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 Betreff des Beitrags: Eine außergewöhnliche Bildungsinitiative der DASW Nds.
BeitragVerfasst: 25. Nov. 2008, 11:27 
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Eine außergewöhnliche Bildungsinitiative der DASW Niedersachsen öffnet 3000 Schülern den Blick in die vernetzte Welt der Ameisen
siehe auch unter: www.faszination-ameisen.de

Aus der Sorge um einen weltweit ungebremsten Artenschwund und bedrohlich zunehmender Umweltkatastrophen, erklärte die UN auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg 2002 „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BfnE) als ein vorrangiges Ziel für die Zeit von 2005 bis 2014. Weltweit soll sich danach schulische Bildung am Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren, wobei der Erwerb von Gestaltungskompetenz für die Zukunft ein zentrales Bildungziel darstellt. Eine Schlüsselfunktion ist dabei das Erlernen vernetzten Denkens, das ständige Hinterfragen unseres Handelns nach seinen Auswirkungen auf unsere Umwelt, das Vermeiden von Laufmascheneffekten am Netzwerk der Natur.

Die DASW, Landesverband Niedersachsen, hat diese Initiative aufgegriffen und bietet Schulen aller Alters-, Schulstufen und Schulformen, einschließlich Kindergärten und Förderschulen mit der Lehrausstellung „Faszination Ameisen“ eine außerschulische Bildungsinitiative, die mit besonderer Empfehlung der Landesschulbehörde und des Niedersächsischen Ministers für Umwelt und Klimaschutz, Hans-Heinrich Sander, ausgezeichnet ist.

Inhalt / Themenkreise / Equipment der Ausstellung:

• Ameisen und ihre vielfältigen Vernetzungsebenen plastisch sichtbar durch ein über die Ausstellung gespanntes Netz von Verbindungen, ausgehend von einer überdimensionalen Ameisenmarionette
• Darstellung der Vernetzungsketten:
1. Bläulinge – Kalkmagerrasen – Blumenvielfalt – Ameisen – Strategie der
Duldung als Ameisengast und im Umkehrschluss Fettwiesen – Artenarmut –
Verlust des biologischen Gleichgewichtes
2. Ameisen Pflanzenverbreitung
3. Ameisensäure – hudernde Waldvögel auf dem Nest der Ameisen.
4. Larven der Gäste der Ameisen als Nahrung für den Dachs am Beispiel des
des Rosenkäfers
5. Vernetzungsebenen Spechte – Ameisen als deren Nahrung – stabile Ameisen-
vorkommen – viele Spechte – viele Spechthöhlen – viele Nachmieter der
Spechthöhlen
6. Abhängigkeiten: Ameisen zwingende Nahrung für Waldhuhnküken wie
Auerhuhn, Birkhuhn und Waldrandbewohner wie Fasan, Rebhuhn, Haselhuhn
7. Vernetzungskette: Ameisen – Rindenläuse – Waldhonigbiene –
Überwinterungsstadien der Rindenläuse als Winterfutter vieler Waldvögel
8. Naturgetreuer Nestnachbau mit Waldbewohnern die in Bezug zu den Ameisen
stehen, wie Rebhuhn, Fasan, Birkhühner, Dachs, Eichelhäher, Specht und
Waldpflanzen
• Im Fokus der Ausstellung steht ein Großformicarium.
• Auf einer Leinwand wird mittels Kamera und Beamer im Makrobereich das quirlige Treiben der Ameisen am Futterplatz übertragen, sodass Futteraustausch, Putzen der Fühler mittels Putzkralle, Körperbau der Ameise usw. authentisch zu beobachten ist.
• An zwei Lupenreihen können unterschiedliche Ameisenarten, Entwicklungsstadien usw. betrachtet werden.
• Hornissennester, Bienenbeute, Honigwabe und Honigglas erweitern das Thema.
• In einem Schaukasten sind heimische Großinsekten im Original zu sehen.
• Nestquerschnitt und minierte Holzstrukturen zeigen den Lebensraum der Ameisen.
• Ein Baumstamm mit einer großen Spechthöhle, in die Kinder hineingreifen
und die Dimension der Höhle ertasten können, vermittelt einen direkten Bezug zum „sozialen Wohnungsbau der Spechte und deren zahlreiche Nachmieter“, die in Farbbildern über dem Höhlenbaum hängen.
• Lehrtafeln, Transparente und Darstellungen des Ameisenthemas aus Kindersicht, ein Banner über die DASW und die Sponsoren geben Schülern und Besuchern umfangreiche Informationen.


Die Ausstellung benötigt eine Fläche von ca. 200 qm, auch um große Schulklassen bei der Unterrichtung auf zwei Gruppen aufteilen zu können. Visuelle Ansprache und informative Inszenierungen überwiegen; alle Texte sind knapp und anschaulich. Sämtliche Exponate und Themenbereiche sind in sich schlüssig und knüpfen ein leicht zugängliches Netz von Abhängigkeiten im Ameisenstaat und im Lebensraum Wald.
Die Ausstellung fordert zum Entdecken auf. Sie soll begeistern und einen spielerischen Zugang zum Thema ermöglichen. An Kontaktlehrtafeln können Kinder ihr Wissen zu den Themen Ameisenstaat – Lebensraum am Waldrand, Lebensraum Naturwald und Lebensraum Waldboden abfragen. Interaktives Erforschen der Ausstellung im Dialog mit den ständig anwesenden Fachkräften, der Reiz des Lebendigen, die unglaubliche Kraft des „Winzlings Ameise“ spricht die Sinne der Kinder in einer Weise an, wie es kein noch so guter Unterricht zu leisten vermag.

Zur Vorbereitung der Ausstellung sind umfangreiche Gespräche und Terminabsprachen für den Besuch der einzelnen Klassen mit den Schulleitern erforderlich. Die Auswahl eines geeigneten Ausstellungsraumes, möglichst für alle Schulen einer Region günstig erreichbar, ist oft schwierig. Die Ansprache spendenwilliger Sponsoren ist mühsam und bedarf einiger Erfahrung. Der Kontakt zu Presse, Rundfunk und Fernsehen ermöglicht die erwünschten Multiplikatoren für unser Thema. Die ständige, ganztägige Begleitung der Lehrausstellung durch zwei Fachkräfte, der Transport, der Auf- und Abbau der Ausstellung und der sehr umfangreiche Schriftverkehr verlangen einen nicht zu unterschätzenden Zeitaufwand. Dennoch, der Erfolg und die Resonanz bei Lehrerschaft, Schülern, Eltern und der Bevölkerung der Region sind so überzeugend, dass sich der Einsatz lohnt.

Gezeigt wurde die Lehrausstellung in diesem Jahr an Schulzentren in Einbeck und Herzberg am Harz, jeweils 14 Tage, mit einer Eröffnungsveranstaltung für Lehrkräfte der Schulen, Sponsoren, Presse und Öffentlichkeit. Bingo-Lotto als Hauptsponsor, berichtete in einer dreiminütigen Aufzeichnung am 20. Juli im NDR- Fernsehen darüber. Die örtliche Presse informierte sehr ausführlich auf halbseitigen, farbigen Darstellungen über die außergewöhnliche Lehrschau. In Einbeck lernten 54, in Herzberg 62 Schulklassen aller Schulen der Region in der Ausstellung an den Ameisen und deren vielfältigen Themenkreisen das „vernetzte Denken“. Insgesamt konnten ca. 3000 Schüler, Kinder von fünf Kindergärten, Schüler zweier Förderschulen und an den Sonntagen die Öffentlichkeit, die Ausstellung besuchen. Ilsemarie Grotian und der Autor führten als Fachkräfte ständig und ganztägig durch die Lehrausstellung, die für die Ganztagsschulen auch an den Nachmittagen geöffnet war.

Uns interessierte natürlich die Resonanz der Schulen. Nachfolgend einige Zitate.
Elke Harms, Schulleiterin der Mahnte-Grundschule-Herzberg, in deren Aula die Lehrausstellung gezeigt wurde:
Zitat auszugsweise: „Ameisen machen Schule“ – so das Fazit der überaus gelungenen zweiwöchigen Ausstellung „Faszination Ameisen“. Schülerinnen und Schüler unserer Grundschule, der Nachbargrundschulen, der Haupt- und Realschule, der Förderschule und natürlich des Gymnasiums unterschieden sich zwar hinsichtlich ihres Vorwissens, zeigten sich aber ausnahmslos hoch motiviert und interessiert. Der Besuch und besonders die Anschauungsmöglichkeit lebender Ameisen zeigte nachhaltige Wirkung, denn in den Gesprächen der Kinder in der Schule wurde immer wieder die Bedeutung der Ameisen erklärt, und die (gestiegene!) Achtung vor einem Lebewesen als solchem zeigte sich deutlich. Besonderes Echo fanden die Schilderungen der Kinder bei den Eltern, Geschwistern, Großeltern und Freunden, denn viele Anfragen zu einer Besichtigung gründeten auf eben diesen Berichten über den Besuch der Ausstellung der Schulkinder. …..Die einstimmige Meinung der Lehrkräfte lässt sich so zusammenfassen: Es gibt nichts Besseres als Lernen durch Anschauung, „Lernen am Objekt“ – hier sogar „Lernen am lebendigen Objekt“. Kein Unterricht kann die Sinne der Kinder so ansprechen wie die direkte Begegnung mit dem lebendigen Tier, das Lernen „vor Ort“ hat einen ganz besonders hohen Stellenwert hinsichtlich des Verstehens und des Behaltens. Das Thema „Vernetzung“ war nicht nur ein Gegenstand in der Ausstellung, sondern vernetzt wurde auch das Vorwissen der Kinder mit den Inhalten der Ausstellung, die unterschiedliche „Ansprache“ der Kinder vernetzte auch den Lernzuwachs bezüglich unserer Umwelt und Lebensbedingungen auf vielfältige Art. Die Vielfältigkeit der Darbietung in der Ausstellung „Faszination Ameisen“ und die Art und Weise der Präsentation trugen weiterhin dazu bei, dass die Ausstellung noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wir alle sind überzeugt davon, dass die Erkenntnisse und Informationen der Ausstellung in uns selbst und in unseren Schulkindern lebenslange Spuren hinterlassen werden und unsere Einstellung zu Ameisen, ihrer Lebensweise und ihrer Bedeutung für die Natur dauerhaft beeinflussen werden. Dies war das Ziel der Ausstellung, dieses Ziel wurde vollständig erreicht. Durch die besonders anschauliche, vielschichtige und für Erwachsene und Kinder gleichermaßen gut aufbereitete Darbietung wurde sowohl Erwachsenen als auch (Grund) Schülern und Kindergartenkindern das vernetzte Denken nahe gebracht mit dem Bestreben nachhaltig handeln zu können“.
Oberstudiendirektor Bötel. Leiter des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums Herzberg :
Zitat, auszugsweise: „Die Ausstellung war aus Sicht unseres Kollegiums ein voller Erfolg und für die Schülerinnen und Schüler ein äußerst lehrreiches Ereignis, das ihnen die Vernetztheit der Lebewesen in ihrem Lebensraum und den Zwang zu verantwortungsbewusstem und nachhaltigen Handeln deutlich vor Augen führte. Dieses ist ein Ziel, um das sich unsere Schule als „Umweltschule in Europa“ besonders bemüht.
Vom Ernst-Moritz-Arnt-Gymnasium besuchten alle 16 Klassen der Jahrgangsstufen 5 bis 8 sowie die Biologiekurse der Qualifizierungsstufe (Jahrgänge 12 und 13) die Ameisen. Alle Schüler und Kollegen waren fasziniert von der Fülle der gebotenen Materialien, deren Höhepunkt eindeutig die lebenden Objekte des Formicariums darstellten, und den umfassenden und kindgerechten Erläuterungen während der jeweils einstündigen Führungen. …..Einige Kolleginnen und Kollegen griffen das Thema in ihrem Unterricht auf (nicht nur in der Biologie!), vertieften Teilaspekte und ließen Steckbriefe verschiedener Lebewesen, Zeichnungen oder kurze Vorträge zum Erlebten anfertigen. Besonders die jüngeren Schülerinnen und Schüler waren wirklich fasziniert, wie sich beim Nachfragen herausstellte. Sie hatten erstaunlich viele Einzelheiten behalten und konnten den Schutz der Ameisen und auch das Ziel des nachhaltigen Handelns und Wirtschaftens begründen.…..da man viel mehr in der Natur sieht, wenn man dabei Bekanntes wieder entdeckt, werden unsere Schülerinnen und Schüler, aber auch viele aus dem Kollegium, in Zukunft mit offenen Augen das Leben draußen betrachten. Wir würden uns sehr freuen, wenn weitere Ausstellungen und Veranstaltungen ähnlicher Art in unserer Region möglich wären“.


Gert Habermann

Nachsatz: Fragen oder weitere Erläuterungen zur Ausstellung bei G. Habermann, Clusweg 4 in 37574 Einbeck, Telefon: 05561-5981, E-Mail: G.H.Habermann@arcor.de


E-Mail von Prof. Dr. A. Buschinger am 27.Nov.2008
Lieber Herr Habermann,

Zu Ihrem Einsatz und zum Bericht „Eine außergewöhnliche Bildungsinitiative der DASW Nds.“ im Forum der DASW kann ich nur sagen: Großartig!

Vielen Dank Ihnen und Frau Grotian für diese Aktion. Man kann nur hoffen, dass andere LVs und Ameisenschutzvereine usw. sich das zum Vorbild nehmen!



Eigentlich wollte ich diese Zeilen als „Antwort“ ins Forum schreiben, aber das dürfen nur die Moderatoren. Vielleicht wollen Sie es dort einfügen?



Alles Gute und herzliche Grüße,

Ihr A. Buschinger



--
Prof. Dr. A. Buschinger
Rossbergring 18
D-64354 Reinheim
Germany


Dateianhänge:
Dateikommentar: Ausstellung Herzberg 2008
Austellung Herzberg Ilse.JPG
Austellung Herzberg Ilse.JPG [ 169.34 KiB | 6325-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Der Reiz des Lebendigen
Ausstellung Herzberg 2.JPG
Ausstellung Herzberg 2.JPG [ 194.63 KiB | 6318-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Authentische Übertragung auf die Leinwand im Makrobereich
Authentische Übertragung auf die Leinwand.JPG
Authentische Übertragung auf die Leinwand.JPG [ 188.28 KiB | 6322-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Ameisen unter der Lupe
Ameisen unter der Lupe.JPG
Ameisen unter der Lupe.JPG [ 175.71 KiB | 6316-mal betrachtet ]

_________________
Gert Habermann
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