisen beleben unseren Planeten seit mehr als 50 Mio. Jahren. Ameisen, die in Harztropfen eingeschlossen und zu Bernstein verfestigten, belegen das.

Superorganismus und Miniaturausgabe
Nach Hölldobler und Wilson gehören sie zu den Insekten mit dem höchsten Stand der Evolution. Es sind dies ihre Überlebensstrategien, ihr duftgelenkter Sozialstaat, ihre hoch entwickelte Fähigkeit der Kommunikation und Kooperation. In der Funktion einem Superorganismus gleich unserem Hirn, wo die einzelne Zelle, die einzelne Ameise nichts bedeutet und der Ameisenstaat immer nur als Einheit reagiert. Ihre Biomasse soll der aller Menschen dieser Erde entsprechen. Williams schätzt die Anzahl aller zu einem beliebigen Zeitpunkt auf der Erde lebenden Insekten auf 10 hoch 18, also eine Trillionen Insekten, davon die Ameisen allein 10 hoch 15, also eine Billiarde. Ich kann mir unter diesen Zahlen wenig vorstellen, sie sollen auch nur das Verhältnis widerspiegeln.
Ameisen leben als Superstaat von mehreren Millionen Individuen oder als Zwergstaat in einer Eichel.

Verbreitung
Ameisen leben von den Tropen bis über die arktische Waldgrenze hinaus in nahezu allen terrestrischen Biotopen, Spezialisten überleben als lebendes Floß die Überschwemmungen in Mangrovenwäldern, bewohnen Moorgebiete und ertragen neun Monate anhaltende Winterstarre in der Mongolei.




Lebensweise:
Als Nomaden
Ameisen als Nomaden, Biwaknester zwischen Wander- und stationären Phasen bei Heeres- und Treiberameisen.

Als Pilzzüchter
Blatt- und Grasschneiderameisen als Pilzzüchter in Erdnestern von bis zu acht Hektar Ausdehnung und acht Meter Tiefe mit einzigartigen Belüftungssystemen (CO/2) und der Produktion von Antibiotika (Aussetzung Köln 2006). Ein, den einzelnen Arbeitsfunktionen angepasstes Kastensystem mit Kriegern, Blattschneider mit scherenartigen Mandibeln, Transportöre, die auf ihren Rücken eine lebende Fliegenabwehr mit sich tragen,
Straßenbauer, Pilzzüchter, Belüfter, Nestbauer usw.

Als Baumbewohner in Blattnestern
Weberameisen mit Blattnestern in den Baukronen, hoher Stand der Kommunikation insbesondere der Kooperation und des Webens, bzw. des Zusammenwebendes der Blätter zu Baumnestern.

Unterirdische Nester
Honigtopfameisen, Erdnester in den ariden Wüstenregionen. Vorratshaltung als lebende Honigtöpfe, Schaukämpfe, Aborigenes.
Ernteameisen in ariden Zonen mit Vorratshaltung von Sämereien. Bei unseren heimischen Ameisen gibt es keine Vorratshaltung.

Nester in Ameisenpflanzen
Es gibt weltweit einig hundert Pflanzenarten und ebenso viele Ameisen, die in einer Art Symbiose mit den Pflanzen zusammenleben. Diese Vermieter (Myrmecophyten) von Ameisenunterkünften weisen in ihren Dornen, Ästen oder auch im Stamm Hohlräume auf, die von Ameisen gern besiedelt werden. Zusätzlich bietet die Pflanze den Ameisen Nektarien oder nährstoffreiche Körperchen. Dieser mieterfreundliche „Service“ veranlasst die Ameisen ihren Wirt gegen Schädlingen und Konkurrenzvegetation zu schützen.

Holzbewohner
Holzbewohnende Ameisen wie Rossameisen minieren vorrangig in anbrüchigem Nadelholz (Ein- und Ausgänge wie ein Schrotschussbild)
Holzbewohnende Ameisen wie Lasius fuliginosus mit Holzkartonnestern in Hohlräumen von alten, dicken Bäumen und sonstigen Hohlräumen auch in bewohnten Bereichen.

Nestbauer
Hügelbauende Waldameisen in den Wäldern Europas und Asiens
Wiesen- und Wegeameisen (L. niger und L. flavus) mit fußballgroßen Erdnestern zu hunderten je Hektar.
Nester unter Steinen.

Ameisen und Bionik
Ameisen sind in der Bionik ein bevorzugtes Gebiet: „Verkehrsstau – Duftstoffe – Klimatechnik – Antibiotika – Skelettaufbau bzw. 100 fache Tragkraft ihres Körpergewichtes – Fortbewegung senkrecht an Glasscheiben“.

Ameisen als Sozialstaaten
Ameisenstaaten sind Gemeinschaften (Sozietäten),
• deren Mitglieder als Einzeltiere nicht überlebensfähig sind;
• in denen die Individuen nicht nur etwas miteinander, sondern füreinander tun;
• in denen eine reproduktive Arbeitsteilung verwirklicht ist: die Erzeugung der Nachkommen obliegt den voll fruchtbaren männlichen und weiblichen „Geschlechtstieren“, die Pflege und Aufzucht der Jungtiere dagegen sterilen „Arbeiterinnen“, die auch die übrigen Arbeitsleistungen für das Volk erbringen und sich gestaltlich von den Geschlechtstieren unterscheiden;
• in denen sich verschiedene Generationen überlappen.

Neben Honigbienen, Hummeln, Faltenwespen und den Termitenarten leben noch ca. 20 000 Insektenarten staatenbildend. Für die meisten Insektenarten ist aber mit der Eiablage die Brutpflege beendet.

Sozialmagen der Ameisen, deren Futter durch 8 x 8 = 64 Ameisenmägen wandert

Rettungsdienst
Ameisen befreien verschüttete Nestgenossinnen (Hilferuf im Ultraschallbereich)

Kastensystem
In einem Ameisenvolk befinden sich
dauernd:
• eine, mehrere, einige hundert begattete, eierlegende Königinnen
• eine mehr oder weniger große Zahl unfruchtbarer Arbeiterinnen (einige Hundert, Tausend, Hunderttausend oder sogar Millionen – Treiberameise mit bis zu 22 Millionen Individuen - )
zeitweise
• männliche und noch unbegattete weibliche Geschlechtstiere, beide geflügelt
• Eier, Larven und Puppen.

Kasten der Arbeiterinnen
Krieger, Jäger, Sammler, Blattschneider, Straßenbauer, Lastenträger, Weber, Baumeister, Klimatechniker, Pilzzüchter, Gärtner, Bodenlockerer, Antibiotikaproduzent, Hebamme, Zofe, Kinderschwester, Futterspeicher




Vernetzungsebenen

Waldgesundheit
Ameisen als Jäger erbeuten an Sommertagen Millionen von Forstschädlingen, dadurch gesunder Wald als Klimaregulator, Erholungsraum, Lebensraum, Holzlieferant.

Pflanzenverbreitung
Annähernd 180 Blütenpflanzen und Gräser werden von Ameisen verbreitet (Elaiosome), dadurch Artenreichtum deren Nutznießer, Insekten und Waldtiere und Freude für den Waldbesucher über Naturschönheit

Bodenlockerung
Bis zu fünf Kubikmeter je Hektar werden von einem Ameisenvolk im Verlaufe seines Lebens umgesetzt, dadurch Bodenlockerung, besseres Wachstum, bessere Wasserspeicherung

Holzersetzung
Rückführung der Zellulose zu nährstoffreichem Boden, Wachstumsverbesserung usw.

Honigtauförderer
Schutz der Honigtau ausscheidenden Rinden- und Blattläuse durch Ameisen bedeutet Förderung der Hauptnahrung für sie selbst (70 %), abtropfender Honigtau ist Nahrung für ca. 300 Wildbienen insbesondere Grundlage des so wertvollen Waldhonigs. Abtropfender Honigtau reichert auf der Waldstreu Stickstoffbakterien an, dadurch bessere Streuzersetzung, Bodendüngung. Die Schnabelkerfe und ihre Überwinterungsstadien sind Nahrung vieler Waldvögel (Goldhähnchen, Meisen, Kleiber usw.) insbesondere für den Winter.

Ameisen als breite Nahrungsbasis
Ameisen und insbesondere deren Brut als Nahrungsbasis aller Spechte und Waldhühner (Auerhuhnansiedlung im Harz), Fasan und Rebhuhn.
Ameisengäste, insbesondere die Engerlinge des Rosenkäfers, sind eine wichtige Nahrung
z.B. für den Dachs.

Ameisenspray
Ameisensäure wird von zahlreichen Waldbewohnern zur Bekämpfung ihrer Parasiten genutzt, indem sie sich auf das Ameisennest legen, setzen, stellen und von den Ameisen besprühen lassen

Ameisen und Nestmitbewohner
Ca. 3000 Insekten leben in den Nestern der Ameisen als Mitbewohner, teils friedlich, teils als Nutzer der Ameisenbrut oder des Nestmaterials. Unterschiedliche Strategien machen ihnen das Leben mit den Ameisen möglich.
Beispiel;
Bläulinge, 30 % der Tagfalter auf warmen Trockenrasen wo der Wiesenknopf als Futterpflanze der Raupen dient, Eintrag der Räupchen nach wenigen Tagen ins Ameisennest, wo sie durch Abgabe von Honigtautropfen an die Ameisen diese friedlich stimmen, Verpuppung im Nest. Bedrohliches Aussterben von Bläulingen, deren Futter- und Nektarpflanzen sowie deren Vermieter, die Wiesenameisen, auf aufgedüngtem Fettrasen nicht existieren können. Verarmung der Nahrungskette.


Gert Habermann
März 2008

_________________
Gert Habermann
Clusweg 4
37574 Einbeck


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 

Alle Zeiten sind UTC


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Sie dürfen keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Sie dürfen keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Powered by phpBB